Seit langer Zeit schon steht das Thema „Wohnzimmer streichen“ auf meiner To-Do-Liste. Aber aus Zeitmangel bin ich es bis dato nicht angegangen. Bis letzte Woche, denn ich konnte die weisse Wand im Wohnzimmer einfach nicht mehr sehen. So wie in einem meiner letzten Artikel geschrieben, fallen einem ja manchmal die „komischsten Dinge“ auf, wenn man wieder häufiger im Homeoffice arbeitet.

In meinem Fall fing es mit dem Fernseher an. Es hat mich total gestört, dass dieser immer sofort im Fokus stand, sobald man das Zimmer betrat. In einem kleinen Anfall von Umräumwahn habe ich also meine Mittagspause genutzt  und das gesamte Wohnzimmer auf den Kopf gestellt. Der Esstisch wanderte von der linken zur rechten Seite, der Fernseher verschwand hinter einem Regal und ich kann nun auf der Couch sitzen und zum Fenster hinausschauen.

Part 1: Die richtige Farbe aussuchen

Aber das Umräumen sollte noch nicht alles sein, denn bereits lange wollte ich eine Wand im Wohnzimmer streichen. Da ich nicht so sehr der Typ für helle Wandfarben bin, habe ich mir zwei Farben ausgesucht: 1. ein dunkles Petroleum oder 2. ein dunkles Waldgrün. Als nächstes habe ich Kontakt zu Monja von Kolorat aufgenommen, kannte ich ihre Farben doch bereits von Instagram. Monja hat sich dann die Zeit genommen mich zu beraten und wir haben uns auf ein dunkles Petrol mit dem schönen Namen K/82-42-11-68/T geeinigt, das perfekt zur Bolia-Couch passen sollte (Ton in Ton, ihr wisst schon).

Für all jene, die sich noch etwas unsicher in der Farbwahl sind, gibt es hier ein paar Tipps von Monja, wie man die richtige Farbe findet:

Altbau in Berlin mit Midcentury modern Moebeln
  • Überlege zunächst was du in deinem Raum verändern möchtest bzw. welche Raumwirkung du erzielen möchtest? Zum Beispiel Akzente setzen, Wärme & Gemütlichkeit in den Raum bringen, den Raum optisch vergrößern/ verkleinern, etc.
  • Welche Farben hast du bereits in deinem Raum durch Boden, Möbel & Accessoires? Die Wandfarbe sollte passend dazu ausgewählt werden. Greifst du bei der Wandfarbe vorhandene Farbnuancen auf, entsteht eine harmonische Wirkung im Raum. Möchtest du hingegen Akzente setzen, greife zu kräftigeren Farbtönen.
  • Wände auswählen, die einen farbigen Anstrich erhalten. Schaue hier zum einen auf die Form des Raumes und zum anderen auf deine Einrichtung. Vielleicht möchtest du genau die Wand hinter deinem Sofa, hinter deinem Bett oder hinter deiner Vintage-Kommode farbig hervorheben. An dieser Wand wird nachher auch das Interior besonders in Erscheinung treten.
  • Wer die ausgewählte Farbe einmal testen möchte, kann vorab mit einem kleinen Probeanstrich schauen wie die Farbe zu den verschiedenen Tageszeiten im eigenen Raum wirkt (Tipp: Bei Kolorat gibt es die hochdeckende Wandfarbe in der kleinen 0.2L-Dose).
Vintage Braun Musikschrank als Highlight Moebelstueck im Altbau in Berlin

Farbtrends sind zur Zeit sowohl die kräftigen Farben, wie Dunkelblau oder ein dunkles Grün. Wandfarben in Blau-Grau und in Blau-Grün sind wunderbar wohnlich. Dabei gilt, umso höher der Grauanteil, desto gedeckter und zurückhaltender wirken die Farben. Ein weiterer Trend, den ich auch schon oft im Netz gesehen habe sind Salbeitöne. Zurückbesinnt auf die Natur werden neben kräftigen Dunkelgrüntönen gerne Salbeitöne gewählt. Sie bringen eine angenehme Farbigkeit, lassen sich vielseitig kombinieren und haben einen ruhigen Charakter.

Auch erdige Farbnuancen sind wieder angesagt. Dabei werden die „Terrakotta-Töne“ neu aufgelegt (Ha, Terracotta, wer sagt´s denn!). Sie gehen mehr ins erdige Braun bzw. haben einen höheren Rotanteil. Ebenso finden sich mehr Blush-Töne, die wunderbar zart sind und sich toll kombinieren lassen.

Was anscheinend immer geht? Ganz klar Hell- bis Dunkelgrau, da es sich vielseitig einsetzen und kombinieren lässt.

Wohnzimmer streichen: Blumen fuer den Fruehling mit Midcentury Tisch und String Regal

Vorbeireitung wie Abdecken fuers Wohnzimmer Streichen

Part 2: Gute Vorbereitung ist die halbe Miete

Ich habe das große Glück, dass meine Schwägerin Malermeisterin ist und so konnte ich mir den ein oder anderen Tipp zum Thema Wohnzimmer streichen abholen. Um mich beim nächsten Besuch ihrerseits nicht völligst zu blamieren, habe ich versucht so sauber wie möglich zu arbeiten. Das ist mir (größtenteils) auch gelungen und es gab keine schwerwiegenden Unfälle. Ok, ich musste meine Auflaufform zum Eimer umfunktionieren, aber das war auch schon der größte Fauxpas. Und auch wenn die Vorarbeit etwas nervig ist, ist sie für das spätere Glück ganz wichtig (Stichwort: Vorspiel-Sex-Orgasmus).

Da mir nun eine windige Überleitung von Sex zu meiner Schwägerin fehlt, rede ich gar nicht lange um den heissen Brei herum. Hier sind also:

Interiorblogger und Do it yourself: Das Wohnzimmer streichen

Die 10 ultimativen Profi-Tipps zum Thema Streichen:

01. Neue wie gebrauchte Pinsel und Walzen vor Gebrauch mit Seife und Wasser reinigen. Dann nehmen die Werkzeuge die Farbe besser an, sind geschmeidiger und man kann die Farbe gleichmäßiger auftragen.

02. Alle Flächen und Möbel die nicht mit Farbe bekleckert werden sollen, sorgfältig mit Folie abdecken. Zur Not kann man auch alte Lappen und Handtücher verwenden. Steckdosen, Fensterbänke und Sockelleisten mit einem Klebeband (Krepp) abkleben, dabei kann man gerne 1 bis 2 mm von der Fläche wegbleiben.

03. Parkett oder Fliesenboden am besten mit einem festen Material (z.b. alte Lappen oder alte Bettwäsche) abdecken. Dann rutscht die Leiter nicht weg oder zerreißt die Folie.

04. Farbe immer vor Gebrauch gut aufrühren/mischen. Häufig setzen sich Pigmente und Bindemittel am Eimerboden ab und dadurch deckt die Farbe nicht richtig. Falls die Farbe etwas dickflüssig ist, kann man sie gerne mit 10 % Wasser verdünnen. Dann lässt sie sich besser auf die Fläche verteilen.

05. Fürs Streichen am besten einen großen Behälter oder Eimer verwenden. So passt auch die große Walze gut rein und man kleckert nicht so viel rum. Ein Streichgitter ist ebenfalls zu empfehlen. Dabei kann die Walze gleichmäßig die Farbe aufnehmen.

06. Erst die Wandfläche drumherum ( Ecken, Kanten, Sockel, Fenster) mit einer kleinen Walze und einem Pinsel und danach mit der großen Walze gleichmäßig die komplette Wand streichen. Dabei sollte man die Walze nicht zu sehr auswalzen. So vermeidet man Ansätze und einen unterschiedlichen Farbverlauf.

07. Farbige, einzelne Flächen kommen gut zu Geltung, wenn sie nicht ganz bis an Ecken oder Decke gestrichen werden. Dazu einen dünnen Rand um die Fläche freilassen. Am besten eignet sich ein schmales Klebeband mit einer Breite zwischen 2,5 und 3,5cm. Das Klebeband bringt man um die Fläche herum an und drückt es mit einem Lappen gut an. Damit später die neue Farbe nicht unters Klebeband läuft und man einen sauberen Abschluss hat, sollte man vorher entweder mit der Untergrundfarbe (z.B weiß) oder Kleister (trocknet schnell und ist transparent )das Klebeband zur Fläche hin damit bestreichen.

08. Klebebänder können nach Fertigstellung generell im nassen Zustand noch abgezogen werden. Dabei sollte man drauf achten, dass sie flach abgezogen werden. Somit hat man keine starke Zugkraft und die Tapete bleibt unbeschädigt.

09. Es ist immer zu empfehlen etwas von der Farbe aufzuheben um später auch etwas ausbessern zu können. Wenn die Farbe vorher nicht mit Wasser verdünnt worden ist, dann kann man sie bis zu einem Jahr lagern. Dabei sollte der Behälter gut verschlossen und kühl gelagert werden. Bei Farben die mit Wasser verdünnt worden sind, ist die Lagerungsdauer mindestens um die Hälfte verkürzt.

10. Alles wird gut.

Part 3: Das Wohnzimmer streichen

Ich habe mich tatsächlich sehr an ihre Tipps gehalten (gut, wenn man jemanden hat, dem man etliche Fotos von Farbrollen aus dem Baumarkt schicken kann) und losgelegt. Ein wenig aufgeregt war ich schon, hatte ich doch die Worte meiner Schwester im Kopf. Sie hatte große Bedenken, dass der Raum zu dunkel werden könnte.

Ich war aber bereits beim ersten Pinselstrich begeistert und irgendwie ging es dann auch ratz fatz und die knapp 18 qm-Wand war dunkelpetrol. Ich habe mir (vielleicht aus Faulheit) keinen zweiten Anstrich gegönnt, weil die Farbe schon beim ersten Anstrich so gut gedeckt hat, dass mir die Farbintensität bereits ausgereichte. Was ich besonders schön finde ist die Tatsache, dass die Farbe einen matten Effekt hat und somit meine Raufaser nicht so raussticht (ja, es gibt tatsächlich Interior-Blogger mit Raufasertapete).

Sobald die Farbe getrocknet war, habe ich alles wieder an seinen Platz geschoben und war begeistert, wie gut der Musikschrank mit seinem warmen, rotbraunen Holz zum Blau passt. Und auch das Stringregal kommt meiner Meinung nach wahnsinnig gut zur Geltung, ganz zu schweigen vom Sofa, das nun mit der Wandfarbe eine Einheit bildet. Meiner Meinung nach eine phantastische Kombination. Und tatsächlich wirkt der Raum weder zu dunkel, noch zu klein, vielmehr setzt die farbige Wand ein ganz besonderes Highlight im Raum.

Die Entscheidung war also eine gute und ich kann jeden nur ermutigen sich was zu trauen. Und sind wir mal ehrlich: Wenn es einem gar nicht gefällt, dann heisst es einfach: Wohnzimmer streichen Vol. 2.

Blaue Wand im Wohnzimmer mit Midcentury Holz und Bolia Couch
Berliner Stil: Wohnzimmer Wand in Petrol

Part 4: Dekorieren

Eigentlich habe ich gar nichts neu dekoriert, da alles bereits gepasst hat. Natürlich werde ich immer wieder was ändern, aber gerade passt es einfach zu gut. Ich habe mich lediglich von einigen Bilderrahmen getrennt, die mit den weissen Rahmen einen zu großen Kontrast gesetzt haben. Ich freue mich aber schon auf den Frühling mit all den schönen Blumen, die sicherlich super aussehen werden. Wer wissen will, wie das dann aussieht, der folgt uns einfach auf Instagram!

Wohnzimmer streichen in Blau mit Vintage Vase
Dunkle Wandfarbe: Wohnzimmer streichen in Petrol

Danke an Kolorat für die persönliche Beratung und die Bereitstellung der Farbe.


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Gut, dass es unseren Newsletter gibt, der euch mit allen Infos rund um den fancy Interior Blog Newniq versorgt. Einmal die Woche gibt es alles zum Thema Wohnen & Interior, Design & Lifestyle und Travel & Locations. Somit seid ihr gut informiert und könnt auf der nächsten Party einen auf Profi machen. Yihaa.

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