Harry Clark steht für stilvolles Interior Design, opulente Kombinationen und einen interessanten Stilmix, der sehr viel Feingefühl beweist. Wir haben Harry, den Besitzer von Harryclarkinterior zum Interview gebeten und haben sehr viel zum Thema Interior Design erfahren. Was er über Karl Lagerfeld zu sagen hat und warum es sich lohnt eher abseits der Messen nach Trends zu suchen, könnt ihr hier lesen:

Inneneinrichtung und Interior Beratug in Berlin von Harry Clark

Lieber Harry, wer bist du und was machst du?

Ich besitze seit frühester Kindheit eine ausgeprägte Affinität zu Musik, Design, Architektur und Kunst. Nach dem Abitur stand ich vor der Wahl, ob ich mich weiter zum Konzertpianisten ausbilden lassen wollte oder lieber dem Design nachgehe. Ich habe dann Innenarchitektur und Bühnenbild studiert. Es war ein langer Weg von der Musik zum Bühnenbild und über die Gartenarchitektur zum Interior Design.

Mir wurde irgendwann klar, dass es sich bei allen künstlerischen Tätigkeiten im Grunde immer um ein und dieselbe Sache handelt: um den Willen zu gestalten. Interior Design bedeutet für mich nicht nur schöne Sachen zu besitzen. Vielmehr sehe ich darin einen sinnlichen und einen tieferen, psychologischen Aspekt. Idealerweise macht Design eine Umgebung zu einem Ort, an dem man sich wohlfühlt, den man mitgestalten kann, an dem man seine Bedürfnisse mit denen anderer in Einklang bringt, sich öffnet. Für mich ist Design ein Lebensumfeld, das stimmig und harmonisch und manchmal auch disharmonisch sein kann, so wie das Leben selbst – oder wie ein amerikanischer Kollege, Nate Berkus, formuliert hat: „Your home should tell the story of who you are, and be a collection of what you love.“

Wandobjekt aus Rauchglas: Design Spiegel insziniert von Harry Clark
Minimalistisches Treppenhaus mit Sprossen
Sitzecke im french style mit Vintage Interior Design

Was magst du an deinem Job besonders?

Ich liebe den kreativen Prozess, der im Unterschied zum handwerklichen mit einem konkreten Ziel, zieloffen ist, mit einem gestaltenden Weg dahin. Insbesondere auf die psychologische Komponente des Erkennens und Gestaltens, lasse ich mich immer wieder gerne ein. Wichtig finde ich den Status quo herauszufordern, damit Neues Einzug halten kann. Ich vergleiche meine Arbeit immer gern mit der eines Trüffelschweins, was für sämtliche Aspekte meiner Arbeit gilt: von der Recherche von Materialien bis hin zum Aufspüren der tatsächlichen Wünsche und Vorstellungen meiner Kunden.

„Viele Menschen wagen nicht, ihren eigenen Wünschen nachzugehen, ihre eigenen Bedürfnisse zu identifizieren und/oder klammern sich sklavisch an vermeintliche Gesetzmäßigkeiten.“

Wo und wie inspirierst du dich über neue Trends? Sind für dich Messen wie die imm oder die Maison et Objet wichtige Inspirationsquellen?

Messen besuche ich nur sporadisch. Wenn, dann aber auf jeden Fall gezielt und projektorientiert, mit offenen Erwartungen und zu ganz spezifischen Themen. Zumeist sind die Events und Ereignisse, die rund um eine Messe stattfinden, interessanter und inspirierender, als die Messe selbst, weil dann das Angebot im alltäglichen Zusammenhang erlebt werden kann.

Während der Mailänder Möbelmesse findet sich z.B. im Stadtteil Brera, gleich hinter der Mailänder Scala, der „Brera Design District“, wo sich ideenreiche und aufwändig gestaltete Showrooms finden lassen.

Gehst du immer mit dem Trend oder hält du gar nichts davon?

Trends sind gut und wichtig für Menschen, die einen Rahmen als Entscheidungshilfe benötigen. Sie geben Ihnen Sicherheit, wenn sie sich keinen anderen Rat holen möchten. Und Trends sind wie alle Moden, ein Ausdruck der Zeit, in der wir leben, die wichtig sind, aber nicht in Stein gemeißelt. Ich versuche ein möglichst zeitloses und lebensfrohes Design zu kreieren, mit vielen unterschiedlichen Aspekten.

Was nützt es z.B. einen bestimmten Trend in einem Projekt umsetzen zu wollen, obwohl die Parameter hierfür denkbar ungeeignet sind. Viel wichtiger ist es, die Wünsche der Kunden entsprechend ihrer individuellen Persönlichkeit umzusetzen und letzterer Ausdruck zu verleihen. Wenn ein Trend ein Anstoß ist, ein Aufhänger, aus dem sich dann ein ganzes Projekt entwickeln kann, dann hat er schon sehr viel bewirkt.

Hat sich deiner Meinung nach in den letzten Jahren durch Pinterest und Instagram die Haltung deiner Klienten zu gutem Interior verändert? Wissen Sie dadurch immer genau, was sie wollen?

Diese Plattformen dienen meiner Ansicht nach als Plattform für Ideensammlungen und zur Außendarstellung. Sie haben meinen Beobachtungen zufolge allerdings den Anspruch bei vielen geweckt, dass Informationen ausreichen, um es dann selbst zu können. Aber viele Noten, machen noch keinen Komponisten. Ein Projekt, in welcher Größe und in welchem Umfang auch immer, ist immer die Summe des Inputs aller Beteiligten und vieler Einzelteile, die konzeptionell und kompositorisch in ein stimmiges Gefüge gebracht werden.

Dank des Wwws gibt es einen viel demokratischeren Zugang zu Informationen. Dass sich durch das Auswählen entsprechend der eigenen Vorlieben Fähigkeiten entwickeln, ist nicht der Fall. Sonst könnte ja auch jeder Chirurg, Physiotherapeut oder Architekt werden, nur weil die Informationen dazu frei zugänglich sind – aber wie schon gesagt, wenn es ein Anstoß zum Gestalten ist, dann ist schon viel gewonnen. Ich arbeite sehr gern mit Instagram, weil ich zum einen damit einen weiteren Ausschnitt und Einblick in meine Welt der Arbeit geben und zum anderen sehr gut recherchieren kann, und auch inspiriert werde von der Vielzahl der Accounts und Posts.

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Was machen die meisten Menschen beim Einrichten falsch?

Sie orientieren sich zu sehr an Trends, an dem, was andere haben, oder am Urteil von anderen. Viele Menschen wagen nicht, ihren eigenen Wünschen nachzugehen, ihre eigenen Bedürfnisse zu identifizieren und/oder klammern sich sklavisch an vermeintliche Gesetzmäßigkeiten, wie z.B Feng Shui, allgemein formulierte Farbwirkungen, an Ratgeber zur Selbsthilfe. Diese Hilfsmittel zeigen meiner Meinung nach immer die Angst, etwas falsch zu machen, sich im wahrsten Sinne des Wortes nicht zu trauen, als vielmehr der Lust am Wohnen, an Behaglichkeit, an Individualität, an Eleganz nachzugeben. Allerdings möchte ich diese real existierende Angst auf keinen Fall negativ bewertet wissen. Vielmehr geht es mir darum, sich dieser Angst bewusst zu werden und ins Agieren und Handeln, ins Wollen zu kommen.

Viele spüren, wie sie etwas gerne haben und gestalten möchten, brauchen aber jemanden, der es für sie professionell strukturiert, ordnet, Orientierung herstellt und sie dadurch unterstützt – „und dann noch eins oben drauf setzen kann“, wie dies kürzlich eine meiner Kundinnen ausdrückte.

Ein konkreter fundamentaler Fehler ist z.B. zu geringen Wert auf den Bodenbelag zu legen. Hier gibt es so viele Möglichkeiten für jedes Budget abseits von Laminat und weißen Fliesen. Der Fußboden und die Farbgestaltung der Wände sind die wichtigsten Elemente in einem Einrichtungskonzept; alles Andere wird sich dann einfügen lassen.
Laminat ist sicherlich kein stilvoller und wertiger Bodenbelag, ganz gleich, wie hochwertig er auch immer angepriesen sein mag; desgleichen gilt für weiß-grau geflammte Fliesen.

Gibt es einen universellen Tipp, der immer funktioniert?

Machen ist besser als warten, bis es vermeintlich perfekt wird. Sich auf seine Intuition verlassen und den vielen „Aber“ nicht zu viel Platz machen; immer nach dem Motto: „Consider it done, rather than being perfect“; und sich einen Rahmen geben, in dem flexibel in alle Richtungen gedacht werden darf; und vor allem: Seine Wünsche den Interior-Experten anvertrauen, damit diese umgesetzt werden können.

Farben spielen bei dir eine sehr wichtige Rolle. Auf welche Farben dürfen wir uns 2018 freuen?

Bei mir gibt es keine saisonalen Farbtrends. Ich versuche Farben immer möglichst zeitlos und der jeweiligen Situation angepasst einzusetzen. Wobei Situation heißt: Räume, Lichtverhältnisse, Umgebung, Vorlieben des Auftraggebers, Mobiliar, Lebenssituation etc. Farben wirken erst im Zusammenspiel der ästhetischen Bedingungen – sie interagieren im kreativen Prozess.

Farben gestalten Räume, sie verbinden sie und geben Struktur. Und auch in diesem Thema gilt, dass es zwar bestimmte Vorstellungen und Vorlieben geben kann, diese dann aber in die jeweilige Situation übersetzt werden müssen. Z.B. funktioniert ein Rosa in einem Haus auf Mallorca ganz anders, als in einem Altbau in Berlin. da kann das Mallorca-Rosa Vorbild und Inspiration sein, aber nicht eins zu eins übertragen werden. Nein, vielmehr wird es im wahrsten Sinne des Wortes vom südeuropäischen Kontext in den nordeuropäischen Kontext übersetzt, damit es den gewünschten Charakter entfaltet. Und Farben funktionieren dann perfekt, wenn sie uneindeutig sind.

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Hast du schon Ideen, wie du die Pantonefarbe des Jahres „Ultra Violet“ einsetzt?

Ich liebe die Pantone-Farben schon seit Anbeginn. Sie kommen meinen Vorstellungen von natürlicher Farbgebung sehr nahe. Ich habe kürzlich – wie schon einige Male zuvor – ein dunkles Lila in einem Interior-Projekt eingesetzt – im großen Entrée, in der Küche als Splashback, und in einem kleinen Gang zu den hinteren Zimmern.
Aber auch für die Trendfarbe gilt – wie im übrigen für alle Farben -, dass es auf die Übersetzung, die Nuance ankommt und nicht auf die Farbnummer.

Welchen Trend nimmst du dieses Jahr mit und wovon verabschiedest du dich erst einmal?

Ich verabschiede mich nie ganz von einem Trend. Der Trend, der jedoch gerade aufzukommen scheint ist Memphis, Alessi der 80er etc. Der war und ist mir zu oberflächlich und dekorativ. Memphis hatte seinerzeit Karl Lagerfeld erst gesammelt und dann aus seiner Wohnung entsorgt. Und wie er immer betont, blickt er sicherlich auch heute nicht wehmütig zurück. Nun kommt Memphis wieder…na ja… Auch die damit zusammenhängenden beißenden Pastellfarben: mintgrün, zitronengelb und kreischrosa, dazu weiß und schwarz, werden allenthalben wieder gehypt, nur weil es ein Trend sein soll.

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Gibt es für dich einen Klassiker, der jedem Trend strotzt?

Anscheinend haben Signaturepieces von Harry Bertoia, Corbusier, Eames und Marcel Breuer alle Trends überlebt. Sie werden immer noch hergestellt und passen sich jedem Bedürfnis an und weil sich die unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen damit identifizieren können, weshalb aber auch so viele Fakes auf dem Markt sind.

Wie bist du selbst eingerichtet?

Üppig, leidenschaftlich, sammlerisch, eklektisch, gemütlich, detailliebend – für manche „over the top“, mit Lampensucht, expressiv und all den Vorlieben: Lampen, Vasen, Kunst und Klasssische Musik – immer in einen Gesamtzusammenhang komponiert.

Was ist der skurrilste Gegenstand in deiner Wohnung? Welche Geschichte gibt es dazu?

In einem Urlaub auf Ischia in der Mittagshitze in einem nicht minder skurrilen Antiquitätengeschäft, habe ich ein Paar Lampenfüße erstanden: wei midcentury-american-chinoise Gibsfiguren. Zu Hause habe ich diese dann restaurieren lassen und mit moiré-seidenen Lampenschirmen versehen, die in einer Werkstatt für Lampenschirme hier in Berlin eigens angefertigt worden sind.

Gibt es einen bestimmten Ort, wo du nach diesen besonderen Stücken suchst?

Nein, ich gehe immer mit offenen Augen durch die Stadt oder wo auch immer; ich stolpere lieber darüber, lasse mich gerne überraschen, auch von den jeweiligen Launen und Begegnungen.


Danke Harry für die tollen Tipps und das sehr informative Interview!
Das Interview ist in Kooperation mit Harryclarkinterior entstanden.


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