Wenn Ihr unsere letzten Homestories verfolgt habt, dann wisst Ihr, wie begeistert wir vom Einblick in die Wohnungen und Häuser anderer Menschen sind. Vor allem, wenn es dort so schön zu geht wie bei Anne und es dazu noch so eine interessante Geschichte zu erzählen gibt. Anne ist Architektin und hat ein Faible für Gestaltung und Einrichtung. Wie mögen Ihre vier Wände sehr und freuen uns, Euch diese hier vorzustellen. Dann mal los:

01. Liebe Anne, stell dich doch kurz vor:

Hi, ich bin Anne. 1984 in Halle an der Saale geboren und im Umland aufgewachsen, verbrachte ich meine wilden Zwanziger zum Studieren und Arbeiten im Ausland. Schon als kleines Mädchen besuchte ich verschiedene Zeichen- und Bastelkurse und bündelte meine Kreativität schlussendlich in einem Architekturstudium. Dort lernte ich auch meinen jetzigen Mann kennen und lieben. Mit Anfang 30 beschlossen wir, in meine Heimat zurückzukehren und uns dort selbstständig zu machen. Seit Mai diesen Jahres sind wir zu dritt und ich nutze die Elternzeit, um die ein oder andere Einrichtungsidee in den eigenen vier Wänden umzusetzen.

02. Wie lebst du?

Seit fast einem Jahr wohnen wir nun in dem alten Haus meiner Großeltern. Nach dem Tod meines Opas bewirtschaftete meine Oma das Haus allein weiter. Doch nach ein paar Jahren wurde ihr alles zu viel und sie beschloss, in eine kleinere, altersgerechte Wohnung zu ziehen. Der Familienrat tagte und wir entschieden uns, das Haus zu „unserem Projekt“ zu machen. Wir haben großartige Bauherren, aber die Möglichkeit, endlich einmal ein Projekt voll und ganz nach den eigenen Vorstellungen zu planen und zu realisieren und das Wissen, dass das Haus im Familienbesitz bleibt, beflügelten uns.

Die Proportionen des Hauses erinnern an ein Monopoly-Häuschen. Kompakt und selbstbewusst steht es auf einem kleinen Hügel. 

Wir entfernten alle Anbauten und spielten das ursprüngliche Haus aus den Vierzigern frei. Die Proportionen erinnern an ein Monopoly-Häuschen. Kompakt und selbstbewusst steht es auf einem kleinen Hügel. Und ja, mit stolzen 50 qm verstärkt auch die Größe diese Assoziation. Uns war bewusst, dass am Ende keine riesige Hütte auf dem Berg thront und wir an der ein oder anderen Stelle Abstriche machen müssen. Wir definierten die für uns wichtigen Räume und versuchten, so platzsparend wie möglich zu planen. Wir haben zum Beispiel auf ein Esszimmer verzichtet und uns für eine Wohnküche entschieden. Die Waschmaschine versteckt sich hinter einem Einbauschrank, dafür gibt es im Gästebad eine Badewanne. Schlussendlich sind wir bei vier Zimmern und 100 qm gelandet.

Dazu wurde das Haus meiner Großeltern um einen Eingangsbereich und ein weiteres, kleineres Häuschen erweitert. Wir entschieden uns, dem bestehenden Haus große Bedeutung zuzuschreiben. Es ist der Teil, in welchem wir viel Zeit mit Familie und Freunden verbringen. Hier befinden sich die Wohnküche, das Wohnzimmer, ein Gästebad und unter dem Dach eine Gästeschlafnische. Der Eingangsbereich erstreckt sich über die gesamte Hauslänge und verbindet das Bestandsgebäude mit dem Neubau. Vom Dorf aus betrachtet, befindet sich dieser hinter dem Altbau. Über zwei Stufen gelangt man zu unserem Schlafzimmer, Gretas Kinderzimmer und dem Familienbad.

03. Was war die größte Herausforderung bei der Renovierung / beim Hausbau?

Entscheidungen treffen, sich von einer geliebten Idee verabschieden, Alternativen wählen – alles leichter gesagt als getan. Das kleine Haus verlangte da so einiges von uns ab. Wir wollten den wenigen Platz so gut es geht nutzen und diskutierten viel und lange. Für den Fußboden im Eingangsbereich und in den Bädern wollte ich unbedingt einen fugenlosen Terrazzoboden. Jedoch ist dieser auf unserem Breitengrad unbezahlbar. Also musste eine zahlbare Alternative her: ein fugenloser Gussboden. Der Kamin, welcher für gemütliche Abende sorgen sollte, wurde aus Platz- und (wie sollte es anders sein) Kostengründen komplett gestrichen.

Wir sind immer noch nicht fertig und das ist für mich, als ungeduldiger Mensch, eine wirkliche Herausforderung. Hier und da fehlt noch ein Einbauschrank, eine Leiste und über den Außenbereich schreibe ich erst gar nicht.

04. Was war die größte Überraschung bei der Renovierung / beim Hausbau?

Zwei Sachen: die dunkle Küche und das Gästebad.

So selbstbewusst ich beim Planen war, so sehr ging mir die Muffe, als der Küchenaufbau näher rückte. Ist sie vielleicht doch zu dunkel für das kleine Haus? Wären einfache, weiße Fronten nicht viel freundlicher und zudem zeitlos? Die meisten, denen ich von der Planung berichtete, schlugen die Hände über dem Kopf zusammen und am Ende träumte ich schon davon. Der Tag des Einbaus rückte näher und ich konnte es nicht erwarten, auf die Baustelle zu fahren. Ich betrat die Küche und fand sie perfekt. Genauso hatte ich sie mir in meiner selbstbewussten Phase vorgestellt.

Das Gästebad wurde in unseren Planungsbesprechungen bis zum Schluss heiß diskutiert. Hier ist einfach jeder Millimeter ausgenutzt. Eine Badewanne wollte ich für kalte Wintertage oder im Falle einer Erkältung nicht missen. Da wir aber im Alltag lieber duschen, fanden wir es sinnvoll, diese im Hauptbad und die Badewanne im Gästebad zu platzieren. Auf dem Plan schien alles zu passen, aber ist es dann später auch wirklich gut nutzbar? Wir haben den kleinsten Raum in unserem Haus über zwei Geschosse, bis unter das Dach geöffnet und über ein Dachfenster belichtet. Durch die Höhe und die Helligkeit wirkt er überhaupt nicht beengend und ist sogar der hellste Raum im ganzen Haus.

05. Beschreibe deinen Einrichtungsstil, worauf legst du Wert?

Ich würde ihn als wilden Mix beschreiben. Erbstücke stehen neben Flohmarkterrungenschaften, dazwischen finden sich Urlaubsmitbringsel und Teile, auf die wir gespart haben. Und auch das schwedische Einrichtungshaus ist an der einen oder anderen Stelle vertreten. Ich mag es, wenn man durch Wohnungen geht und etwas entdecken kann. Wenn es zu den einzelnen Gegenständen eine Geschichte gibt. Wichtig ist, dass ein Zimmer nicht komplett aus den alten Erbstücken besteht. Ich finde, das wirkt schnell altbacken und muffig. Hilfreich sind hier Brüche. Das moderne Sofa auf dem alten Teppich. Auf dem Holzschrank von Opa eine zeitgemäße Lampe.

So sehr ich den Materialmix beim Einrichten mag, so sehr haben wir beim Hausbau auf diesen verzichtet und uns auf einige wenige Materialien beschränkt. Im gesamten Haus gibt es nur zwei unterschiedliche Bodenbeläge. Das Holz der Küchenfronten kommt beim Badezimmerunterschrank wieder zum Einsatz. Die dunklen Natursteinplatten aus dem Gästebad findet man auch als Bodenplatte in der Dusche und als Ablageflächen im Familienbad. Die runden Wandlampen unterscheiden sich zwar in ihrer Größe, sind aber sonst identisch und kommen im Eingangsbereich, in den Bädern und im Schlaf- und Kinderzimmer zum Einsatz.

Auch eine gewisse Grundordnung ist mir wichtig. Sachen haben ihren festen Platz und gehen nicht im Chaos unter. Hier sind unsere Einbauschränke Gold wert. Alles, was das Potential hat, in der Wohnung herumzufliegen, landet im Einbauschrank. Diese wirken nicht unbedingt als Möbelstück, sondern eher als eine dicke Wand, welche Stauraum bietet.

06. Deine liebste Ecke zu Hause? / Dein Lieblingsgegenstand zu Hause?

Sehr wohl fühle ich mich in unserer Wohnküche. Hier wird gekocht, gegessen, gefeiert und manchmal auch gearbeitet. Da wir bewusst auf ein Esszimmer verzichtet haben, hatten wir einige Anforderungen an die Küche. Sie sollte gemütlich und praktisch sein, eher an ein Esszimmermöbelstück als an eine Küchenzeile erinnern. Genau wie bei den Einbauschränken haben wir uns auch hier dazu entschieden, die Schränke bis unter die Decke zu planen. Dadurch haben wir genug Platz, um alles hinter den Schranktüren zu verstauen.

07. Folgst du einem bestimmten Konzept, wenn du dich einrichtest? Was inspiriert dich?

Einem bestimmten Einrichtungskonzept folge ich nicht. Ich mag es, bestimmte Gegenstände in kleinen Gruppen zu arrangieren und auf einem Tablett oder einer Marmorplatte zu inszenieren.

Als schnelle Inspirationsquelle nutze ich vor allem Instagram und Pinterest auf dem Handy. Wenn mal mehr Zeit ist oder in der Mittagspause blättere ich im Büro gerne durch Zeitschriften und Magazine (Häuser, Deutsches Architekten Blatt, AD, o.Ä.). Oft sind es aber auch die Wohnungen und Häuser von Freunden, die mich inspirieren.

08. Dein persönliches No-Go im Bereich Interior? Und was ist ein Muss, worauf sollte man auf keinen Fall verzichten?

Die Anbauwand aus dem 0815 Möbelhaus mit dem passenden Sideboard und dem dazugehörigen TV-Schrank ist nicht nur langweilig, sondern auch unpersönlich und somit überhaupt nichts für mich.
Um die gesamte Einrichtung nach meinen Vorstellungen komplett zu machen, braucht es noch Vorhänge, hier und da eine Grünpflanze und Bilder an den Wänden. Ganz wichtig ist auch die richtige Beleuchtung. In einem mit kaltem grellem Licht beleuchteten Raum wird es in meinen Augen nie gemütlich.

08. An welchem Trend bist du nicht vorbei gekommen?

Ganz klar haben es mir String Regale und Pendelleuchten angetan. Jeweils ein Regal hat es ins Kinderzimmer und in den Eingangsbereich geschafft. Pendelleuchten findet man sogar in drei Räumen unseres Hauses. Jeweils eine im Badezimmer über den Waschtisch und zwei weitere im Schlafzimmer links und rechts vom Bett.
Aktuell suche ich einen Wandteppich für das Kinderzimmer. Somit lässt der nächste Trend nicht auf sich warten.

09. Dein Tipp für alle, die auch ein Haus bauen wollen / ein Haus umbauen / eine Wohnung renovieren?

Qualität statt Quantität. Hört sich ganz schön geschwafelt an, aber ich würde immer empfehlen, lieber auf ein paar Quadratmeter zu verzichten und in hochwertige Materialien zu investieren. Zudem würde ich immer zu natürlichen Materialien raten. Ein abgewetzter Holzboden hat so viel mehr Charme als ein abgelaufener Kunststoffbelag. Beim Hausbau muss man oft Abstriche machen und schnell geht die anfängliche Euphorie flöten. Ich stelle aber immer wieder fest, Sparsamkeit macht kreativ. Und dies kann man sowohl auf die Hausgröße als auch auf beschränkte finanzielle Mittel beziehen.

10. Was sind deine Top 5 Instagram-Lieblinge?

Puh, da gibt es einige. Die leise, zurückhaltende und sehr ästhetische Art von apinchofstyle_ mag ich sehr. Auf Entdeckungstour geht es bei donnerstagsonntag – so herrlich bunt und gut gelaunt. Spätestens seit der String Regalliebe, aber eigentlich von Anfang an: villawalther (von meiner lieben Freundin Anna). Mid-century at ist finest! „So gut wie Yoga – nur ohne Schwitzen“: vonkopfbisfuss_ . Von klein auf liebe ich es in fremde Wohnungen zu schauen. Auf apartmenttherapy kann ich es nun ohne schlechtes Gewissen.

Liebe Anne – ganz lieben Dank für deine tollen Antworten und das interessante Interview samt Einblick in Euer schönes Zuhause <3


Oh nein, ihr habt einen Blogbeitrag verpasst?

Gut, dass es unseren Newsletter gibt, der euch mit allen Infos rund um den fancy Interior Blog Newniq versorgt. Einmal die Woche gibt es alles zum Thema Wohnen & Interior, Design & Lifestyle und Travel & Locations. Somit seid ihr gut informiert und könnt auf der nächsten Party einen auf Profi machen. Yihaa.

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