01. Wer seid ihr und was macht ihr, wo?

Wir sind ISTANBUL’DAN: Laura Jungmann, Dorothee Mainka, Pierre Kracht, Jonathan Radetz, Michael Konstantin Wolke und Florian Saul. Wir sind Designer verteilt in ganz Deutschland und reisen gemeinsam nach Istanbul. In Istanbuls historischen Handwerkervierteln findet man eine Vielfalt an kleinen Werkstätten, welche trotz eines großen Potentials an Wissen und Technik langfristig vor dem Aus stehen. Wir machten uns auf den Weg, um den prekären Aussichten für die Werkstätten durch Kooperationen entgegenzuwirken. Entstanden ist eine Serie aus Objekten, die durch die enge Zusammenarbeit mit den lokalen Handwerkern neue Ansätze in der Gestaltung aufzeigen.

DAs deutsch-tuerkische Designteam

Werkstatt fuer traditionelle Handwerkskunst in der Tuerkei trifft auf Design

 

Schlichtes Design: Becher und Tablett aus Bronze und Messing von Istanbuldan

Kugel Lampe in schwarz von Pierre Kracht

Design Dosen aus Messing und Bronze von Istanbuldan

02. Was wolltet ihr eigentlich mal werden als ihr klein wart und warum bloß?

Ich glaube bei der Vielfältigkeit der Gruppe würden hier sechs individuelle Antworten das Interview sprengen. Am Ende hätte sich aber sicherlich keiner von uns vorstellen können in dieser Konstellation an einem so spannenden Projekt wie ISTANBUL’DAN zu arbeiten.

 

03. Was mögt ihr an eurer Arbeit bzw. was macht sie besonders?

Dass wird auf jeden Fall der Ort und seine Menschen sein, die Handwerker und Werkstätten, der Materialbasar, das Essen und am Ende auch das Glas türkischer Tee, welches wie eine Einladung ist die Menschen mit denen man zusammenarbeitet etwas besser kennen zu lernen.

 

04. …und was überhaupt nicht?

So praktisch wie es manchmal ist aus fünf verschiedenen Städten und sogar Bundesländern zu kommen, so schwierig macht es auch manchmal die Zusammenarbeit. Am Ende eint uns die Begeisterung für das Projekt und die Liebe zur Stadt. In Istanbul arbeiten wir dann gemeinsam an einem Ort, selbst wenn die Stadt manchmal sehr chaotisch ist.

Traditionelles Handwerk aus Istanbul trifft deutsches Design

Auf der Reise mit Istanbuldan mit Produktdesign Samples

Voelkerverstaendigung zwischen Deutschland und der Tuerkei durch Istanbuldan

Kleine Design Stehlampe

 

05. Was ist euer wichtigstes Arbeitsutensil?

Auch wenn wir als Deutsche Plastiktüten verweigern, so ist es wohl in Istanbul die Plastiktüte die wir vom Handwerker bekommen. Die wir dann mit all den Materialien und ersten Mustern füllen. Man hat das Gefühl, als würde man die ganze Zeit, mit ein und der selben Tüte von Handwerker zu Handwerker laufen und am Ende ist das Produkt oder das Experiment fertig. Beim letzten Mal hatten viele zusätzlich eine eigene Stofftasche dabei. Es sieht wirklich skurril aus, wenn Erwachsene Menschen bewaffnet mit Tüten durch die Gassen von Istanbul irren.

 

06. Was ist das Schönste an eurem Arbeitsplatz?

Mit dem Projekt ISTANBUL’DAN haben wir uns eine eigene Prototypenwerkstatt geschaffen. Hier finden wir nicht nur die Inspiration für unser Schaffen, sondern können die Sachen auch gleich umsetzen lassen. Wir bezeichnen das oft gerne als Realtime-Prototyping. Für uns steht das über moderneren Verfahren wie dem 3-D-Druck. Schneller und besser kann man nicht in den Entstehungsprozess eingreifen.

 

07. Woher bekommt ihr eure Ideen? Was inspiriert euch?

Am Ende unterscheiden wir uns alle sehr in unserer Arbeitsweise, aber wie wir in Istanbul gelernt haben, scheint diese heterogene Vorgehensweise uns auch gegenseitig sehr zu bereichern. Als Inspiration dient die Stadt und insbesondere die Handwerkerviertel Sishane und Galata, die Menschen und vor allem der interkulturelle Austausch und was dadurch entstehen kann.

 

08. Was ist in den letzten Monaten mal so richtig schief gelaufen?

Wenn es mal schief läuft dann liegt es oft an der Kommunikation. Wir haben jetzt aber endlich einen Weg gefunden im regen Austausch stehen zu können ohne immer Termine finden zu müssen. Jetzt gibt es einen festen Tag und eine feste Uhrzeit, wer kann nimmt an der Telefonkonferenz teil und wir besprechen was es aktuelles gibt, wenn es nichts gibt kann man sich auch einfach mal über Privates austauschen. Wichtig ist es am Ende immer.

09. Was ist euer nächstes Ziel? Welche Projekte stehen an?

Jeder arbeitet immer an eigenen Projekten und oft nimmt man auch ISTANBUL’DAN mit. Ich werde zum Beispiel in Mailand auf dem SaloneSatellite ausstellen und da auch ein paar Arbeiten aus Istanbul im Gepäck haben. Eine Ausstellung auf internationalem Parkett bietet sich da ja an. Aktuell geht es bei ISTANBUL’DAN darum wie man das Projekt öffnen kann, so dass gerade aktuell noch mehr Aufmerksamkeit auf diesen Kulturaustausch gelengt werden kann. Design kann als Kommunikationsmittel politische Distanzen überwinden. Man kann gespannt sein was noch kommen wird.

10. Ihr habt erst kürzlich die Auszeichnung der Bundesregierung zum Kultur- und Kreativpilot gewonnen. Herzlichen Glückwunsch. Was hat sich für euch seit dem verändert, was ist gleich geblieben?

Kultur- und Kreativpilot zu werden war für uns nicht die Suche nach einer weiteren Auszeichnung, sondern die Möglichkeit in einen Dialog mit Gleichgesinnten zu treten, die einen ähnlichen Weg gehen, aber auch die Chance das bisher erlernte weiterzugeben und ein Projekt mit langfristigeren Zielen zu etablieren. Durch diesen Austausch mit den Experten und anderen Preisträgern sind uns einige Fragen beantwortet worden, sodass wir besser und zielführender an den Inhalten arbeiten können.

Ausstellung mit Design Lampen

Design Coffeetable mit Schale und Vase

11. Was ihr der Welt schon immer mal sagen wolltet:

Gegenwärtig werden auf der ganzen Welt Ungastlichkeitserfahrungen gemacht: Menschen fliehen aus ihrer Heimat und treffen nicht selten auf Fremdenfeindlichkeit. Populisten in allen Ländern bewegen die gesellschaftlichen Massen. Vor diesem Hintergrund erscheint es umso dringlicher, uns auch als Gestalter Themen wie der Gastlichkeit und dem interkulturellen Austausch zu widmen, sowie sozialen und gesellschaftlichen Veränderungen gestalterische Ansätze entgegen zu setzen.

© Fotos: Tamara Eda Temucin


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