Auf diese Einladung hatte ich mich schon lange gefreut, denn im The Amazing Crocodile Design Store fand an diesem Tag die Vernissage „Siebdrucke“ statt. Die Inhaberin des Stores, Jana Kubischik, ein ebenso großer Fan des Illustrators Christoph Niemann wie ich, hatte ihn eingeladen, bei ihr im Store acht seiner bekanntesten Motive als Siebdrucke auszustellen. Es gehört zum Konzept des Stores, namhafte Künstler im Wechsel auszustellen und über die Zusage von Christoph Niemann hatte sich Jana Kubschik besonders gefreut. Er gilt als einer der bedeutendsten Illustratoren der Gegenwart und er illustrierte bereits die Titelseiten der “New York Times” und des “Zeit Magazins”, sowie die Wände des Museum of Modern Art. Mit meiner Kamera und ganz viel Aufregung im Gepäck kam ich pünktlich zur Vernissage im Store an und mischte mich unter die Wartenden, die schon die ausgestellten Siebdrucke, Spiele und Bücher von Christoph Niemann und tollen Designartikel im Shop unter die Lupe nahmen. Nach einer lieben Begrüßung durch Chantal, die Organisatorin der Veranstaltung, kam auch bald Christoph Niemann und stand mir sehr freundlich und fundiert für das Newniq- Interview Rede und Antwort.

berlin-design-ausstellung-christoph-niemann-amazing-crocodile-design-shop Die Christoph Niemann Ausstellung in neuem Design Store  Buch Abstract City von Christoph Niemann Ausstellung von Christoph Niemann in Berlin

Du hast vor Berlin in New York gelebt und bist dann nach Berlin gezogen. Was schätzt du an Berlin als Arbeitsumfeld?

Berlin bietet mehr geistigen Raum. New York ist wahnsinnig professionell und effizent, was auch fantastisch ist, aber das Problem an New York ist, dass man irgendwann seinen kreativen Tank leer macht. Diesen Tank kann man in Berlin besser wieder auffüllen.

Hast du mehr Kunden in New York oder Berlin?

Ich arbeite zwar für die „Zeit“, aber generell ist Berlin mehr im Hintergrund und meine Arbeit findet leider woanders statt. Ich glaube, das ist eine Schwierigkeit an Berlin, dass man schauen muss, dass die Arbeit eher woanders her kommt.

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Was vermisst du an New York?

Ich bin zum Glück relativ oft dort, deshalb kann ich nicht sagen, dass ich es furchtbar vermisse. Ich bin Mitte 20 nach New York gegangen und war dort bis Mitte 30. Daher hat sich dort eine einzigartige soziale Welt aufgebaut und ich habe dort sehr viele sehr enge Freunde. Die kann man natürlich nicht in kurzer Zeit ersetzen.

„Das Problem mit dem Spaß machen ist immer, dass es meist nicht wirklich Spaß macht.“

Du arbeitest ja sehr inhaltlich und musst dich mit den unterschiedlichsten Thematiken auseinander setzten. Wie viel Zeit brauchst du, bis du eine gute Bildidee hast?

Mit dem Bild beschäftige ich mich tatsächlich sehr lange. Wenn ich ein Bild mache, muss ich das Thema eigentlich schon vorher kennen. ich lese natürlich den Artikel durch, aber wenn ich zum Beispiel etwas zu Thema Fußball, Silicon Valley oder Griechenland mache, kann ich nicht auf den reinen Artikel hin arbeiten. Ich muss das Thema schon im Kopf haben, um zu wissen um welchen kleinen Knick es genau geht.
Der Research fängt eigentlich schon zwei Jahre vor dem eigentlichen Auftrag an.
Ich kann relevante Dinge nur zu Themen machen, wenn das Interesse über die Arbeit hinaus geht. Es gibt viele Themen, wie zum Beispiel Autos, die einfach nicht meine Herzensthemen sind. Deshalb werde ich zu diesen Themen nie Arbeiten machen, die so tief und richtig sind, wie wenn ich mich als Herzensangelegenheit mit ihnen beschäftige. Man wird immer bemerken, ob jemandem das Thema wichtig ist. Ein bestimmtes Level kann man nur dann erreichen, wenn man genuin begeistert ist von einem Thema.

  Grafische Illustration von NiemannSiebdruck Toothbrush in Pink

Was zeichnest du am liebsten und für wen? Was macht dir am meisten Spaß?

Spaß ist das, was am Ende dabei heraus kommt. Oft ist es so, dass die Dinge, die mir leicht fallen (eine bestimmte Art von Räumlichkeit oder Figur zu zeichnen fällt mir leicht, weil ich das schon oft gemacht habe) nicht zu den spannendsten Geschichten werden. Am spannendsten ist es, wenn man das verwendet, das man schon kann, und etwas neues beimischt oder das Bekannte an die Kante bringt. Dann entstehen die guten Sachen. Das Problem mit dem Spaß machen ist immer, dass es meist nicht wirklich Spaß macht.
Es ist zwar interessant und es kommen vielleicht gute Sachen dabei raus, aber ich sitze dann nicht da und schwelge in meiner eigenen Genialität.

Print mit Zahnbuerste von Christoph Niemann

Wer ist der dankbarste Abmehmer/ Kunde deiner Arbeit?

Meine Kinder sind tatsächlich sehr dankbar, aber die gelten irgendwie nicht. Mit ihnen ist es zu persönlich. Es ist ganz unterschiedlich, ob ich eine Zeichnung für einen Menschen mache und dafür quasi einen Megalike bekomme. Auf Instagram hat man dann vielleicht 500 Leute, die etwas mögen. Und das kann natürlich genauso toll sein, wenn man das Gefühl hat, man hat einen Punkt getroffen der bewegt. Im Idealfall passiert natürlich beides, dass man sowohl jemanden ganz persönlich, als auch die Allgemeinheit anspricht. Generell ist das aber schwer zu quantifizieren. Der einzige Mensch, der bei der Sache unwichtig ist, bin ich selber. Für mich ist es relativ unerheblich, ob mir eine Sache selbst gefällt.

Manchmal sind die Kunden schneller zufrieden mit einem Bild, als man selbst. Bist du schon einmal an deinen eigenen Ansprüchen gescheitert?

Ich habe schon oft Sachen, die vom Kunden bereits abgesegnet waren, noch einmal neu gemacht. Jedoch sind die meisten Kunden mit denen ich arbiete, extrem anspruchsvoll. Daher passiert das eher selten.

Wie hat sich deine Arbeit im Lauf der Zeit verändert? Du machst ja jetzt mehr interaktive Arbeiten.

Zum einen mache ich mehr interaktive, aber auch mehr selbst generierte Sachen. Dabei hat sich jedoch nicht nur meine Arbeit, sondern das ganze Feld verändert. Mittlerweile geht es viel mehr um Content, der künstlerisch generiert wird. Ein Grund ist, dass die Leser durch das Internet viel mehr visuell reagieren und für bewegte Bilder einfach viel empfänglicher sind.Christoph Niemann im GespraechI love NY von Christoph Niemann

Glaubst du, dass das klassische statische Bild in der Zukunft komplett vom Bewegtbild abgelöst werden wird?

Es gibt ja Bewegtbild im Sinne einer Animation, die narrativ eine Geschichte erzählt und es gibt so etwas wie eine bewegte Illustration. Das ist ein eigentlich statisches Bild, das aber eine Bewegung hat. Das ist dann eine komplett andere Sache, als ein Animationsfilm. Das wird bestimmt sehr viel mehr kommen, aber es ist kein Ersatz des statischen Bildes. Ein unschlagbarer Vorteil des stehenden analogen Bildes ist, dass Tinte auf Papier oder der Bleistift haptisch und optisch ganz anders erfahrbar sind. So etwas wird auf dem Bildschirm nie stattfinden können.

Lässt das statische Bild auch mehr Interpretationsraum?

Absolut!

Was wärst du geworden, wenn du nicht Illustrator geworden wärest?

Ich könnte mir vorstellen, Bauingenieur oder irgendetwas mit Mathematik gemacht zu haben. Auf jeden Fall etwas im mathematischen Bereich.

The Amazing Crocodile Design Store in Berlin

Was dürfen wir so in der Zukunft von dir erwarten?

Ich sitze gerade an einer neuen App. Aber das passiert dann so einfach so aus dem Machen heraus. Ich plane da selten lange voraus.

The Amazing Crocodile Design Store in Berlin

Vielen Dank für das tolle Interview!
Die Ausstellung ist noch bis zum dritten Januar 2016 im The Amazing Crocodile Store zu sehen und absolut empfehlenswert. Zwischen den tollen Siebdrucken von Christoph Niemann, die man dort auch käuflich erwerben kann, kann man auch nach wunderschönen Designstücken im Shop stöbern und findest so bestimmt das eine oder andere ganz besondere Weihnachtsgeschenk.

© Fotos: Location: The Amazing Crocodile Design Store, Prints: Christoph Niemann, Eröffnung: Kiyo/Newniq.com

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