Charlie Chaplin saß in seinen Filmen auf ihm, Marilyn Monroe bei Shootings und Pablo Picasso wippte im Ringelshirt in der Schaukelstuhl-Variante. Und ich bin mir sicher, dass fast jede*r von euch schon einmal auf ihnen gesessen hat: Stühle vom Traditionsunternehmen Thonet. Sie lassen sich aus dem Interiorbereich nicht mehr wegdenken und mein Designerherz pocht ein wenig lauter, wenn ich an die zeitlosen Designs denke. Die von Michael Thonet 1819 in Boppard am Rhein gegründete Tischlerei ist uns wahrscheinlich durch zwei Designklassiker dauerhaft im Kopf: Der Wiener Kaffeehausstuhl aus gebogenem Bugholz und dem Freischwinger aus Stahlrohr. Beide Stühle hören sich jetzt nicht so wahnsinnig interessant an, aber es steckt mehr dahinter als man denkt und als großer Fan der Marke Thonet, werde ich euch nun einen kleinen, feinen Vortrag darüber halten, was die zwei Klassiker so ausmacht. Stifte und Hefte raus, es geht los:

Der Wiener Kaffeehausstuhl von Thonet1. Der Wiener Kaffeehausstuhl Nr. 14

Heute ist es für uns ja nichts Besonderes mehr, dass Stühle massenhaft produziert werden, aber das war natürlich mal anders. Michael Thonet entwickelte die ersten Entwürfe von gebogenen Schichtholz bereits 1830, so dass Fürst Metternich auf ihn aufmerksam wurde. Den Durchbruch verdankte das Unternehmen Thonet dann 1842 dem Wiener Kaffeehausstuhl Nr. 14 (heute 214). Dieser konnte nämlich durch die neuartige Technologie des Biegens industriell hergestellt werden. Das Revolutionäre daran war, dass man den Stuhl in wenige Einzelteile zerlegen und ihn so wahnsinnig gut verschicken konnte. Zudem konnten die Produktionsschritte von einzelnen Mitarbeitern übernommen werden. Ab da ging es rasend schnell voran mit dem Betrieb und neben der Hauptstätte in Frankenberg/ Hessen öffneten Niederlassungen auf der ganzen Welt: Brüssel, Barcelona, Moskau und New York, um nur einige zu nennen. Der Stuhl Nr. 14 wurde zum absoluten Verkaufsschlager und wanderte bis heute um die 50 Millionen Mal über die Ladentheke.

Der Thonet Freischwinger von Mart Stam2. Der Freischwinger aus Stahlrohr

Der Freischwinger wird heutzutage tatsächlich als eine der wichtigsten Design-Innovationen des 20. Jahrhunderts gefeiert und wurde 1926 vom Architekten Mart Stam entworfen. Ein Stuhl aus Stahlrohr, der ohne Hinterbeine funktioniert und somit etwas Ungesehenes auf dem Markt war. Zu dieser Zeit wurde bereits von allerhand Architekten mit Stahlrohr experimentiert und kein geringerer als Marcel Breuer ebnete 1925 am Bauhaus den Weg zur Produktion, indem er Versuche mit kaltgebogenen Stahl wagte. Mit Erfolg. Thonet sprang auf den Zug auf und fertigte mit Mart Stam den ersten Freischwinger aus gebogenem Stahl. Thonet war bereits im aufkommenden sozialen Wohnungsbau engagiert und hatte zudem Befürworter wie Ludwig Mies van der Rohe oder Le Corbusier, was den Erfolg des neuen Stuhls natürlich beschleunigte.

So, und nun mag man sich fragen, warum Julia hier auf einmal Lehrerin spielt. Ganz einfach: In letzter Zeit sind mir die Thonet Stühle immer wieder aufgefallen, vielleicht weil ich mittlerweile ein größeres Bewusstsein dafür entwickelt habe, vielleicht aber auch, weil sie einfach wieder öfters zum Einsatz kommen, fernab der Edelgastronomie. Gesehen haben wir sie zum Beispiel vor Kurzem im Panama in Berlin, das wir ganz genau unter die Lupe genommen haben. Aber es gibt noch mehr Neueröffnungen, in denen man die guten Stücke bestaunen kann:

PANAMA, Berlin:  Kaffeehaus Style mit Thonet Stuehlen und Lampe von Bjoern Dahlem
PEPE NERO, München:Design Interior und Thonet in der Pepe Nero Bar
GRAND FERDINAND RESTAURANT, Wien:Thonet in Edel Gastronomie: Im Grand Ferdinand in Wien
MOTEL ONE, Wien:Essbereich mit Thonet im Motel One
LOLITA CAFE, Ljuljana:Der Thonet Stuhl 214 im Café Lolita in Ljublijana
SLS CAFETERIA, Helsinki:Thonet in der SLS Coffee Bar
GRAANMARKT 13, Antwerpen:Wunderschoenes Interior mit Thonet im Graanmarkt
RESTAURANT KISMET, München:Das Kismet in Muenchen mit Thonet Stuehlen

Tja, und ich werde mir jetzt zum gefühlt 20. Mal die Ebayliste mit dem Suchbegriff THONET anschauen und weiterhin vom Freischwinger mit Geflecht träumen, denn den würde ich gerne mein Eigen nennen. Der Preis eines neuen Modells liegt aber leider bei über 900 Euro… Vielleicht schaffe ich es ja mal ins Factory Outlet nach Hessen…

 


© Fotos: Panama: Newniq, Kismet und Pepe Nero: Jan Schünke, Grand Ferdinand: Grand Ferdinand, Motel One: Constantin Meyer, Lolita Café: Miran Kambič, SLS Cafeteria: Kimmo Virtanen, Graanmarkt 13: Frederik Vercruysse, Freisteller: Thonet

 

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  1. Monroe, Picasso und Chaplin… Tradition und Geschichte treffen auf Glamour und Ikonen auf Möbelikonen. Wirklich tolle Infos und schöne, stimmungsvolle Bilder.

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