Vor ein paar Jahren fand ich mich in Singapur in einem Tempel zur Geburtstagsparty von Buddha wieder. Dort gab es riesige Blechtöpfe aus denen mir Hindu-Mamas löffelweise Essen auf meinen Teller packten. Eine Stunde später brannte mein Mund wie Hölle, selbst 12 Gläser Rosenwasser (pfui) konnten mich nur ein wenig von dieser Schärfe erlösen. Ich dachte damals, dass ich nie wieder so scharf essen werde, bis zu letztem Samstag…

Judith und ich waren Gäste im The Store Kitchen beim Guest Chef Serie Event mit Ash Lee, die seit einigen Jahren ihren erfolgreichen Supperclub „Chi Fan“ betreibt. Da ich selbst mal den Supperclub „The Green vs. The Greek“ mit einer Freundin betrieben habe, fand ich die Idee direkt interessant. Aber mal von vorne: Ash Lee stammt aus Shanghai und hat ihren Supperclub „Chi Fan“ in Berlin gegründet. Das Privat Dinner findet an verschiedenen Orten statt. So hat sie es beispielsweise schon in ihrer Wohnung in Wedding veranstaltet oder sogar einmal in Plau am See, in Mecklenburg – Vorpommern. Zu dem Privat Dinner kann man sich anmelden und in einem kleinen Teilnehmerkreis original chinesisches Essen kennenlernen. Und so wollte es der Zufall, dass Ash Lee im The Store im Soho House Berlin als Gastköchin am Herd steht und wir als Gäste ihren Köstlichkeiten beiwohnen durften.

Robbie-Lawrence-the-storeEingelegte Radieschen vorm Dinneressen-interior-warten-gazelle-adidasLotuswurzel in Honig als besonderes Dessert kueche-the-store-kitchen-soho-berlin  Authentisch chinesische Vorspeise von Ash Lee und schoen scharf

Vorweg sei gesagt: Der Abend war wirklich toll, meine Grippe zwischendurch regelrecht weggeblasen und unsere Sitznachbarn waren sehr nett. Los ging’s mit der Vorspeise wie Bang Bang Chicken, Century Eggs und Husband & Wife, was nichts anderes sein sollte als Schweinezunge und -ohren (ich lese hier gerade von meinem schlauen Notizzettel ab, an dem Abend habe ich das irgendwie überlesen…). Schon nach dem ersten Bissen war klar: Scheisse ist das scharf! Uns brannten Augen, Hals und Nase und durch den Raum guckend, kamen wir uns vor wie die einzigen zwei Luschen, die nichts vertragen. Judith konnte dann aber doch noch Wortfetzen wie „spicy“ und „hot“ vom Nachbartisch erhaschen. Was ein Glück. Die Angst, die Schärfe würde sich im Hauptgang noch steigern, erfüllte sich zum Glück nicht und so genossen wir Garlic Pork Rips, verschiedene Pilze und grüne Bohnen. Mittlerweile war es mit unseren Sitznachbarn aus Australien und der französischen Schweiz doch sehr privat und so war es auch nicht verwunderlich, dass wir kochprofimässig gemeinsam über den Kabeljaukopf fachsimpelten, der im nächsten Gang mit Augen und Gebiss so vor uns lag (ich fragte mich innerlich mehrmals, wo nur der Körper des Fisches abgeblieben sein mag). Gekrönt wurde das Dinner von Lotus Wurzeln in Honigsoße (yummy!).

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Wir haben aber natürlich nicht nur auf das Essen gestarrt, sondern uns auch vom schönen Interior im The Store berieseln lassen und deswegen Ash Lee vorab gefragt, was ihre Motivation ist, im The Store zu kochen:

„To make people cry! With spice of course. Also it’s a beautiful space and I’m allowed real Chinese flavours and not the water down version you get in Berlin restaurants.“

 

Wir waren wirklich begeistert. Nicht nur von der Location, sondern auch von der netten Gesellschaft und der Erfahrung mal richtige „sichuan chinese Gerichte“ gegessen zu haben. Beim nächsten Mal wünsche ich es mir vielleicht ein bisschen weniger scharf, aber beim Plausch mit der Köchin erzählte diese, dass sie es so authentisch wie möglich machen wollte. Sie stellt ihre Gewürze sogar selbst her, um den einmaligen Geschmack zu erzeugen. Was der Foodtrend 2017 sein wird wollten wir dann noch von ihr wissen:

„More Asian of course. Berlin still needs a lot of regional cuisines which aren’t represented yet. Hopefully, I’ll be opening my own Chinese joint sometime early next year.“

 

Wir sagen Danke für die Einladung und den schön-hotten Abend!

 


© Foto the Store: Robbie Lawrence / © alle restlichen Fotos: Newniq

 

 

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