Nihombashi? Da musste ich doch zweimal nachfragen, um sicher zu gehen, dass ich da nicht irgendeinen meiner berühmten Wortdreher ausspreche. Doch so heisst es wirklich, das neue Sushi Restaurant in Berlin’s Mitte. Bei dem Restaurant handelt es sich nicht um ein weiteres, x-beliebiges japanisches Lokal, sondern um einen echten Hingucker. Und mit einem echten Hingucker meine ich, dass unserem Auge dort endlich mal wieder eine Alternative zu den dann doch so oft gesehenen 08/15 Interior-Konzepten geboten wird. Nicht, dass ich vielleicht nicht auch in das Designschema xy verfallen würde, wenn ich mich um eine Interior-Ausstattung eines Ladens kümmern müsste, aber wenn man sich im Nihombashi so umschaut, macht es einfach Spaß! Ganz leise und fast schon heimlich hat der Gründer und Geschäftsführer Axel Burbacher-Burzin vor einigen Wochen die Türen zu seinem Lokal geöffnet. Wir haben uns also selbst einmal umgeschaut und die Architekten des Ladens, Peter Behrbohm und Yana Kyuchukova, zum Gespräch gebeten, um mehr über das interessante Interior à la „Memphis Design lässt grüßen“ herauszufinden.

Wer hinter der Architektur und dem Interior-Design des Nihombashi steckt

Vor uns saßen Peter und Yana, zwei junge, sympathische Kreative, die erst vor Kurzem ihr Architektur-Studium an der Universität der Künste (UdK) in Berlin beendet haben. An der Uni haben sie bereits zusammen gearbeitet, das Nihombashi war anschliessend ihr erster großer Auftrag. Eher durch Zufall seien sie an den Auftrag gekommen und hätten die Aufgabe erhalten, sich eine Alternative zu dem zunächst geplanten, klassischen Interior zu überlegen. Gelungen, wie wir finden.

Wie es zur Idee des Interior-Konzepts vom Nihombashi-Restaurant kam

Peter und Yana haben uns erzählt, dass sie im Grunde genommen völlig freie Hand bei der Gestaltung des Interiors hatten. Im Gespräch kam deutlich raus, dass sie das Nihombashi-Restaurant getreu dem Motto „einfach machen“ entwickelt haben. Keine Konkurrenz-Analyse oder Ähnliches. Ja, sie hätten ein Restaurant entwickeln können, das in die klassische Richtung geht. Mit vielen Holzelementen und in weiss gehalten. Allerdings haben sie sich früh dazu entschieden, etwas ganz anderes entstehen zu lassen. Etwas noch nicht dagewesenes. Etwas, was in die Richtung Fiktion gehe und „bei dem der Gast denken kann, das könnte Japan sein“.

Nachdem die ersten Ideen entwickelt wurden, haben die Architekten ihre Skizzen präsentiert und glücklicherweise grünes Licht erhalten, das volle Vertrauen der Besitzer und ziemlich freie Hand in der Umsetzung ihrer Vorschläge. Wahrscheinlich der Traum für jede/n (Innen-)Architekten.

Wie und wovon sich die Architekten haben inspirieren lassen

Der Name des Restaurants – Nihombashi – ist eine Brücke in Tokio (wenn auch etwas anders geschrieben). Das Aussehen und die Konstruktion dieser Brücke habe die Architekten inspiriert und beides sei in das Interior mit eingeflossen. Die Brücke ist eine alte, pittoreske Brücke, mit vielen Lampen ausgestattet. Darunter läuft ein Fluss entlang und oben drüber führt tatsächlich eine sechs-spurige Autobahn. Also ein ziemlich ungewöhnliches Konstrukt wenn man es so nennen möchte. Wenn man die Brücke und das Restaurant-Interior miteinander vergleicht, kann man sich vorstellen, dass die beiden Macher sich davon haben inspirieren lassen. Im Nihombashi laufen ebenfalls verschiedene Ebenen durch den Raum. Sei es die Ebene aus alten Betonpfeilern, die erst aufgefallen seien, als man die Decke beim Umbau abgenommen habe, oder das Lüftungsrohr, das darunter entlang läuft. Nochmal darunter, quasi wieder in einer dritten Ebene, laufen dann verschiedene Rohrkonstruktionen entlang, die widerrum den Lampen als Halterung dienen. Hört sich nach ziemlichem Kuddelmuddel an, wirkt in sich aber alles sehr stimmig.

Die meissten Impressionen, Anregungen und Ideen hätten sich die beiden aus der Bilderrecherche geholt. Ein Begriff wie „U-Bahn-Höfe in Tokio“ sei beispielsweise einer, der den beiden dabei geholfen habe, die richtigen Farben, Materialien und Formen zu finden. Ein Ergebnis von der Bildersuche sei beispielsweise der Verlauf der Lampenkabel. So laufen in Japan viele Stromkabel noch über der Strasse, die Lampenkabel des Restaurants greifen das wieder auf.

Wie die Zusammenarbeit war, wollten wir noch wissen. Gegenseitig hätten sich die Architekten selbst überrascht, haben sie erzählt. Sie wussten nicht ganz, zu welchem Ergebnis sie am Ende kommen. Wenn man zu zweit arbeitet, entstünden Ideen, die so gar nicht wirklich vorstellbar seien. Und das sei der Prozess gewesen, der sich schon beim Zeichnen abgezeichnet aber wunderbar funktioniert habe.

 

Woher die Materialien der Möbel und Designs im Laden stammen

Fast alle Materialien des Nihombashi stammen aus Berlin. Uns hat überrascht, dass die einzelnen Möbel nicht etwa aus Japan eingeführt wurden, sondern tatsächlich auch von den Architekten selbst entworfen wurden. Peter und Yana haben beispielsweise die Stühle selbst designt. Dabei wäre es gewollt gewesen, dass die einzelnen Möbel nicht „aalglatt“ seien, sondern ruhig ein bisschen auffallen, stören, mit Ecken und Kanten versehen seien. Daher käme es auch, dass die Stühle etwas unhandlich, groß und schwer seien oder das ein Stehtisch einfach in der Mitte des Raumes „im Weg“ stehe. Es sollte etwas geben, wo man gegen läuft. Was „stört“. Mittlerweile habe sich das aber verändert. Der Tisch sei sehr nützlich für den Empfang der Gäste oder werde gern als Stehtisch genutzt. Funktion erfüllt würden wir mal sagen.

 

Die Liebe zum Interior-Detail

Es fällt auf, dass es viele kleine Design- und Interiorelemente gibt, die mit viel Liebe zum Detail erstellt wurden. Vom Klospülknopf (der mich total an ein Startknopf aus dem Spielcasino erinnert) bis hin zur „Schaltzentrale“. Bei all diesen Elementen fällt auf, dass es verspielt wirkt und die Architekten einfach großen Spaß bei der Umsetzung hatten. Die Schaltzentrale verfehle jedoch ihre Funktion nicht. Denn sie dient dazu, die Lichter im Restaurant zu steuern und „beherbergt“ die Kasse.

Peter hat erzählt, dass selbst die Toilette ein echtes Highlight werden sollte. Ein Basketballkorb als Mülleimer zeigt, dass es gelungen ist. Zudem seien die Illustrationen an der Wand alle selbst entworfen. Wollte man sich doch ursprünglich für eins der vielen Muster entscheiden, sind es am Ende alle vier geworden, die Peter und Yana auch noch selbst an die Wand gemalt haben. Andere Dinge im Restaurant haben sie beispielsweise aus Ebay bezogen und mit anderen Formen kombiniert und bemalt zu einem neuen Detail gefertigt. Wie beispielsweise die Spitzen auf den Fliesensäulen im Küchenbereich.

Interior-Trend im Restaurant-Bereich?

Ob die Architekten glauben, dass es von nun an mehr in die Richtung „Design mit Fliesen“ gehe, wie wir ja neben dem Nihombashi auch schon bei der Eröffnung des Dandy Diner’s in Neukölln gesehen haben, wollten wir noch wissen. Aber das sei den beiden eigentlich ziemlich egal. Sie haben keinen Trend gesucht sondern einfach ausprobiert und losgelegt. Und das ist vielleicht auch die beste Idee gewesen, damit das Nihombashi zu dem Interior-Hingucker wurde, das es jetzt ist. Natürlich gepaart mit der Freiheit, die den beiden von den Besitzern übertragen wurde. Dazu gehört meiner Meinung nach schon viel Mut, aber es hat sich bezahlt gemacht.

 

Die Speisen im Nihombashi

Last, but not least möchten wir das Essen natürlich nicht ungeachtet lassen. Denn es hat wirklich grandios geschmeckt. Und dafür können wir unsere beiden Sushi-Hände ins Feuer legen. Ich bin ja persönlich ein großer Fan von Menükarten, die nicht gleich einem Roman gleichen. Es gibt auf der einseitigen Menükarte eine super Auswahl von Fisch über Fleisch, Suppen und verschiedenen Sushi-Varianten und alles mit ein paar speziellen Highlights wie rotem Reis oder Veggie-Sushi mit Süsskartoffeln und gelben Karotten. Auch die Entrecôte-Spieße waren zum Niederknieen. Ich bin zwar kein Food-Experte aber ich kann euch sagen, es war wirklich ganz großes Sushi-Kino. Yummy.

Vielen Dank an Axel, Peter und Yana für die Gastfreundschaft und die netten und informativen Gespräche! Wer selbst einmal dem Nihombashi einen Besuch abstatten möchte: Das Sushi-Restaurant liegt direkt am Rosenthaler Platz im Weinbergsweg 4. Guten Hunger!


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