Als ich das erste Mal in der Patisserie Jubel war, habe ich mich beinahe durch die gesamte Törtchenkarte gefuttert und nach jedem Stückchen meinte ich: „Das ist jetzt das Beste“, um dies beim nächsten Happen wieder direkt zu rewidieren. Das Jubel, das ist eine kleine, feine Patisserie in Berlin Prenzlauer Berg mit einem schönen Designkonzept, handgemachten Köstlichkeiten und zwei sehr netten Besitzerinnen, Kai und Lucie, die sich zusammen getan haben, um den Prenzlauer Berg ein wenig köstlicher zu machen. Wir haben eine der Gründerinnen zum Gespräch gebeten und ein bisschen über Design, Selbstständigkeit und ihren Bestseller geschnackt.

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Seit wann gibt es euer Café und wie seid ihr aufgestellt?

Seit September 2014, also seit bald zwei Jahren. Wir sind zu zweit (plus Azubi) und haben uns damals in der Weinbar Ritz kennengelernt, dann wieder aus den Augen verloren, durch den gemeinsamen Freundeskreis wieder zusammengefunden und uns dann zusammengetan. Kai ist gelernte Köchin und ich komme aus der Hotellerie. Das ist eine Konstellation, die gut passt, da jede ihren Aufgabenbereich hat. Keine fuscht der anderen rein und jede macht eben das, was sie am besten kann.

Ihr kommt also vom Fach. In Berlin starten ja viele ohne gastronomischen Background und wundern sich dann, dass es nicht so einfach ist.

Ja, das stimmt. Das kann natürlich auch funktionieren, aber oft sehen sie dann nur das Schöne und wundern sich, dass noch etwas mehr dazu gehört, ein Café zu betreiben. Sie sehen nur die Romantik die dahintersteckt. Natürlich sollte man diese auch haben, da man sich sonst nie selbstständig macht, aber ein bisschen Realitätssinn ist schon ganz gut. Das ist vor allem wichtig, wenn du beispielsweise eine Grossbestellung von 500 Törtchen hast und der Laden parallel weiterläuft. Wie strukturierst du dich, wie planst du das? Das unterschätzen die Leute oft, die einfach gerne zu Hause backen. Das ist echt ’ne andere Nummer.

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Kommen wir mal auf die Einrichtung zu sprechen: Wie habt ihr alles geplant? Habt ihr alles gemeinsam mit einer Agentur konzipiert oder auch viel eigenen Input eingebracht?

Wir haben vor vier Jahren mit der Planung angefangen, damals fand Kai 60er Jahre Möbel noch sehr toll, aber irgendwann haben wir uns darauf geeinigt, dass es doch puristisch, aber auch gemütlich sein soll. Wir kamen auf den Trichter, dass wir nicht alles alleine machen können. Klar gefällt dir diese Lampe und der Tisch, aber ob das alles wirklich zusammenpasst, das weiss man nicht. Es ist ja schließlich nicht unsere Kompetenz. Daneben mussten wir ja noch so viel mehr entscheiden: Welche Törtchen bieten wir an, welches Besteck wird es geben… Zum Glück hatte ich einen Freund, der gelernter Schreiner und Designer ist und immer sagte, falls wir einmal einen Laden eröffnen, er uns unterstützen wird. Er hat das Designkonzept entworfen.

 

„Natürlich kann das auch fett machen, aber ganz ohne geht auch nicht.“

 

Wie kann ich mir das vorstellen: Habt ihr ihm eure Vorstellungen genannt und ein Farbschema vorgegeben?

Er hat uns damals einen Fragenkatalog gegeben, somit mussten wir uns damit wirklich auseinandersetzen. Das hat damals Tage gebraucht und war echt anstrengend. Die Gegebenheiten waren schwierig: Ein eng geschnittener Raum, der nicht so viel bot. Wir haben dann die Wände entfernt und die Fließen kamen zum Vorschein. Das hat ihn beispielsweise zu neuen Ideen angeregt. Er hat sich dann von alten Kaffeehäusern inspirieren lassen, wo es auch diese Kassettenfenster gibt. Der Schreiner hat die Holzwand und die Tische maßgeschneidert und die Tischbeine haben wir dann bei Very Good & Proper in London bestellt. Auch die Lampen im Schaufenster sind ein Eyecatcher. Wir waren wirklich gut beraten, ich hätte beispielsweise die Stühle in schwarz oder weiß genommen, aber so passen sie viel besser ins Bild. Was wir aber auf jeden Fall haben wollten waren Tresenplätze. In Restaurants hast du eigentlich immer den einen Stammgast, der gerne am Tresen sitzt und seinen Espresso trinkt. Die haben wir auch hier. So wie Elias, der eben da war. Die sitzen hier und es gibt einen kurzen Schnack.

Habt ihr euch vor der Gestaltung auch die Läden in der Umgebung angeschaut? Also geguckt, welches Interior dort benutzt wird? Gibt es welche mit gleichem Stil?

Wir wussten eigentlich von Anfang an, dass es sowas noch nicht gibt in der Strasse. Wir wollten nichts Zusammengewürfeltes, es sollte eine klare Linie haben, angefangen beim Logo über das Geschäftspapier bis zu den Aufklebern auf dem Karton. Liebevoll und wiedererkennbar.

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Gibt es einen Bestseller bei euch?

Das ist wahrscheinlich der Cheesecake. Der muss immer da sein. Viele Läden sagen ja: „Unser Cheesecake ist der Beste“, aber ich finde, dass unser Cheececake wirklich der Beste ist (lacht). Wir arbeiten ansonsten sehr regionalbedingt. Erst wenn es Erdbeeren in Berlin und Brandenburg gibt, gibt es auch Erdbeeren bei uns. Bei uns würde es zum Beispiel nie Brombeeren im Januar geben. Man hat aber auch immer einen Favoriten von der aktuellen Karte. Zur Zeit ist es bei mir eine Joghurtmousse mit Pink Grapefruit, Rosen und Staudensellerie. Das ist mega erfrischend und leicht.

Wer sind eure Kunden?

Das ist total unterschiedlich. Was du aber definitiv hast sind Leute, die gezielt hier her kommen. Teilweise von weit weg, sie haben über uns gelesen, kaufen für den Besuch. Wir haben viele Stammgäste und setzen auf die dauerhaften Gäste statt der Touristen. Dann war es uns wichtig, dass wir auch „Frau Müller-Schulze“ kennen. Unseren Kunden ist es wichtig zu geniessen. Ich würde natürlich lügen, würde ich sagen, dass es gesund ist jeden Tag ein Törtchen zu essen. Natürlich kann das auch fett machen, aber ganz ohne geht auch nicht. Genau deswegen finde ich es toll in ein Törtchen zu beissen und die Glückshormone zu spüren.

 


Danke Lucie für das nette Gespräch und das sehr leckere Erdbeer-Erbsen-Törtchen aufs Haus! Inspiriert haben wir uns übrigens vorab hier.

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