Samstagabend, Bülowstrasse Berlin Schöneberg: Während nebenan die Prostituierten auf den nächsten Freier warten und die sehr peinliche Hummer-Limousine halb auf dem Gehsteig parkt (ja, besonders mit einem solchen Gefährt sollte man mal Einparken üben), versammeln sich vor der Hausnummer 97 viele junge Menschen, die nur eins sehen wollen: Die Werke von Herakut. So ging es auch mir und so war auch ich bei der Vernissage des Streetart-/Künstlerduos dabei.

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Die Ausstellung war sehr gut besucht und die Werke befriedigten meine Erwartungen weit mehr als gedacht. Sehr tiefgründige, politische Bilder, vor denen man Stunden stehen könnte. Akut, der Meister im fotorealistischem Sprühen und Hera mit ihrem leicht wirkenden Strich und der immer wiederkehrenden Herakut-typischen Typografie, zeigen mal wieder was sie können. Und da stehe ich also, auf einer Ausstellungseröffnung mit dem Titel  „displaced thoughts“ und finde mich irgendwie nicht so recht ins Thema hinein. Sind mir die Bilder für den Abend vielleicht zu tiefgründig oder ist die Situation irgendwie zu oberflächlich? Vielleicht passt es aber auch genau deswegen zusammen. Denn wir leben im normalen Leben eben auch mit der Tatsache, dass genau in dem Augenblick, in dem wir unter vielen hippen Menschen Limo-schlürfend in Berlin stehen, ein anderer Mensch gerade alles verliert, was er jemals besessen hat. Herakut zeigen in der Austellung Menschen, die heimatlos sind und ich möchte ihnen in dem Augenblick so unglaublich gerne ein zu Hause im meinem Herzen geben, aber ich schaffe es nicht. Nicht weil die Kunst nicht gut ist, nicht weil sie nicht inspiriert, nicht weil alle es verdient hätten, sondern weil ich mich an diesem Abend unterbewusst dazu entscheide mit alten Studienkollegen über die guten alten Zeiten zu reden, statt mich dem Thema vollends hinzugeben. Das Witzige ist, dass ich erst jetzt wirklich verstehe, was mich an dem sonst so schönen Abend gestört hat. Ich glaube es war meine eigene Haltung der Situation gegenüber. Gerne hätte ich mich mit den Beiden unterhalten, aber da war eben gar kein Raum für da, denn Herakut sind in der Szene regelrechte Stars, die Poster unterschreiben und versuchen für jeden einzelnen Besucher da zu sein, was sie wirklich gut hinbekommen. Sie haben tatsächlich eine riesige Fanbase.

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Und auch ich muss zugeben, dass ich Herakut seit dem Studium irgendwie verfolge, denn ich kenne zumindest Jasmin aka Hera, den weiblichen Part des wunderbaren Duos. Mit Jasmin habe ich an der gleichen Hochschule studiert und im experimentellen Aktkurs die doch sehr intimen Positionen der Modelle gezeichnet. Seitdem sind einige Jahre ins Land gezogen (sind wir wirklich schon so alt?) und neben dem Besuch der Vernissage bin ich diese Woche ein zweites Mal mit der Kunst der Beiden zusammengestoßen: in unmittelbarer Nähe zu meiner Wohnung ist nun glücklicherweise nicht mehr nur ein Supermarkt, sondern auch ein großes Mural von Herakut zu sehen, was mich nun immer begrüßen wird.

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Und wer weiß, vielleicht schaffe ich es ja noch einmal zur Austellung von Herakut, aptART & friends, die noch bis zum 30. Mai in der Bülowstrasse 97 in Berlin Schöneberg zu sehen ist, denn es lohnt sich definitiv. Ansonsten schnappe ich mir Hera dann mal zum Kaffee und Kuchen und stelle all die Fragen, die ich an dem Abend einfach nicht stellen wollte.

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 © Fotos: GEWOBAG, Foto Hausfassade: Newniq

PS: find me if you can…

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