Nach so vielen Jahren in Berlin, stand dieser Besuch schon ewig auf unserer Liste: Ein Besuch der Boros Sammlung im Bunker. Gesagt, geplant und so fanden wir uns eines schönen sonntags bei strahlendem Sonnenschein in einem großen, grauen Betonklotz wieder. Natürlich etwas übertrieben, denn der besagte Betonklotz ist ein architektonisch sehr interessantes Gebäude. Der Bunker wurde 1941 von Karl Bonatz unter der Leitung von Albert Speer geplant und 1942 von Zwangsarbeitern errichtet. Nach Ende des zweiten Weltkrieges wurde er von der Roten Arme als Kriegsgefängnis umfunktioniert, bevor er Ende der 50er Jahre als Lagerstädte für Obst aus Kuba fungierte. Viele Urberliner nennen den Bunker deswegen noch immer „Bananenbunker“. Seit Anfang der Neunziger dann hatte der Bunker nur noch entfernt was mit großen, gekrümmten Dingern zu tun und wurde als „Härtester Club der Welt“ von der Techno und Fetischszene genutzt. Die nächsten Jahre diente er als Ausstellungsraum, Location für illegale Parties oder für Theaterinszenierungen bis ihn der Kunstsammler Christian Boros 2003 für seine Sammlung kaufte. Bevor die erste Ausstellung jedoch gezeigt wurde, sollten weitere 5 Jahre ins Land gehen.

Die Sammlung Boros ist also eine private Kunstsammlung zeitgenössischer Kunst (vorwiegend aus Großbritannien) des Ehepaars Karen und Christian Boros, die sich sogar auf dem Bunker ein schickes Penthaus erbaut haben.

Leben fuer und mit der Kunst: Karen und Christian Boros
Das Kunstsammler Ehepaar Karen und Christian Boros
Lange Belichtung im Weltall von Thomas Ruff
Fotografien mit langer Belichtung von Thomas Ruff

Die erste Ausstellung von Werken der Boros Sammlung wurde bis 2012 gezeigt, aktuell läuft noch die zweite Ausstellung. Und genau diese wollten wir uns anschauen. Irgendwie war hierfür mal Zeit.

 

Ich bin für mehr gemacht als für euch hier den Führungs-Kaspar zu spielen.

 

Ich habe lange überlegt, wie ich den Text schreiben soll, um Niemanden zu verärgern, aber irgendwie fanden wir die ganze Führung echt etwas suspekt. Wir bekamen die Führung nämlich von einem, so schätzten wir, sehr sehr in die Materie vertieften Kunsthistoriker, der uns schon in den ersten 2 Minuten klar machte: Ich bin für mehr gemacht als für euch hier den Führungs-Kaspar zu spielen. Und so fanden wir uns in einer Expertenrunde wieder, deren Mitglieder sich am Ende doch nicht als die wahren Experten rausstellten (denn sind wir mal ehrlich, Sätze wie: „Das Werk kommt mir bekannt vor, ich weiß nicht, ob ich es bereits in Kopenhagen gesehen habe!“ kann ja wirklich Jeder).

Newniq goes Boros Sammlung

Generell sind wir nicht die ambitioniertesten Fans von zeitgenössischer Kunst und der Satz: „Ist das Müll oder kann das weg?“ fiel spätestens beim Betrachten eines Berliner BSR Mülleimers, der im Raum hing. Nach 5 Stockwerken traut man dann auch keinem Gegenstand mehr über den Weg, fragt sich, ob die Absperrkette nun genau dort hängt, um den Unterschied der zwei Welten zu zeigen und ob die Nottaschenlampe im Flur vielleicht doch eine Kunst-Installation ist.

Dabei ist es nicht so, dass uns einige Werke nicht beeindruckt haben, aber ein paar „normale“ Informationen wären ganz nett gewesen. Ich hätte es sehr spannend gefunden zu erfahren, was für ein Kraftakt es gewesen sein musste, den „tree 2011“ von Ai WeiWei in den Raum zu schaffen. Vielleicht hätte ich auch  einfach einmal fragen und nicht nur auf das Kunstwerk starren sollen um darüber zu fachsimpeln, warum Hölzer mit Stahlschrauben verschraubt wurden. Denn ich hatte gänzlich das Gefühl, dass ich alles in der Ausstellung tiefgründig und besonders finden muss (betont durch die schweigenden Überbrückungssekunden des Ausstellungsführers) und es nicht mal nur schön finden darf. Stattdessen wurde bei einem Werk über den Abstand von Vitrine zum Boden oder auch über Fibonacci-Zahlen gefachsimpelt (spätestens hier schalteten wir als Mathe-Asse komplett ab).

Ai WeiWei im Bunker Berlin mit dem Tree 2011
Das Kunstwerk Tree 2011 von Ai WeiWei
Die Freiheitsstatue in Bronze von Dahn Vo
Der Kuenstler Danh Vo zeigt Teile der Freiheitsstatue in Bronze

Aber uns haben einige Werke wirklich beeindruckt: Ich mochte schon immer die Arbeiten von Wolfgang Tillmans und deswegen freute ich mich am meisten über einige der 40 Werke, die Christian Boros 1990 vom Fotografen abkaufte. Auch die Lebensgroße Freiheitsstatue von Danh Vo ist rein konzeptionell gesehen wirklich interessant: Die Statue wird an verschiedenen Standorten weltweit gezeigt, jedoch nie in Einem zusammengebaut. Ist für den Betrachter also immer nur fragmentarisch zu sehen (jetzt packe ich aber auch mal die Kunst-Fachjargon-Keule aus).

Alles in Allem können wir nur sagen: der Bunker lohnt sich schon, denn wie ein guter Freund von uns immer zu sagen pflegt: „Kunst ist nicht das Kunstwerk, das du vor dir siehst, sondern Kunst ist das, was dieses Werk mit dir nachhaltig macht.“ Nachhaltig bleibt Erstaunen, Ungläubigkeit und auch das Gefühl, manchmal vom Künstler irgendwie verarscht zu werden. Aber das ist ja auch was.

 

© Fotos NOSHE: Außenansicht Bunker, Ai Weiwei, Tree, 2009-2010, Thomas Ruff, Stern 13h 18m/-60°, 1992; Stern 10h 51 m/-20°, 1992; Stern 05h 08m/-65°, 1990, Tomas Sacareno, Flying Garden/Air-Port-City/32SW, 2007 , Danh Vo, Numbers (6), 2011; Trio, 2010; We the people (detail), 2011. 

© Fotos Wolfgang Stahr: Christian und Karen Boros

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1 Comment

  1. hm…
    so eine Führung kann man sich dann auch sparen. Ich hoffe ihr habt dem Typen nicht allzu viel bezhalt und eine gute brochure war euer begleiter.
    die Freiheitsstatue hat mihc jetzt auch fasziniert.
    War noch nie im Bunker.. aber vielleicht sollte ich mal hin…

    Viele liebe Grüße

    Franzy

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