1.) Wer bist du und was machst du wo?

Ich heiße Hanna Wolf, bin Designerin und Schneidermeisterin und habe ein Atelier im Münchner Glockenbachviertel. Mein Label KILENZ wurde 2012 gegründet, seit dem gibt es zwei Kollektionen im Jahr und in Kombination dazu Couture Kleider die grundsätzlich auf Maß gefertigt werden.

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Was Stil und Arbeitsabläufe angeht habe ich meinen eigenen Kopf, unabhängig von Trends und und der typischen Hektik der Modebranche – und lege größten Wert auf nachhaltige Prozesse. Als Ergebnis meiner Arbeit möchte ich ein ästhetisches Gesamtbild schaffen, jede Kollektion ist ein eigener Kosmos aus Stimmungen, Farben und Strukturen.
Slow fashion mit dem Anspruch auf unangestrengtes, zeitloses und trotzdem modernes Design – mit klaren Linien, zwischen subtiler Eleganz und Lässigkeit.

Meine Couture Linie ist eine absolute Herzensangelegenheit die sich langsam neben der basic Kollektion etabliert hat. Zuerst waren es nur einzelne Kleider für Freundinnen, bis die Anfragen auf Empfehlung immer weitreichender wurden. Die Teile werden auf Anfrage und in Zusammenarbeit mit der Kundin entwickelt und mit Muße und Leidenschaft, viel Zeit und Liebe zum Detail gefertigt. Vor allem Braut- und Abendkleider aus Spitze, Perlen- und Paillettenstickereien entstehen in Handarbeit mit traditionellen Techniken genauso wie reduzierte, moderne und puristische Kombinationen.

Kollektion und Couture wird komplett im Münchner Atelier gefertigt und kann auch nur dort erworben werden.

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„Nach und nach trat eine notwendige Entschleunigung meiner Arbeit ein und die Skepsis gegenüber dem aktuellen System der Modebranche wuchs“

2.) Wie bist du dazu gekommen?

Ganz klischeehaft hat mir meine Tante damals einen Schemel unter das Nähmaschinenpedal gestellt und ich habe erste tollkühne Versuche mit Puppenkleidern gewagt – dann habe ich schließlich meine Lehre in München bei Gabriele Blachnik gemacht und im Anschluss in Köln in einem Couture Atelier gearbeitet – um dann die Meisterschule und ein zusätzliches Studienjahr auf der Fachschule für Schnitt und Entwurf zu absolvieren.
Die Faszination für Farben, Strukturen und die Möglichkeit durch Mode Persönlichkeit zu schaffen hat mich schon immer fasziniert und so ist zunächst ein auf online retail ausgerichtetes Label entstanden – nach und nach trat aber eine notwendige Entschleunigung meiner Arbeit ein und die Skepsis gegenüber dem aktuellen System der Modebranche wuchs. Mein Wunsch nach einem ‚runden‘ Gesamtkonzept beinhaltet handgefertigte Kleidung aus nachhaltigen Materialien die aber trotzdem modernen ästhetischen Ansprüchen gerecht wird und sich nicht in die klassische Öko-Mode-Schublade stecken lässt.

 

3.) Vervollständige die Sätze:

a. Wäre ich nicht Kreative/r, dann wäre ich.. weil..: Jede Tätigkeit hat meiner Meinung nach kreatives Potential – die Einstellung dahinter bestimmt unseren Umgang im Alltag damit. Im engeren Sinne jedoch, wenn ich etwas anderes geworden wäre, hätte ich auf jeden Fall das Bedürfnis gehabt mich auszudrücken – ich vermute ich wäre Illustratorin oder Tänzerin/Choreografin geworden – das ist auch heute noch mein wertvollster Ausgleich im Alltag. Im Tanz liegt für mich soviel Freiheit, Ausdruckskraft und Schönheit wie in kaum einer andern Kunst.

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4.) Was war dein bisher schönstes, spannendstes oder ungewöhnlichstes Projekt und wieso?

Gerade in der Couture ist eigentlich jedes Projekt einzigartig, aber rein optisch sticht wohl eines aus dem letzten Jahr besonders heraus : ein Brautkleid aus verschiedensten bunten Stickereien und Spitzen, das wie ein märchenhafter Blütenteppich auf zarten Chiffon gearbeitet wurde. Ein Kleid, das über Monate langsam gewachsen ist, immer wieder verändert und neu angeordnet wurde bis ein harmonisches Gesamtkunstwerk entstanden ist.

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5.) Was macht den Kreativbereich Deutschland für dich aus?

Lokal auf München bezogen mag ich die spannenden Projekte und Kooperationen untereinander- und würde mir wünschen dass dies in Zukunft noch mehr wird. Der Austausch untereinander und das entwickeln neuer Ideen schließt einen immer größer werdenden Kreis an Menschen ein und sorgt dafür, dass insgesamt die lokale kreative Kultur gefördert wird und langfristig achtsamer und ausgewählter konsumiert wird – in welchem Bereich auch immer.

Ich nominiere als Doppelpack Jörg Rohwer-Kahlmann& Andreas Klingseisen, die das Sneaker label VOR gegründet haben und wundervoll puristische und in Deutschland gefertigte Ledersneaker machen. Und dazu Lotte Post, mit ihr teile ich mir mittlerweile Laden und Werkstatt,  sie entwirft und fertigt Maßschuhe – ein altes Handwerk dem sie frischen Wind eingehaucht hat.

© Kollektionsfotos: Kathrin Makowski / Atelierfotos Mike Krüger


Getreu dem Motto „Zeigt her eure Arbeit“ zeigt die Initiative „Deutschland, deine Kreativen“ Vertreter aus der Kultur- und Kreativbranche. Dafür hat Newniq ursprünglich 5 Kreativschaffende aus unterschiedlichen Bereichen nominiert und gebeten, 5 Fragen zu beantworten und wiederum jeweils 2 neue Kreative zu nominieren, die das Spiel weiterführen. Im Schneeballsystem geht es immer weiter, bis sich die Deutschlandkarte nach und nach mit interessanten Persönlichkeiten aus der Kultur- und Kreativwirtschaft füllt – quasi „der digitale Hermannkuchen der Kreativbranche“.
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