1.) Wer bist du und was machst du, wo?

Ich bin Jonathan Radetz und wohne und arbeite in meiner Wahlheimat Frankfurt als multidisziplinärer Produktdesigner. Mit der Faszination, jede Idee auf seine wesentlichen Bestandteile herunterzubrechen, arbeite ich spielerisch und zugleich konsequent mit Materialien und Formen, um außergewöhnliche Möbel, Accessoires und Schmuckstücke zu kreieren.

In der Werkstatt entstand die handgemachte Designer Lampe

Ein handgewebter Teppich vom Produktdesigner Jonathan Radetz

„Auch wenn das Thema Konstruktion für mich als Schreinermeister noch heute spannend ist, wurde mir klar, dass ich selbst der Gestalter sein wollte.“

 

2.) Wie bist du dazu gekommen?

Erfahrungen sammelte ich bei der Designmarke e15 und in den Studios von Stefan Diez sowie Saskia Diez Jewellery, die meine konsequente Umsetzung von der Idee zum Produkt grundsätzlich prägten. Den ersten richtigen Kontakt mit der Designwelt bekam ich bereits 2006 bei e15, damals noch in der Entwicklungsabteilung als Konstrukteur. Auch wenn das Thema Konstruktion für mich als Schreinermeister noch heute spannend ist, wurde mir bald klar, dass ich selbst der Gestalter sein wollte. Nach einem zweijährigen Auslandsaufenthalt studierte ich Raum- und Objektdesign in Garmisch-Partenkirchen. Obwohl ich dank meiner frühen Erfahrungen wusste auf was ich mich als selbstständiger Designer einlasse, habe ich diesen Weg bewusst eingeschlagen.

Minimalistischer Goldring der Schmuckkollektion

Der Ring ist ein Teil der Schmuckkollektion von Jonathan Radetz

3.) Vervollständige die Sätze:

a. Wäre ich nicht Kreative/r, dann wäre ich: Erfinder

b. Weil: Mich hat schon als Kind das Entdecken und Erfinden fasziniert. Es gibt ja schon in jungen Jahren viele Vorbilder und tolles Spielzeug wie Dampfmaschinen, die die eigene Kreativität fördern. Am Ende waren es aber wohl eher fiktive Figuren wie Daniel Düsentrieb die meinen Entdeckertrieb am Leben erhielten. Alles was man braucht könnte man sich einfach erfinden, wer möchte das nicht.

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4.) Was war dein bisher schönstes, spannendstes oder ungewöhnlichstes Projekt und wieso?

Da mir hier drei Adjektive angeboten werden möchte ich diese auch gerne Nutzen. Das schönste Projekt ist wohl der Nepalteppich der auf einer Wanderung durch das nepalesische Gebirge Annapurna entstanden ist. Obwohl ich wusste wie aufwendig die von Hand geknüpften Teppiche hergestellt werden, war ich sehr überrascht, als ich die vielen einzelnen Schritte der Fertigung des Nepalteppichs ANNAPURNA mitverfolgen konnte.
Das spannendste Projekt ist ein sehr aktuelles Projekt: ISTANBUL‘DAN. Hier bin ich mit fünf weiteren Designern nach Istanbul gereist um das Potential der Handwerkerviertel auszuschöpfen. Es ging aber vor allem darum auf die Gentrifizierung genau jener Stadtviertel aufmerksam zu machen und dem dadurch entstehenden Aussterben der Werkstätten neue gestalterische Wege und Ideen entgegenzusetzen.
Das ungewöhnlichste Projekt ist die Entwicklung einer eigenen Schmuckkollektion. Unter meinem eigenen Namen JONATHAN RADETZ habe ich im Herbst 2015 eine dezente Schmucklinie von fein minimalistischen Ohrringen, Ketten und Ringen gelauncht. Ungewöhnlich, da ich nie bewusst Schmuck entwerfen wollte, aber die Ideen und Details zum Leben erweckt werden wollten.

Die grafische Lampe aus Stahl gibt es in verschiedenen Ausfuehrungen

Dem Kelim aehnlich: der handgeknuepfte Nepal Teppich

Der Nepalteppich Annapurana in der Fertigung

 

5.) Was macht den Kreativbereich Deutschland für dich aus?

Als gelernter Handwerker, aufgewachsen in einer Industrienation, stark geprägt durch unsere gestalterische Vergangenheit, eilt uns der Ruf des „German Designs“ voraus. Ich persönlich sehe mich ganz im Sinne von Otl Aicher als Partner der Industrie und würde mich selbst als Industriedesigner bezeichnen wollen. Wenn man aber mein Portfolio anschaut, so findet man oft sehr ausdrucksstarke Objekte, mit Manufaktur-Charakter. Vielleicht liegt es daran, dass man als Gestalter etwas sagen möchte aber die Industrie nicht immer zuzuhören vermag.

 

Ich nominiere Katharina Schwarze von StudioMok. Ich bewundere Katharina und Maja dafür, das sie auf einer straken Idee basierend, dem Regalsystem 248, eine Firma aufgebaut haben. Des Weiteren nominiere ich Florian Saul. Der viele seiner schönen organischen Holzmöbel selbst fertigt und unter der Marke FLORIAN SAUL DESIGN DEVELOPMENT vertreibt. Er verdient mein Respekt, da er definitiv der bessere Tischler von uns beiden ist.

© Fotos: Profilbild: Tanja Evers // Umfeld als Arbeitsplatz (Inspiration Nepalteppich ANNAPURNA): Jonathan Radetz // Schmucklinie: Bastian Niepoth // ISTANBUL’DAN, Sounds Of Istanbul: Jonathan Radetz


Getreu dem Motto „Zeigt her eure Arbeit“ zeigt die Initiative „Deutschland, deine Kreativen“ Vertreter aus der Kultur- und Kreativbranche. Dafür hat Newniq ursprünglich 5 Kreativschaffende aus unterschiedlichen Bereichen nominiert und gebeten, 5 Fragen zu beantworten und wiederum jeweils 2 neue Kreative zu nominieren, die das Spiel weiterführen. Im Schneeballsystem geht es immer weiter, bis sich die Deutschlandkarte nach und nach mit interessanten Persönlichkeiten aus der Kultur- und Kreativwirtschaft füllt – quasi „der digitale Hermannkuchen der Kreativbranche“.
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