1.) Wer bist du und was machst du, wo?

Ich bin Laura Jungmann und arbeite seit 2 Jahren als selbstständige Produkt- und Grafikdesignerin in Karlsruhe. Hier habe ich ein Gemeinschaft-Atelier in der Karlsruher Südstadt, zusammen mit 5 weiteren Designern, Künstlern und Handwerkern. Ich arbeite an unterschiedlichen Projekten: einerseits verdiene ich meinen Unterhalt mit mehr oder weniger regelmäßigen Jobs andererseits habe ich eine Firma gegründet, welche zusammen mit dem Glasmacher Cornelius Réer die Kollektion SAMESAME herstellt und vertreibt. Vor einigen Wochen war ich außerdem für das Projekt ISTANBUL’DAN mit 5 weiteren Designern in Istanbul, gemeinsam wollen wir mit lokalen Handwerkern vor Ort arbeiten und vielleicht ein Produktlabel daraus entstehen lassen.  Regionale, ökologische und soziale Aspekte, sowie eine Liebe für Materialität und Handwerk bestimmen ihre Arbeiten.

„Chemie hat für mich auch viel mit Kreativität zu tun“

 

2.) Wie bist du dazu gekommen?

Ich habe Produktdesign an der Hochschule für Gestaltung und der Technischen Universität in Istanbul studiert, nach meiner Abschlussarbeit, welche sich mit Recycling und der Zusammenarbeit mit regionalen Handwerkern beschäftigte lag es irgendwie Nahe diese Ansätze weiter zu verfolgen und selbstständig an eigenen Projekten zu arbeiten. In einer Festanstellung, an einen Bürostuhl gekettet, habe ich mich nicht gesehen. Trotzdem verbringe ich die meiste Zeit mit organisieren und planen an meinem Rechner, die Gestaltung nimmt leider nur einen Bruchteil davon ein.

 

3.) Vervollständige die Sätze:

a. Wäre ich nicht Kreative/r, dann wäre ich: Chemikerin

b. Weil: Da ich wusste wie schwer es wird an einer Designhochschule aufgenommen zu werden, war ich kurz davor mich für Chemie einzuschreiben. Chemie war meine 2. Leidenschaft in der Schulzeit und einer meiner Leistungskurs in der Oberstufe. Auch wenn es schwer vorstellbar ist, aber Chemie hat für mich auch viel mit Kreativität zu tun.

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4.) Was war dein bisher schönstes, spannendstes oder ungewöhnlichstes Projekt und wieso?

Die Zusammenarbeit und Firmengründung mit Glasmacher Cornelius Réer war und ist das bisher spannendste, schönste und ungewöhnlichste Projekt. Spannend, weil ich mich direkt nach dem Studium in die Selbstständigkeit gewagt habe und ich mir mit für Firmengründung auch einiges an Wissen aneignen musste. Ungewöhnlich, weil die Art unserer Zusammenarbeit sehr ungewöhnlich ist: Eine Designerin und ein Glasmacher gründen eine GbR und kümmern sich um Design, Entwicklung, Produktion und Vertrieb gemeinsam. Schön, weil es funktioniert, weil Cornelius und ich uns in vielen Punkten ergänzen und in den letzten zwei Jahren ein erfolgreiches kleines Label aufgebaut haben.

Flaschen aus Glas in Gruen, Braun und Weiss

Die Recycling Flaschen als Designobjekt

5.) Was macht den Kreativbereich Deutschland für dich aus?

Mich hat das Handwerk in Deutschland stark geprägt und für mich ist es immer eine Quelle für Kreativität und Inspiration gewesen. Leider sind einige Handwerkstechniken vom Aussterben bedroht, so auch das des Glasmachers. Eines meiner Ziele ist es, dieser Entwicklung gestalterische Ansätze und Konzepte entgegenzusetzen, so stellt auch SAMESAME eine Hommage an das deutsche Handwerk dar.

 

Ich nominiere Jonathan Radetz, gelernter Schreinermeister und Produktdesigner. Jonathan und ich haben uns im Rahmen des Projekts ISTANBUL’DAN kennengelernt: Seine Arbeiten sind oft von einer starken Klarheit und Funktionalität geprägt, ganz anders als meine und trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – schätze ich seine Entwürfe und arbeite sehr gerne mit ihm zusammen.

 

© Fotos: Laura Jungmann


Getreu dem Motto „Zeigt her eure Arbeit“ zeigt die Initiative „Deutschland, deine Kreativen“ Vertreter aus der Kultur- und Kreativbranche. Dafür hat Newniq ursprünglich 5 Kreativschaffende aus unterschiedlichen Bereichen nominiert und gebeten, 5 Fragen zu beantworten und wiederum jeweils 2 neue Kreative zu nominieren, die das Spiel weiterführen. Im Schneeballsystem geht es immer weiter, bis sich die Deutschlandkarte nach und nach mit interessanten Persönlichkeiten aus der Kultur- und Kreativwirtschaft füllt – quasi „der digitale Hermannkuchen der Kreativbranche“.
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