1.) Wer bist du und was machst du mit deinem Kreativlabel, wo?

Ich bin Annika Kelm aus Düsseldorf, Designerin und Gründerin des Labels „Unter Pinien“. Unter diesem Namen gestalte ich Muster, fertige Illustrationen an und denke mir Produkte aus.
Meine Motive skizziere ich von Hand, bearbeite sie am Computer, bringe sie dann wieder in die Wirklichkeit und drucke sie auf Papier, Stoff oder Holz. Daraus entwickle ich handgemachte Lieblingsstücke, die ich dann online, in Geschäften oder auf Designmärkten in ganz Deutschland verkaufe. Anfang des Jahres habe ich mich mit 6 anderen Illustratoren im Gemeinschaftsatelier „Studio Rabotti“ zusammengetan. Dort wird gezeichnet, gestaltet und einfach gemacht. Das Studio ist im Moment neben der Nähwerkstatt mein kreativer Hauptsitz.Beutel, Maeppchen und Kissen: Design Produkte von Unter Pinien   In Handarbeit an der Naehmaschine Grafisches Muster und handgemachte Taschen von Unter Pinien

„Bei einem Bierchen mit meinen engsten Verbündeten kam der Entschluss: Ein eigenes Label muss her!“

2.) Wie bist du dazu gekommen?

Ich habe in Aachen und in Düsseldorf Kommunikationsdesign studiert und mich während meiner Diplomarbeit 2010 mit der neuen Kultur des Selbermachens beschäftigt. Ich widmete mich voll und ganz dem Thema „Do it yourself“ und war fasziniert von dieser neuen Arbeitswelt, die möglicherweise auch für mich bereitstand. Nach dem Studium arbeitete ich dann als Grafikdesignerin und Illustratorin für unterschiedlichste Kunden. Doch der Gedanke mal etwas ganz Eigenes auf die Beine zu stellen, weniger digitale Arbeit, sondern etwas Echtes, etwas Greifbares zu erschaffen, ließ mich nicht mehr los. Und so fasste ich eines Abends bei einem Bierchen mit meinen engsten Verbündeten den Entschluss: Ein eigenes Label muss her!
Alles sollte erlaubt sein, Kreativität ohne Grenzen, und alle Gehirngespinste sollten in die Tat umgesetzt werden. Das war vor genau 4 Jahren. Mittlerweile freue ich mich täglich über das schon Erreichte und blicke zuversichtlich mit großem Tatendrang in meine selbstbestimmte Zukunft.


Arbeitsplatz fuer Kreativitaet: Der Working Space von Unter PinienProduktion der Handmade Designer Schminktasche

3.) Vervollständige die Sätze:

a. Wäre ich nicht Kreative/r, dann wäre ich: Ein anderer Mensch in einem völlig anderen Leben.

b. Weil:
Von klein auf war es meine größte Leidenschaft Dinge und meine Umwelt zu gestalten. Ich bin mit meinen drei Geschwistern in einem sehr kreativen Haushalt aufwachsen. Es wurde immer gebastelt, gewerkelt, genäht und gemalt. Papa baute alle Möbel in der eigenen Werkstatt selber. Und zwischendurch gab es frischen, selbstgebackenen Kuchen von Mama oder Oma. Als es dann mit 16 Jahren um die konkrete Frage ging: „Welchen Beruf will ich ausüben?“, ging es lediglich um die Entscheidung der genauen Ausrichtung: Modeschneiderin, Architektin, oder Künstlerin. Kreativ sollte es aber auf alle Fälle sein.

 

middle_ddk

4.) Was war dein bisher schönstes, spannendstes oder ungewöhnlichstes Projekt und wieso?

Jedes Produkt ist für mich ein kleiner Teil meines großen Projekts „Unter Pinien“.
Das Zusammenspiel von Materialien, die Wahl der richtigen Formen und Farben, wo werden Ziernähte gesetzt oder Lederriemen verwendet, welche Lasur benötigt mein Holzobjekt, wie finde ich den Mittelweg zwischen Wunschvorstellung, Funktionalität und Umsetzbarkeit? Diese Fragen machen es spannend und sie ziehen mich tagtäglich in den Bann. Die Mischung zwischen Handarbeit und Kopfarbeit ist für mich genau die richtige. Spontane Ideen und Überraschungsmomente kreuzen dabei so manchen Plan. Mein Label wachsen zu sehen und die kreative Linie und einen Stil zu finden, ein Gesamtbild zu formen, ist für mich sehr spannend und schön.

Grafik und Muster in liebevoller Handarbeit Design Papeterie in schwarz Weiss von Unter Pinien

5.) Was macht den Kreativbereich Deutschland für dich aus?

Das Image der Handmade-Kultur hat sich hier schnell weiterentwickelt und wird ernst genommen. Als Gegenpol zum konventionellen Konsum legen auch die Deutschen mittlerweile großen Wert auf ehrliche und individuelle Produkte.

Ich finde der Kreativbereich in Deutschland ist überschaubar und gut vernetzt. Das Sprichwort „Man sieht sich immer zweimal im Leben“ ist in meinem kreativen Umfeld einfach zutreffend. Die meisten Gestalter sind sehr aufgeschlossen und teilen gern. Man kann sich über Erfolge von den Anderen freuen, weil alle für das große Ganze arbeiten: Für eine innovative Arbeitswelt, schöpferische Freiheit und für ein selbstbestimmtes Leben. Ich bin sehr glücklich hier zu leben und empfinde es als großes Privileg mich ohne große Hürden verwirklichen zu können.

 

Ich nominiere Maren Düsel und Katharina Zink.

Marens handgearbeiteter Schmuck ist sehr minimalistisch, auffällig und experimentell. Ihre Vorliebe für außergewöhnliche Materialien, wie angeflemmtes Holz, textile Elemente und pulverbeschichteter Stahl, machen ihre Schmuckstücke zu etwas ganz Besonderem. Sie ist ausgebildete Goldschmiedin und Schmuckdesignerin und präsentiert regelmäßig neue Kreationen auf Messen und Ausstellungen. Sie ist eine liebe Freundin aus meinem direkten Umfeld.

Katharina entwickelt für ihr Label: „the golden spleen“ hochwertige Produkte, die alle mit größter Sorgfalt und viel Liebe gefertigt sind. Ein Päckchen von ihr zu öffnen ist eine große Freude. Man spürt ihre Liebe für kleine Details. Alles ist wohlüberlegt und wunderschön gestaltet: Das Schmuckstück selbst, die Verpackung und ihre Dankeskarte.
Wir treffen uns regelmäßig auf Designmärkten und freuen uns jedes mal uns zu sehen.

© Fotos: Annika Kelm / Unter Pinien


Getreu dem Motto „Zeigt her eure Arbeit“ zeigt die Initiative „Deutschland, deine Kreativen“ Vertreter aus der Kultur- und Kreativbranche. Dafür hat Newniq ursprünglich 5 Kreativschaffende aus unterschiedlichen Bereichen nominiert und gebeten, 5 Fragen zu beantworten und wiederum jeweils 2 neue Kreative zu nominieren, die das Spiel weiterführen. Im Schneeballsystem geht es immer weiter, bis sich die Deutschlandkarte nach und nach mit interessanten Persönlichkeiten aus der Kultur- und Kreativwirtschaft füllt – quasi „der digitale Hermannkuchen der Kreativbranche“.
 footer_ddk

Author

Write A Comment