1.) Wer bist du und was machst du, wo?

Ich bin Marte Hentschel, Modeunternehmerin, Designerin und Mutter zweier Kinder, wohnhaft in Berlin, gebürtig aus Dresden. Ich entwickle Konzepte für innovative textile Produkte und Bekleidungskollektionen, ich vermittle und berate zu nachhaltigen Lieferketten, halte Vorträge und unterrichte ein bisschen. Zudem führe ich eine online Plattform für Gestalter, Produzenten und Lieferanten der Textilwirtschaft.  

„Zurzeit geniesse ich es sehr, mit Nerds aus allen möglichen textilen Gewerken zusammenzuarbeiten.“

 

2.) Wie bist du dazu gekommen?

Ich habe schon während meines Designstudiums als Freelancerin Modekollektionen entwickelt aber gemerkt, dass die Infrastruktur für hochwertige Umsetzung im Handwerk, in der Produktion und auf Lieferantenseite sehr löchrig und fehleranfällig ist. Zudem macht es heutzutage weder ästhetisch, ethisch noch wirtschaftlich Sinn, ein Label mit konventionell produzierter Bekleidung aufzubauen. 2009 habe ich darum mit ein paar Schnittmachern und Bekleidungstechnikern die Modeproduktionsagentur Common Works  gegründet, die sich auf nachhaltige Textilproduktion konzentriert.

Experten aus Handwerk, Produktion und Design auf Fashion Source Book finden
Auf Fashion Source Book findet man Experten aus Handwerk, Produktion und Design

Es gibt in ganz Europa fast vergessene Textilgewerke und Techniken, die es verdient haben, als Teil unseres kulturellen Erbes bewahrt und behutsam ins 21.Jahrhundert mitgenommen zu werden. Aus dieser Idee ist in Kooperation mit Nemona 2013 das EU geförderte Projekt Sourcebook geworden, das ich jetzt mit einem kleinen Team in Berlin weiterentwickle und als europäische Plattform allen Akteuren der Textilbranche zugänglich machen möchte. Seit März widme ich mich nun mit vollem Elan dieser Plattform, die nach 12 Wochen online bereits über 500 Businesses versammelt hat, darunter wahre Schätze wie Punzierer und Feintäschner.

3.) Vervollständige die Sätze:

a. Wäre ich nicht Kreative/r, dann wäre ich: Herrenmaßschneiderin.
b. Weil:
Ich liebe smarte Details, hochwertige Materialien und das Handwerk, ausserdem sind Männer loyale und dankbare Kunden. Auch könnten fast alle einen gut sitzenden Anzug vertragen.

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4.) Was war dein bisher schönstes, spannendstes oder ungewöhnlichstes Projekt und wieso?

Ich kann mich da schlecht festlegen. Es ist für mich immer wieder faszinierend, wenn eine Idee Gestalt annimmt und schliesslich in 3D in die Welt geboren wird. Ein wunderbarer Prozess, der mich sehr fesselt. Darum kommt nach Abschluss eines intensiven Projektes bald die nächste Herausforderung, je größer der Entwicklungsaufwand und je ungewöhnlicher das Projekt, desto spannender.
Zurzeit geniesse ich es sehr, mit Nerds aus allen möglichen textilen Gewerken zusammenzuarbeiten. Deren Leidenschaften und Lebenswelten zu erfahren. Ich könnte mich stundenlang mit meinem Lieblingsknopfhändler über die Schönheit der Maserung eines Knopfes aus peruanischer Steinnuss unterhalten.

Expertin im Bereich Fashion: Der Arbeitsplatz von Marte Hentschel
Hier dreht sich alles um Fashion: Der Arbeitsplatz von Marte Hentschel

5.) Was macht den Kreativbereich Deutschland für dich aus?

Oft wird lamentiert, es gäbe zu wenig Mut zum Risiko und zur Improvisation in Deutschland, was wahre Innovation und Gestaltungshöhe verhindert. Ich finde aber gerade der konstruierende, technische und ingenieursmässige Zugang zur Kreation schafft ein Spannungsfeld mit hohem Potential. Es ist sehr schwer, als Kunstschaffender Fuß zu fassen und ohne Selbstausbeutung zu wirtschaften, wenn man kein Unternehmer-Gen in sich trägt. Wir sollten den Wert dieser Talente stärker zu schätzen wissen und aktiv unterstützen, sonst werden wir als Gesellschaft kaum zukunftsfähig sein. Insgesamt bin ich grundoptimistisch und finde, wir leben in hochspannenden Zeiten.

Ich nominiere Sevil Uguz, Gründerin des LNFA Konzeptstores im Bikinihaus und Inhaberin der LNFA Sales- und PR Agentur. Sie gibt jungen Indie-Labels aus Deutschland eine starke Plattform und ist als Pionierin eine echte Inspiration für mich.

Des Weiteren gehört neben hunderten Anderen unbedingt Max Gilgenmann in diese Liste, Vollblutgestalter und Innovator. CTO der Ethical Fashion Show und Gründer von OOTBOX, einem nachhaltigen Rucksacklabel, das in Zusammenarbeit mit Initiativen in Bangladesch entsteht. Er ist ein Visionär, den ich als Partner nicht missen möchte.

© Fotos: Marte Hentschel


Getreu dem Motto „Zeigt her eure Arbeit“ zeigt die Initiative „Deutschland, deine Kreativen“ Vertreter aus der Kultur- und Kreativbranche. Dafür hat Newniq ursprünglich 5 Kreativschaffende aus unterschiedlichen Bereichen nominiert und gebeten, 5 Fragen zu beantworten und wiederum jeweils 2 neue Kreative zu nominieren, die das Spiel weiterführen. Im Schneeballsystem geht es immer weiter, bis sich die Deutschlandkarte nach und nach mit interessanten Persönlichkeiten aus der Kultur- und Kreativwirtschaft füllt – quasi „der digitale Hermannkuchen der Kreativbranche“.
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