1.) Wer bist du und was machst du, wo?

Ich bin Kommunikations-Designerin und habe direkt nach meinem Studium vor 3 Jahren gemeinsam mit Marina Eggen (Produktdesignerin) das Label „Family Tree Shop Karlsruhe“ gegründet – ein Label für Möbel und (Wohn-)Accessoires. Seit August 2014 gibt es den Family Tree Shop Karlsruhe auch als realen Laden in der Rüppurrer Strasse in Karlsruhe. Neben unseren eigenen Produkten verkaufen wird dort viele besondere Dinge von jungen Designern aus Karlsruhe und auch aus anderen Teilen Deutschlands. Ab und zu veranstalten wir Workshops mit den Designern. So kann man einen Blick hinter die Kulissen werfen und erfährt durchs eigene Machen wie ein Produkt entsteht. Wir kennen nahezu jeden Designer persönlich, sei es aus dem Studium oder von Messen. So wissen wir immer wie, wo und von wem die Sachen gemacht werden und können den Leuten die in den Laden kommen  eine kleine Geschichte rund ums Produkt mit auf den Weg geben. Es ist ein sehr schönes Gefühl zu sehen, wenn man jemanden für ein gutes und dazu noch wunderschönes Produkt begeistern kann, so dass er es voll Freude mit nach Hause nimmt. Mit dem Laden haben wir uns einen lang gehegten Traum erfüllt. Man muss und darf so ein bisschen von allem machen: von der Schaufenstergestaltung über das Verkaufen, bis hin zur Buchhaltung und organisatorischen Dingen – wie ein Praktikum bei sich selbst, bei dem man noch viel lernen kann.

Family Tree Shop Schrift  Design Hocker in bunt

„Designer lassen sich nicht mehr nur in den großen Städten nieder, sondern setzen auch fernab der Großstadt mit viel Engagement ihre Ideen um“

 

2.) Wie bist du dazu gekommen?

Über mein Studium des Kommunikations-Designs an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe. Hier habe ich durch tolle Professoren wie z. Bsp. Florian Pfeffer und Tania Prill und die Leute mit denen ich studiert habe gelernt was Design bedeutet. Für mich war es ein großes Glück hier studieren zu dürfen, ich würde es auch immer wieder tun. Und bestimmt sind auch meine Eltern, dank Ihrer Einstellung, dass man viele Dinge selbst machen kann und das auch getan haben, nicht ganz unschuldig an dem Weg. Sie werden bis heute immer wieder mit der ein oder anderen Aufgabe bedacht und sind irgendwie ein Teil des Labels.

Ein Blick von oben auf einen Designtisch mit individuellen Accessoires

Einblick in den Family Tree Shop aus Karlsruhe

 

3.) Vervollständige die Sätze:

a. Wäre ich nicht Kreative/r, dann wäre ich: Tischtennis-Profi, Tierpflegerin

b. Weil: Sowohl Tischtennis spielen als auch der Umgang mit Tieren rufen große Glücksgefühle in mir hervor, die motivierend sind und auch dabei kann ein bisschen Einfallsreichtum sicher nicht schaden. Das ist jetzt natürlich eine recht intuitive Antwort und bestimmt ist es gut, dass ich nicht täglich Seehunde füttern muss. Grundsätzlich denke ich, dass in jedem Beruf Kreativität schlummert, die man wecken kann, je nachdem was man daraus macht.

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4.) Was war dein bisher schönstes, spannendstes oder ungewöhnlichstes Projekt und wieso?

Das ist ganz schwer zu sagen, weil fast jedem Projekt einer Zauber inne wohnt, z.B. weil die Menschen mit denen man zusammengearbeitet hat das Projekt bereichert haben und gute Freunde geworden sind oder durch das Scheitern im Laufe eines Projektes, dass einen dazu gezwungen hat, Materialien und Herstellungsarten zu überdenken, am Ball zu bleiben um am Ende was Gutes daraus zu machen, hinter dem man noch lange steht. Unser Tête-à-Tête Hocker zum Beispiel, der hat Marina und mich dazu bewogen, den Family Tree Shop zu gründen, weil wir eine Möglichkeit gesucht haben ihn zu verkaufen, und dann haben wir einfach das Label aus dem Studium heraus gegründet.  Für mich persönlich ist der seitlich schaukelnde See-Saw Schaukelstuhl ein Herzensprojekt, das mich schon lange begleitet. Den ersten Prototypen habe ich vor 10 Jahre im Studium gebaut und bis heute sind die Reaktionen darauf immer wieder schön, weil es ein Stuhl mit viel Humor ist, den einfach jeder versteht, egal wer er ist oder wo er herkommt.

See Saw Schaukelstuehl ein Designstueck fuer klein und gross

Im letzten Jahr haben wir über drei Tage einen Workshops in der Stadt geleitet und mit designfremden Leuten aus alten Stühlen Stuhl-Schaukeln gebaut, die dann im Rahmen des Stadtgeburtstages für 3 Monate zur freien Benutzung im Schlosspark in Karlsruhe hingen. Dabei zu sehen wie die Teilnehmer gemeinschaftlich mit viel Tatendrang Freude daran haben eine Bohrmaschine oder Säge zu bedienen, was sie sich vorher nie zugetraut haben und dann daraus etwas entsteht, an dessen Benutzung ganz viele andere Menschen einen Sommer lang Freude haben – war eine super Erfahrung.

Kinder Stuhl Schaukeln in verschiedenen Farben haengend in Karlsruhe

Ein Kind schaukelt auf der gelben Kinder Stuhl Schaukel

5.) Was macht den Kreativbereich Deutschland für dich aus?

Wenn ich mir den Kreativbereich Karlsruhe im Kleinen anschaue, dann freut es mich sehr, dass mittlerweile viele Kreative in der Stadt bleiben und hier was auf die Beine stellen und nicht hinaus in die große weite Welt ziehen um das dort zu tun. Dadurch ergibt sich vor Ort ein wertvolles, sehr persönliches Netzwerk, in dem man sich gegenseitig unterstützt und gemeinsam wachsen kann. Deutschlandweit gesehen, kommt es mir so vor, als wäre es ähnlich. Die Designer lassen sich nicht mehr nur in den großen Städten nieder, sondern setzen auch fernab der Großstadt mit viel Engagement ihre Ideen um. Die Möglichkeiten diese dann einem breiteren Publikum zu präsentieren sind dank der vielen Pop-Up-Shops und Online-Plattformen gegeben. So gibt es ein bisschen Kreativität über das ganze Land verteilt. Auf den vielen Messen und Designmärkten trifft man sich dann immer wieder und tauscht sich aus und kommt mit frischem Wind zurück nach Hause um dort weiter machen.

 

Ich nominiere Maren Schmitz und Lüder Springhorn von Müllernkontor.  Maren und Lüder haben wir auf einer unserer ersten Messen kennengelernt und ins Herz geschlossen. Die beiden leben und arbeiten auf einer historischen Hofanlage in der Lüneburger Heide, entwickeln dort liebevolle Produkte und haben 2014 in einem ehemaligen Stallgebäude ihren Showroom eröffnet und sollten Euch mehr über ihr Design aus Müden an der Örtze erzählen. Außerdem Laura Jungmann und Cornelius Réer von SAMESAME. Samesame macht aus einer Ikone des Massenkonsums, der Brunnenflasche, ein hochwertiges Einzelstück. Die Produkte sind eine außergewöhnlich ästhetische Kombination aus traditionellem Handwerk und Design aus Karlsruhe.

© Fotos: FamilyTreeShop


Getreu dem Motto „Zeigt her eure Arbeit“ zeigt die Initiative „Deutschland, deine Kreativen“ Vertreter aus der Kultur- und Kreativbranche. Dafür hat Newniq ursprünglich 5 Kreativschaffende aus unterschiedlichen Bereichen nominiert und gebeten, 5 Fragen zu beantworten und wiederum jeweils 2 neue Kreative zu nominieren, die das Spiel weiterführen. Im Schneeballsystem geht es immer weiter, bis sich die Deutschlandkarte nach und nach mit interessanten Persönlichkeiten aus der Kultur- und Kreativwirtschaft füllt – quasi „der digitale Hermannkuchen der Kreativbranche“.
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