1.) Wer bist du und was machst du, wo?

Tätig bin ich als Berater, Projektmanager und Moderator — konkreter: als technischer Direktor und Verantwortlicher für die Nachhaltigkeitskriterien der Modemessen Greenshowroom und Ethical Fashion Show Berlin, als Berater u.a. für Consulting Service International und in unterschiedlichen Rollen z.B. beim Wear It Berlin, im Verein future fashion forward, der u.a. den Fashion Revolution Day in Deutschland koordiniert oder auch in der Ethical Style Jury der Ambiente und Tendence Messen.
Beruflich und auch darüber hinaus interessieren mich dabei vor allem Fragen wie —im Dialog mit den Interessengruppen— Nachhaltigkeit von Unternehmen, Produkten und ihren Lieferketten beurteilt, kritisiert und kommuniziert werden sollte… Zudem habe ich in den letzten Jahren gemerkt, dass mir das vernetzen von spannenden Menschen und Themen viel Spass macht und ‚networking’ auch schleimfrei stattfinden kann. Der rote Faden der sich durch meine Projekte schlängelt ist —neben dem generellen Interesse für eine ‚nachhaltigere Entwicklung’— meine Passion für Design, Textil und Mode sowie für Globali-sierung, Handel und Dialog zwischen differenten Interessen- und kulturellen Gruppen.
Mein nebenberufliches Hobby ist seit geraumer Zeit der Aufbau einer, auf heutigem Handwerk, durchdachtem Design und cooler Qualität basierenden, Rucksackmarke. Diese Unternehmung hat u.a. den Anspruch —eines Tages wirklich gleichwertig— transkulturell zu arbeiten. Denn den Rucksack und die Marke baue ich natürlich nicht alleine, sondern mit ein paar Freunden und Kooperationspartnern, die ich seit 2011 in Berlin und Dhaka kennengelernt habe und derer ich hoffentlich noch Weitere kennenlernen werde.. damit wir irgendwann in diesem Jahr wirklich kaufbar werden.

„Durch mein Patchworkelternhaus wurde mir ein gewisses diplomatisches Talent faktisch in die Wiege gelegt.“

 

2.) Wie bist du dazu gekommen?

Für meine Beratungs- und Dialogaffinität habe ich mich bei meinem Patchwork-elternhaus zu bedanken. Dort wurde —wohl wegen der auf Rationalität getrimmten Kommunikation— mein Da(bei)sein bereichert anstatt durch die Scheidung meiner leiblichen Eltern verstört. Und so wurde mir auch ein gewisses diplomatische Talent faktisch mit in die Wiege gelegt. Darüber hinaus könnten heutzutage wohl viele unserer damaligen Gesprächsthemen unter dem ‚Label’ Nachhaltigkeit subsumiert werden.
Nach Schule, Austausch, Langeweile, noch mehr Schule und einer großartigen Zeit des Organisierens von Tanz- und Ausstellungsveranstaltungen während ich parallel diverse Studienrichtungen antestete, landete ich im Modestudium in England. Dort war meine Umwelt etwas oberflächlich, so dass ich mich über meine Vernarrtheit in Details und für Materialien in die Recherche der Lieferketten begab und auf immer mehr Zustände stieß, die untragbar erscheinen.

Der mobile Arbeitsplatz von Max Gilgenmann kann ueberall aufgebaut werden

Dann ergab sich die Möglichkeit einer sehr fruchtbaren Flucht für erst ein, dann zwei Semester nach Hong Kong. Dort machte ich am Ende —eher zufällig— ein kurzweiliges Praktikum das die Weichen in Richtung meines Beraterdaseins führte und das inhaltlich bis heute nachwirkt.
Im Rückblick lief bei mir immer alles über inhaltliches Interesse, eine Portion Perfektionismus und sichtliche Sympathien. Natürlich hat es auch nicht geschadet, dass ich immer bereit war viel und relativ ordentlich zu Arbeiten solange mich die Inhalte interessierten… und so was wie das Glück dessen, der Gelegenheiten intuitiv wahrnimmt hat auch nicht geschadet.


3.) Vervollständige die Sätze:

a. Wäre ich nicht Kreative/r, dann wäre ich: weniger ich.

b. Weil: Kreativität kann und sollte aus meiner Sicht überall eine relevante Rolle (mit)spielen.

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4.) Was war dein bisher schönstes, spannendstes oder ungewöhnlichstes Projekt und wieso?

Der Aufbau der Rucksackmarke. Dort stecke ich alle meine Ideen und Überzeugungen rein, die in anderen Projekten keinen Platz finden und kann sie ausprobieren. Dementsprechend ist diese Unternehmung sehr erfühlend. Sie begleitet mich nun drei bis vier Jahre und neben meiner Freude frei Konzepieren zu können haben vor allem die vielen Aufenthalte in Dhaka nochmals meine Wahrnehmung von Normalitäten und Selbstverständlichkeiten neu verzwirbelt. Die Zeit dort ist stets sensationell energetisierend und echt schlauchend zugleich.

Fuer das OOT BOX Projekt war Max oft in Dhaka

5.) Was macht den Kreativbereich Deutschland für dich aus?

a) Die Schwierigkeit, Kreativität und Deutschland in einen sinnvollen Zusammenhang zu bringen… wir haben —wenn auch teils arg bürokratisch, so doch angenehm korruptionsfrei— funktionierende Infrastrukturen. Die liegen aber brach oder sind durch Industrielogiken auf konservative Zielsetzungen getrimmt. Generell empfinde ich Deutschland daher eher als Entwicklungsland was den Kreativbereich angeht. Deutsche Kreativinstitutionen sollten sich mehr entspannen und Ergebnisse abseits des Konsenses fördern.

 

Ich nominiere Thomas Gnahm — art director & festival founder — aus meiner Sicht: „ein fabelbehaftetes Beispiel für einen kreativen Kopf, der im naiven Größenwahn passionierten über den Berliner Tellerrand hinaus zu wirken versucht und dem dies gar gelingt“
Cecilia Palmer — designer & developer — aus meiner Sicht: „Eine moderne Abenteurerin, die sich autodidaktisch durch die verwobenen Welten des digitalen Kodierens mit 0101101en sowie des traditionellen Handwerkens mit Hand & Fuss manövriert“

 

© Fotos: Arbeitsplatz und Szene aus Lieblingsprojekt: Max Gilgenmann // Portrait: Janine Kühn


Getreu dem Motto „Zeigt her eure Arbeit“ zeigt die Initiative „Deutschland, deine Kreativen“ Vertreter aus der Kultur- und Kreativbranche. Dafür hat Newniq ursprünglich 5 Kreativschaffende aus unterschiedlichen Bereichen nominiert und gebeten, 5 Fragen zu beantworten und wiederum jeweils 2 neue Kreative zu nominieren, die das Spiel weiterführen. Im Schneeballsystem geht es immer weiter, bis sich die Deutschlandkarte nach und nach mit interessanten Persönlichkeiten aus der Kultur- und Kreativwirtschaft füllt – quasi „der digitale Hermannkuchen der Kreativbranche“.
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