1.) Wer bist du und was machst du wo?

Mein Name ist Nick Morrison und ich lebe jetzt seit 2012 in Berlin. Vor allem bin ich Gitarrist, aber auch Komponist, Sänger, Multiinstrumentalist und Lehrer. Beruflich spiele ich verschiedene Musikstile, aber meine Schwerpunkte sind afrikanische Musik und Blues.

„Das erste Mal Jazz zu hören, hat mein Leben verändert und mich auf eine lange Reise geschickt.“

 

2.) Wie bist du dazu gekommen?

Mit acht Jahren begann ich Klavier zu spielen- damals lebte ich in Paris. Zehn Jahre später ging ich in den USA aufs College, schrieb dort einige Quartette für Streicher und spielte in Rockbands… bis ich zum ersten Mal Jazz, in der Velvet Lounge in Chicago hörte. Dieses Erlebnis hat mein Leben verändert und mich auf eine lange Reise geschickt. Ich wollte herauszufinden, was das besondere an afroamerikanischer Musik war. Ich hatte großartige Lehrer, die Musiker in Chicago und die Musiker am New England Conservatory in Boston. Irgendwann begann ich nach den Ursprüngen des Afrikanischen in der amerikanischen Musik zu suchen und das führte mich dann nach Westafrika, zu der Musik der Länder Mali, Senegal und Guinea. Dann wurde mir klar, dass ich den Vorteil hatte, mit Musikern dieses Teils der Erde einfach kommunizieren zu können, da ich Französisch sprach. Ein weiterer Vorteil war, dass ich eine Menge über diese Musik über das Internet lernen konnte. Ich bin sehr froh und dankbar im Hier und Jetzt zu leben wegen all der Möglichkeiten die es mit sich bringt.

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3.) Vervollständige die Sätze:

a. Wäre ich nicht Kreative/r, dann wäre ich: Ich vermute ich hätte andere Wege gefunden, Leuten zu helfen… Vielleicht als Sozialarbeiter oder Lehrer.

b. Weil: Neben der sinnlichen Erfahrung ist mir das soziale und spirituelle Ausmaß der Musik am wichtigsten. Das Musikspielen verbindet mich mit den Leuten, mit denen ich spiele und mit denen die zuhören. Es kann sogar einen heilende Wirkung haben oder so etwas wie eine religiöse Erfahrung. Wenn das Leben mich nicht zur Musik gebracht hätte, dann hätte ich diese Erfahrung wohl woanders gesucht.

 

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4.) Was war dein bisher schönstes, spannendstes oder ungewöhnlichstes Projekt und wieso?

Nachdem ich nach Berlin gezogen war und dort senegalesische Musiker kennengelernt habe, hatte ich schließlich die Gelegenheit für zwei Monate nach Westafrika zu reisen. Als ich wieder zurückkam vermisste ich sofort das Gefühl jeden Tag Musik zu spielen und zwar nicht alleine in meinem Proberaum, sondern mit anderen Leuten. Im Senegal habe ich mir ein Instrument namens Bongo gebaut (die westafrikanische Version der Mbira), das nur sechs Noten hat und in das sich meine damals zukünftige Ehefrau sofort verguckte und anfing es zu lernen und spielen… und dann anfing Bass zu spielen und dann Gitarre. Jetzt haben wir gemeinsam eine Band mit noch zwei anderen Musikern, die sich Pallet of Leaves nennt. Es ist total spannend unsere Art von Weltmusik gemeinsam zu entwickeln, mehrere Stunden in der Woche zu üben während man noch die Kinder großzieht und nebenbei nochall die anderen Dinge tut um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Es ist eine ausgezeichnete Lösung für das Problem der Balance zwischen Familie und Arbeit.

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5.) Was macht den Kreativbereich Deutschland für dich aus?

In Deutschland bin ich Einwanderer: es gab einiges in den USA, von dem ich versucht habe wegzukommen. Viele Künstler und Kreative lassen sich von Reisen inspirieren und dann bleiben einfach einige im Ausland und arbeiten und leben im „Exil“, das seine eigene besondere Perspektiven und seine kreativen Vorzüge mit sich bringt. Das hätte mir vielleicht überall so gehen können, aber Deutschland, und vor allem Berlin, hat noch diese Offenheit, die es zu etwas Besonderen macht und deshalb weiterhin Leute wie ich hierherkommen werden.

Ich nominiere Roland Satterwhite, Geiger, Sänger, Komponist, Multi-Instrumentalist, dessen musikalische Virtuosität und Kreativität es ihm ermöglicht, die Grenzen der vielen Silistiken der Musik zu überschreiten, die er spielt. Als zweites Charlotte Birkenhauer, deren Integrität und Fähigkeit zum tiefen Hören sie zu einer außergewöhnlichen Improvisatorin und wesentlichem Mitglied mehrerer Berlin Bands macht. 

© Head Shot Photo: Jess Kamens // Pallet of Leaves Photo: Dovile Sermokas


Getreu dem Motto „Zeigt her eure Arbeit“ zeigt die Initiative „Deutschland, deine Kreativen“ Vertreter aus der Kultur- und Kreativbranche. Dafür hat Newniq ursprünglich 5 Kreativschaffende aus unterschiedlichen Bereichen nominiert und gebeten, 5 Fragen zu beantworten und wiederum jeweils 2 neue Kreative zu nominieren, die das Spiel weiterführen. Im Schneeballsystem geht es immer weiter, bis sich die Deutschlandkarte nach und nach mit interessanten Persönlichkeiten aus der Kultur- und Kreativwirtschaft füllt – quasi „der digitale Hermannkuchen der Kreativbranche“.
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