Wenn man in Berlin als Kreative/r arbeitet, bekommt man eigentlich immer wieder die gleichen Fragen gestellt: „Gehst du nicht unter bei den vielen Kreativen?“ „Hier gibt es doch nur kreative Menschen, wie machst du das eigentlich in diesem Dschungel?“ Und nachdem man immer so viele Fragen gestellt bekommt, fragt man sich irgendwann ganz automatisch: Ja, wie mache ich das eigentlich? Wie schaffe ich es, mich zwischen all den Kreativen und Designern in Berlin durchzusetzen und welche Portale, Connections oder sonstige Dinge gebrauche ich dafür? Deswegen gebe ich euch heute einen kleinen Einblick in Julias Kreativbranche und habe mich einmal mit all den tausend Möglichkeiten befasst, wie man am besten startet.
Vorweg: Ein Patentrezept gibt es nicht!, denn so vielfältig die Designer sind, desto vielfältiger sind auch die Angebote. Da gibt es Portale wie dasauge, die mal als Jobbörse starteten und mittlerweile die Möglichkeit bieten, sich ganze Profile hochzuladen, dann das klassische Xing (wobei ich mich hier immer sehr darüber belustige, wie jeder noch so hippe Designer auf einmal im Anzug abgelichtet wird und sehr seriös tut). Dann wären da noch Designerdock als Vermittler oder 99designs, bei denen man an Designwettbewerben jeglicher Art mitmachen kann. War mir bisher eher unbekannt, aber die Wettbewerbe sehen recht gut aus. Und das nur als kleine Auswahl auf dem großen Markt.

Ich uebernahm die Art Direction fuer das Buch Berlin Fashion von Julia Stelzner Berliner Illustrationen fuer das Metropol Paper

Um ehrlich zu sein verbringe ich nicht mehr wirklich viel Zeit damit, mich überall zu bewerben, denn das gute an einem Netzwerk ist, dass man wirklich davon profitieren kann, wenn man gute Arbeit bietet. Ich denke aber, dass es gerade für den Anfang auch gut ist, sich auszuprobieren und zu schauen welcher Kanal für mich der beste ist. Bei mir war es tatsächlich unter anderem Mund zu Mund Empfehlungen, gekoppelt mit dem Anspruch, dass nicht jeder Job der Job des Lebens sein muss. Man mag es nicht glauben, aber ich entspanne sehr gut bei der stumpfen Bildersuche und fühle mich nicht sofort in meiner Designerehre gekränkt.

Ich habe noch nie wochenlang darüber gegrübelt, welche Designerin ich sein will, ob ich Jobs hätte lassen sollen (und da waren manchmal echt harte Nüsse dabei, holla die Waldfee) oder mich jetzt noch ärgere, dass ich Jobs nicht bekommen habe. Klar, Berlin ist unglaublich kreativ und man ist manchmal erschlagen von so viel Kraft an Bildern, Konzepten und Projekten, aber es ist eben auch immer so, dass der Nachbar den Rasen grüner hat und warum soll ich mich um einen grünen Rasen ärgern, wenn es doch so viele andere Farben auf der Welt gibt?

Illustrationen fuer NewniqMein Arbeitseinstieg lief eigentlich sehr unspektakulär, ich habe Kommunikationsdesign studiert, danach in einem kleinen Designbüro gearbeitet und bin dann erstmal nach Australien gegangen. Gearbeitet habe ich da auch, aber eher als Putzkraft, Milchmann und Spendeneinsammlerin (im Nachhinein glaube ich, dass ich für eine sehr korrupte Firma Gelder eingesammelt habe, sorry Karma!) Dann kam ich wieder und dachte, dass „Wiesbaden gar nicht mehr geht“ und bin nach Berlin.

Man glaubt aber nicht, was einem als „Neuling“ so alles angeboten wird.

 

Ich wollte mich eigentlich nicht selbstständig machen, bin aber dank einer sehr tollen Jobcenter-Vermittlerin (ja, soll es geben) mit Gründergeld gelockt worden und nach einem 1,5 seitigen Businessplan, der in 40 Minuten geschrieben war, war ich plötzlich einer diese Freelancer. Da stand ich nun in diesem großen, kreativen Berlin, wo irgendwie jeder was Verrücktes macht. Ich habe mich dann bei einigen Agenturen beworben und nd dann ging alles Schlag auf Schlag. Es kamen mehr Jobs, das Netzwerk wurde größer und ich wurde ganz gut gebucht. Meine Arbeiten wurden mit der Zeit immer illustrativer und ich in meinem Stil immer sicherer. Läuft.

Man glaubt aber nicht, was einem als „Neuling“ so alles angeboten wird. Unterirdische Tagessätze, unbezahlte Nächte und Optionierungen, die einen Tag vorher ohne Ausfallhonorar abgesagt werden. Ich habe das Spiel aber tatsächlich nie mitgespielt: Ich habe meinen Tagessatz durchgeboxt, habe übermässige Überstunden und Ausfälle in Rechnung gestellt und gemerkt, dass es auch geht. In der Zeit konnte ich auch mal mit gutem Gewissen eine Anfrage ablehnen, bei der ich erst einmal 1 Woche für 150 € Probe arbeiten sollte, damit „man schauen kann, ob man wirklich zusammen passt“. Ähhhh, ich muss weg.

Collage von Marie Emmermann
Auftragsarbeit von Skizzomat

Aber manchmal, wenn dann das Sommer-Winter-Zwischendurch-dich will keiner mehr haben-Loch sich andeutete, wurde auch ich mal panisch. Dann habe ich immer mögliche Kanäle gegooglet und sobald ich mich in ein neues Portal eingearbeitet habe, kam immer wieder ein Neukunde um die Ecke. Ja, und dann kam sowieso Newniq dazu und mein Arbeitsleben wurde ganz und gar positiv auf den Kopf gestellt: Neue Herausforderungen, auf einmal Gründerin mit eigenem Shop. Auf einmal bin ich wieder Designerin mit ganz neuen Aufgaben, was mir wieder zeigt, dass das ganze „sich definieren“ sowieso von der einen auf die andere Sekunde wieder ganz anders sein kann. So wirklich definiert habe ich mich nämlich nie, es war mir auch nie so wichtig, wie ich mich als Designer positioniere. Ich denke, dass man gutes Design schafft, wenn man sich natürlich mit den Dingen auseinandersetzt und sich nicht in eine Schublade stecken lässt, auch wenn ich mich immer wieder gerne als „Printtante“ betitle. Randnotiz für unsere jüngeren Leser: Printtanten sind Designerinnen, die auf echtes Papier mit echter Farbe drucken, ganz ohne Pixelwischen. Klingt verrückt, ist aber so.

„Es gibt viel Gutes, aber auch echt viel Scheiße!“

 

Parallel kam dann die Illustratorenvertretung Eggergrey auf mich zu und plötzlich war ich auch offiziell Illustratorin, ohne es zu wissen. Aber nach 1 Jahr legte ich dann auch meinen oft gesagten Satz „Naja, ich mache schon Illus, aber so eine richtige Illustratorin bin ich nicht!“ ab.

Als ich heute morgen meiner Büronachbarin Marie aka Skizzomat von dem Blogpost so erzählte, stellten wir fest, dass sie eigentlich einen ganz ähnlichen Weg gegangen ist: „Irgendwie war ich auf einmal drin. Ich hatte mit einer Freundin einen Blog, auf dem wir jeden Tag ein Bild hochgestellt haben. Daraus entstand der erste Job für die Neon und dann ging es weiter. Als Illustratorin habe ich mich auch erst gesehen, als meine Freunde mich daran erinnerten, dass ich jahrelang genau von dieser Tätigkeit lebe.“ Ich habe sie dann auch gefragt, ob ihr denn die Szene manchmal Angst macht, weil es so viele gute Leute gibt. Maries einfache Antwort: „Es gibt viel Gutes, aber auch echt viel Scheiße!“

Freie Illustration von der Berliner Illustratorin marie Emmermann
Collage von Skizzomat

Und damit hat sie es auf den Punkt gebracht: Jeder macht es eben anders, viele sind mit wenig Aufwand unverschämt talentiert, manche müssen im stillen Kämmerlein 50 mal eine Fraktur nachzeichnen, um die Schrift zu verstehen, aber Jeder ist eben individuell und wenn man genau diese Stärke selbst raus kitzelt, dann ist irgendwann nicht mehr Jeder um einen rum kreativ, sondern es gibt auch sehr viele „die gerade wieder so ein Projekt machen und dabei Kaffee im St. Oberholz schlürfen!“

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2 Comments

  1. Gott, wie sher hoffe ich,d ass das mit dem „einfach so drin“ mal klappt..
    Als Innenarchitektin ist es echt hart. Da mach tman erst mal jahrelang unbezahlte Praktika in tausend büros. *ächz*
    Oder man macht halt was anderes. Da fängt man an zu zeichnen oder so (obwohl man das nie so richtig gelernt hat) oder schreibt einen blog (hmmm ) mal sehen, was noch so wird.
    mir fehlen die unterschiedlichen Räume jedenfalls.. die Fragen: Wie kann ich das denn besser machen? hast du da eine einfache Lösung.. ja die fehlen mir auch. Aber naja Mal sehen wada vielleicht noch kommt

    viele liebe Grüße

    Franzy

    • Julia Reply

      Hallo Franzy, ein Patentrezept gibt es da leider nicht und ich glaube es gehört einfach auch eine Menge Glück dazu. Irgendwie paste es bisher immer. Ich weiß, dass es schwer ist, aber bei mir gab es damals die ganzen Trainee-Stellen und tausende unbezahlte Praktika nicht bzw. habe ich mich aus Prinzip nie auf solche Stellen beworben. Generell ist es ja auch gar nicht so schlecht mehrgleisig zu fahren, solange es dich glücklich macht und der Vorteil dran: Du kannst ein super Netzwerk aufbauen aus dem du schöpfen kannst! Dir weiterhin alles Gute!

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