An vielen Strassenecken in Berlin begegnet einem derzeit der ausdrucksstarke Blick einer Frau, die das Plakat der Atman Fotoausstellung schmückt. Vor kurzem dann flatterte die dazugehörige Einladung ins Office und wir haben schnell zugesagt. Ok, Fotoausstellung gehört jetzt nicht zu meinen persönlichen und regelmässigen „must sees“ aber was soll’s dachte ich mir, irgendwie hatte das Bild was Besonderes und die Neugierde war schnell geweckt.

Erste Einstimmung auf die Fotoausstellung, schnell weg?

Die Location hat dann natürlich noch das Übrige dazu beigetragen und schwupps standen wir auch schon vor dem Eingang der schönen Malzfabrik in Schöneberg. Was ich nicht wusste – was mich da eigentlich wirklich erwartet. Denn eine normale Ausstellung definitiv nicht. Klar wurde mir das, als wir mit unserer kleinen Gruppen bestehend aus circa 15 Personen vor den eigentlichen Eingangstüren der Ausstellung standen.

Es roch irgendwie nach Weihrauch und wir wurden darum gebeten das Handy auszuschalten (ja, Handy aus – OMG) und während der Führung nicht zu sprechen, geschweige denn zu flüstern. Anschliessend wurden wir darauf aufmerksam gemacht, dass die Räume komplett abgedunkelt seien und wir immer in der Gruppe bleiben und nicht „vom Weg abkommen“ mögen. Untermalt wurde die Reglement Einführung unseres Guides mit einem dumpfen „ohhhmmmm“ Gesang, der da irgendwie durch die Räume klang.

Ok, Stop mal kurz! In dem Moment habe ich mir nämlich geschworen, das nächste Mal (mehr) Zeit zu investieren und mich vorab ein wenig (besser) darüber zu informieren, was auf mich zukommt. Zu dem Zeitpunkt hatte ich allerdings nur noch zwei Möglichkeiten: Möglichkeit eins: Rückzug – Handy an – raus ans Tageslicht und weitermachen. Möglichkeit zwei: Drauf einlassen – mitmachen – überraschen lassen. Ich habe mich für Letzteres entschieden. Und um ehrlich zu sein konnte ich schon nachdem ich Raum eins betreten habe sagen: Zum Glück!

Die Führung durch Atman’s Ausstelllung

Julia und ich haben in der knappen Stunde ganz unterschiedliche Eindrücke mitgenommen. Genau aus diesem Grund haben wir uns auch entschieden, beide ein bisschen zu erzählen, wie es uns ergangen ist. Bei mir war es etwas anders als bei Julia (siehe weiter unten). Die Führung bestand aus verschiedenen Foto-Stationen: Wir wurden durch die Räume geführt und am Ende jedes dunklen Raumes stand es da: Ein riesiges, von hinten beleuchtetes Foto eines Menschen bzw. Gesichtes, geschossen von dem Internetpionier und Unternehmer Bernd Kolb. Ganz genau, kein Fotograf und das betonte Bernd auch in unserem anschliessenden Gespräch nochmal.

Die Idee hinter seiner Fotoausstellung ist die, dass man circa drei Minuten vor jedem Bild stehen bleibt. Nach eineinhalb Minuten habe man dann alles „gescannt“ und der Atman Effekt setze ein. Atman, so verrät uns Google, ist „ein Begriff aus der indischen Philosophie. Er bezeichnet das individuelle Selbst, die unzerstörbare, ewige Essenz des Geistes und wird häufig als Seele übersetzt.“ So weit – so gut.

Mein Fazit, must see und nochmal bitte!

Ich gehörte eher zu den Teilnehmern, die nach diesen eineinhalb Minuten etwas zappelig wurden. In meinem Kopf ging es anschliessend um alles, ausser um Atman. Die Bilder waren beeindruckend, die Installation einmalig. Ein wirkliches Erlebnis! Allerdings muss man sich darauf einstellen, einfach mal abschalten und die Online Welt Online Welt sein lassen und lernen, nicht nachzudenken. Ich glaube ich werde einen zweiten Anlauf starten, denn Übung macht ja bekanntlich den Meister!

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Julia’s Fazit, einmal drauf eingelassen

Julia hat währenddessen folgende Erfahrung gemacht: „Das mit dem Handy ausschalten war für mich als Babymama natürlich erstmal ne Überwindung, aber um ehrlich zu sein war ich schon im ersten Raum mittendrin. Auch ich habe mich vorweg kaum informiert und denke, dass dies die beste Voraussetzung war.

Ich konnte erstaunlich leicht abschalten und mich auf die Situation einlassen. Ich hatte das Gefühl, dass ich nach dem ersten „abscannen“ der Person tatsächlich ein wenig hinter „die Fassade“ blicken konnte. Ich hatte teilweise sogar das Gefühl, dass die Person irgendwie mit mir spricht. Hört sich jetzt natürlich völligst bekloppt an, aber ich habe es irgendwie so empfunden, vielleicht war das ja die Atman-Erfahrung? Ich habe mir vorgestellt, wie die Person meine Seele sieht und irgendwie war der Moment so rein. Ohne schlechte Nachrichten, ohne Ärger, Stress und den Alltagsproblemen.

Ich bin nicht wirklich ein spiritueller Mensch, habe in diversen Yogasessions schon heulende Lachkrämpfe bekommen (merkwürdigerweise immer mit Judith), aber irgendwie habe ich auch das Gefühl, dass mir ein wenig mehr Spiritualität im Leben auch gut tun würde. Das Gespräch mit Bernd im Anschluss an die Ausstellung fand ich wahnsinnig interessant und ich muss sagen, dass ich noch des Öfteren in den letzten Tagen an die Ausstellung gedacht habe. Fand ich es am Anfang noch etwas fragwürdig, dass man „gezwungen“ wird, drei Minuten vor dem Bild zu bleiben, denke ich im Nachhinein, dass es genauso sein musste.“

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Lieber Bernd – vielen Dank für die Zeit im Anschluss an die Ausstellung und das inspirierende Gespräch! Die Ausstellung könnt ihr übrigens noch bis September besuchen. Mehr Infos dazu findet ihr hier.

© Fotos: Bernd Kolb / Grit Siwonia

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