Die liebe Anne, deren Haus wir Euch vor einiger Zeit mal in dieser Homestory vorgestellt haben, hat sich einem neuen Projekt gewidmet, dem Coworking Leipzig. Genau genommen hat sie zusammen mit ihrem Geschäftspartner Jan einen leerstehenden Laden in Leipzig Leben eingehaucht, umgebaut und gestaltet und gibt somit zahlreichen Freelancern mit dem Coworking Space namens Ohja einen besonderen Ort zum Arbeiten.

Liebe Anne, lieber Jan, wir kennen dich, Anne, zwar schon aus unserer letzten Homestory, aber stell dich doch trotzdem nochmal kurz vor und natürlich das Team behind Ohja.

Anne: Stimmt, diese Frage hab ich euch schon mal beantwortet – allerdings habe ich damals gesagt, dass ich als Grafikdesignerin leider viel zu selten im dreidimensionalen Bereich arbeite. Das habe ich zum Glück inzwischen geändert. Vor etwa einem Jahr habe ich zusammen mit meinem guten Freund Jan Schulz-Hofen die Ohja GmbH gegründet, die gleichermaßen Designagentur und Coworking Space ist.

Jan: Hallo :)

bunte Kuechenzeile mit bunt angespruehten Fliesen als DIY und Verner Panton Haengeleuchte in gelb inspiration fuer die Kueche
die Geschaeftsfuehrer des ohja in Leipzig Anne und Jan

Anne: Mit Ohja realisieren wir jetzt immer häufiger Projekte, bei denen es über klassische Corporate Design Themen wie Logo-Entwicklung, Visitenkarten und Webseiten hinaus ins Räumliche geht. Viele Unternehmen wollen ihre Identität auch im Raum spüren. Sei es weil sie ein Ladengeschäft haben oder eine kleine oder große Bürofläche gestalten wollen.

Im Homeoffice hatte ich da nie die Möglichkeit in den Feierabend zu gleiten sondern musste immer per Fingerschnipp umschalten.

Wie ist die Idee entstanden, einen Coworking Space in Leipzig zu eröffnen?

Anne: Ich arbeite schon über zehn Jahre im Homeoffice – bin damit eigentlich immer gut klar gekommen. Konzentration auf meine Projekte war eigentlich nie problematisch – wohl aber das Abschalten nach einem langen Tag. Ich habe vier Kinder, die meinen Feierabend täglich sehr punktgenau bestimmen. Im Homeoffice hatte ich da nie die Möglichkeit in den Feierabend zu gleiten sondern musste immer per Fingerschnipp umschalten. Der Arbeitsweg von Arbeitszimmer zur Küche war einfach zu kurz.

Gemuetliche Sitzecke mit Holzbank und Hockern und offenem Holzregal in rot im Coworking Leipzig
Coworking Leipzig mit Tischen mit Blick nach draussen auf die Strasse
Teamraum im Coworking Space ohja Leipzig
bunte Fliesen in der roten Kueche

Deshalb habe ich mich irgendwann nach Coworking Spaces in Leipzig umgesehen. Tatsächlich war es aber gar nicht so einfach einen Ort zu finden, mit dem ich mich identifizieren konnte, der mich inspirierte und gleichzeitig Fokus auf meine Arbeit ermöglichte. Und deshalb der logische Schluss: „Dann muss ich das eben selbst machen.“

Da kam Jan ins Spiel, der seit über 10 Jahren LAUNCH/CO, einen Coworking Space in Berlin Friedrichshain, betreibt und dadurch schon viele Erfahrungen sammeln konnte.

Jan: Ich fand die Idee gleich super, weil ich mit meinem Space damals am gleichen Punkt war wie Anne jetzt. Ich habe immer Coworking und meine eigentliche Agentur-Arbeit verbunden. LAUNCH/CO hatte wie Ohja zu Beginn auch nicht so viele Mitarbeiter, es ist aber trotzdem viel schöner mit netten, interessanten Leuten zusammen zu arbeiten, als alleine in seinem stillen Kämmerlein. Von unschätzbarem Wert ist auch das Feedback und die Denkanstöße, die man bekommt, wenn man mit anderen Leuten – egal ob fachfremd oder aus dem gleichen Fachbereich – über seine Projekte spricht.

Arbeiten als Freelancer im Coworking Space Leipzig Ohja
Telefonzelle mit Hochtisch und Vitra Hochstuehlen bunter Flamingo Tapete und Samtforhang
Begutachten der neuen Marmorplatte fuer den Konferenzraum

Wie seid Ihr an die Location gekommen?

Jan: Oh, da hat Anne ein Händchen für :) Die Location im Leipziger Westen ist wirklich großartig: Tolle Lage mitten in Lindenau mit viel Schaufensterfläche und Sichtbarkeit.

Anne: Das Haus wurde komplett kernsaniert und die Immobilie sah zwischenzeitlich ziemlich roh aus. Mit einer guten Portion Beharrlichkeit, Zuversicht und auch Glück haben wir zum richtigen Zeitpunkt den Eigentümer herausgefunden und angesprochen.

Erzählt uns doch was zur Inneneinrichtung. Welchem Konzept seid Ihr gefolgt?

Anne: Zum Glück kamen wir recht früh – sozusagen im Rohbauzustand – mit dem Eigentümer ins Gespräch. Er fand unsere Idee, einen Coworking Space zu eröffnen, super und hat sich bereit erklärt einige Änderungen am Grundriss vorzunehmen. Die Einrichtung ist mit vielen Einbaumöbeln eng mit dem Grundriss verwachsen. Wir haben große Regale bauen lassen die den Raum gliedern und jedem Coworker eine Art Kojen-Arbeitsplatz ermöglicht.

Bei der Einrichtung von Ohja hat sich auch ganz deutlich gezeigt, dass gutes Design sich eben nicht nur auf der optischen Ebene abspielt. Die Oberflächen und Materialien sind bis ins letzte Detail aufeinander abgestimmt und folgen dem Konzept unserer Corporate Identity. Sie sind aber auch so gewählt, dass sie strapazierfähig sind. Jans Lieblingssatz dazu war: „Anne stell dir einfach vor, dass alle Coworker Kinder sind – die wollen ausprobieren, sich überall drauf setzen, malen, basteln kleben und Saft umschütten.“

Jan: Ja, Coworker wollen die Fläche einfach nur nutzen und man muss damit rechnen, dass die Räume nicht mit der gleichen Sorgsamkeit behandelt werden wie die eigenen vier Wände. Das ist einfach so und man muss das einplanen.

Wir haben aber auch noch eine ganze Reihe weiterer funktionaler Aspekte zu bedenken gehabt. Welche Kaffeemaschine kauft man? Siebträger machen guten Kaffee, aber wer kann die bedienen und wer reinigt die, wenn es kein festes Personal gibt? So haben wir uns dann für unsere wunderschöne – aber eben auch funktionale – Mokkamaster in Yellow Pepper entschieden.

bunte Lampen ueber den Tueren der Meetingraeume
Verner Panton Haengeleuchte in gelb
typografische Visitenkarten Ohja Leipzig

Oder auch: Will man wirklich alle zwei Wochen Mineralwasserflaschen aus kilometerweit entfernten Quellen bestellen, liefern lassen und die unansehnlichen Pfandkisten irgendwo herumstehen haben? Ökologisch ist das ja auch nicht. Nach etwas Recherche kamen wir zu der tollen Grohe Blue Armatur, aus der Coworker gefiltertes, kühles Leipziger Mineralwasser zapfen können.

Anne: Neben aller Vernunft haben wir natürlich auch Spaß an Interieur vermitteln wollen. Unsere Telefonzelle für „private Telefonate“ macht durchaus gute Laune. Die Bezeichnung der Toiletten wird über zwei unterschiedliche Wagenfeld-Lampen geklärt und das zaubert bei den meisten Coworkern auch ein Lächeln auf die Lippen.

Was war Euch bei der Gestaltung des Spaces absolut wichtig und worauf wolltet ihr unter keinen Umständen verzichten?

Anne: Die Bürostühle sind von Vitra – das war bei 17 Arbeitsplätzen natürlich eine Investition – aber wie wir von den Coworkern immer wieder hören eine lohnenswerte.

Worauf musstet Ihr verzichten, obwohl es geplant war?

Anne: Wir hätten gern einen richtig großen Besprechungsraum für 12 Leute gehabt. Dafür hätten wir aber anbauen müssen :-) Das hat die Grundfläche des Hauses einfach nicht hergegeben. Dafür ist unser Meetingraum im Gegenteil nun sehr gemütlich und ermöglicht konzentrierte Besprechungen für fünf Leute.

Arbeiten in der Telefonkabine im Coworking Space Leipzig
bunte fliesen und Kacheln diy spruehen fuer die Kueche
ohja Leipzig vor dem Umbau

Was waren die größten Hürden während des Umbaus?

Jan: Definitiv der Fußboden. Der ist nicht so schön geworden wie wir es gehofft hatten. Es hätte ein „geschliffener“ Estrich werden sollen. Das hat der Vermieter aber etwas anders verstanden und so ist der Estrich nur „gestrichen“ – nicht geschliffen. Außerdem ist er nicht so eben wie bei einem Neubau üblich ist, was wiederum den Aufbau der Einbaumöbel verkompliziert hat.

Was waren die größten Überraschungen während des Umbaus?

Anne: Also mich hat sehr überrascht wie wichtig ein Kontakt zu einem wirklich guten Möbelhändler ist. Anders als im Privaten ist es, in einer Bürofläche mit geplantem Eröffnungsdatum, super wichtig verbindliche Lieferzeiten zu haben. Außer den Tischlerarbeiten haben wir alle Möbel bei Smow bestellt. Mit ihnen haben wir viel diskutiert und Inspirationen ausgetauscht. Zum Schluss hat Smow pünktlich geliefert und alle Möbel super professionell, mit weißen Handschuhen, aufgebaut.

Designerlampe in rot im coworking space ohja in Leipzig
fiy Kueche Fliesen bespruehen
Fliesen Ausbau und Umbau Farbinspiration

Dein persönliches Einrichtungs-/Gestaltungs-/Möbel-Highlight im Ohja-Space??

Jan: Oh, wir haben uns wirklich intensiv mit jedem Raum und jedem Möbelstück auseinander gesetzt, daher will ich am liebsten alles sagen :)

Anne: Am spannendsten aus Raum-Nutzungs-Sicht ist vielleicht unser großer Teamraum, der bei Bedarf mit einer Schiebetür abtrennbar ist und eine eigene Eingangstür zur Straße sowie Schaufensterfläche hat. Im Normalfall bietet er einfach nur mehr Arbeitsplätze für unsere Coworker. Er kann aber auch monatsweise komplett gemietet werden und dann beispielsweise als Konzept-, Popup-Store oder Galeriefläche dienen.

Man kann also bei uns ohne großes Risiko einmal ausprobieren, wie es denn so wäre, einen Laden zu eröffnen. Dank der Schiebetür funktioniert das dann ohne, dass sich das mit dem Coworking-Betrieb in die Quere kommt.

Jan: Naja, und die wunderschönen Zementfliesen hinter unserer komplett roten Küchenzeile, die von Designtegels kommen und für die wir extra nach Holland zum Aussuchen gefahren sind :)

Eure drei Tipps, für alle, die auch was Eigenes starten wollen?

Jan: Gründe Deine Firma mit jemandem der etwas ganz anderes kann als Du selbst. Anne und ich sind uns zwar in der Art wie wir Aufgaben und Probleme angehen sehr ähnlich, aber haben ansonsten sehr unterschiedliche Kompetenzen. Wir haben viel voneinander gelernt.

Anne: Wenn Jan, ebenso wie ich, besonders an der Schönheit und Gliederung der Räume interessiert gewesen wäre, hätten wir heute in keinem Raum WLAN und wir würden über lange Kabel von Rechner zur nächsten Steckdose stolpern.

Jan: Ja, haha! Umgekehrt wäre es hier wohl optisch recht pragmatisch geworden, wenn ich ohne Anne hätte eröffnen wollen.

Kontakt

Ohja GmbH / Apostelstraße 24 / 04177 Leipzig, Germany / Tel: +49 341 392921-60

Liebe Anne, lieber Jan, vielen lieben Dank für diesen interessanten Einblick und Eure Zeit!


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