Viele kennen das SNUG.studio und die tollen Produkte, die wir hier und da auch schon vorgestellt haben. Zum Beispiel im Bericht über die schönsten Holzprodukte. Nun schließt das SNUG.studio leider seine (digitalen) Pforten und geht neue Wege. Wieso, weshalb und warum wollten wir natürlich wissen und haben Berit ausgequetscht.

Stell´dich doch kurz vor:

Ich bin Berit, Architektin und war acht Jahre lang selbständig mit dem Label SNUG.STUDIO. Mit meinem Mann Heiko, der Mitinhaber von SNUG.STUDIO war, und unserem Sohn Luk leben und arbeiten wir in Hannover.

Wir haben vor Weihnachten von dir die Nachricht erhalten, dass ihr das Label SNUG.STUDIO aufgebt. Wie kam es dazu?

Das haben uns viele gefragt, denn schließlich haben wir ein erfolgreiches kleines Unternehmen mit preisgekrönten Produkten aufgebaut. Die Entscheidung, den Handel mit SNUG.PRODUKTEN aufzugeben kam natürlich nicht von heute auf morgen. Es war ein langer Prozess bis zu diesem Entschluss. Ein schwieriger Weg, bei dem wir immer wieder das Für und Gegen abgewägt haben. Letztendlich hat dann die Liebe zum Design gesiegt. Das hört sich jetzt vielleicht seltsam an als Inhaberin eines Designlabels, aber das, was tatsächlich meine tägliche Arbeit ausgemacht hat, hatte mit Entwürfen und schönen neuen Ideen nur noch wenig zu tun gehabt. Wir haben über die Jahre einen richtig großen Handel aufgebaut. Mit vielen großartigen Händlern weltweit, verkauften auf Plattformen und über unseren eigenen Onlineshop. Da steckt also jede Menge Logistik und Administration dahinter.

Das, was nach außen hin nicht sichtbar war, muss aber den ganzen Laden am Leben erhalten. Von Buchhaltung, Inventur usw ganz zu schweigen. Irgendwann war kein Gleichgewicht mehr zwischen der schönen und guten Arbeit und dem notwendigen Drumherum. Das war der Zeitpunkt, wo mein Mann und ich gesagt haben: Stop, so geht es nicht weiter. Entweder wir sind Händler oder Gestalter, aber beides auf diesem hohen Niveau zu halten ging für uns nicht mehr. Konzentriere Dich auf Deine Stärken.

Und somit war die Entscheidung für das gefallen, was ich gut kann und wo mein Potenzial ist, nämlich das Gestalten von Produkten.

Snug Studio: Produktdesigner aus Hannover

Was hat euch schlussendlich zu diesem Entschluss bewogen? Hadert ihr noch mit der Entscheidung oder fühlt es sich total richtig an?

Nein, die Entscheidung war absolut richtig, es war eher eine Erleichterung. Schon jetzt merke ich, wie ich wieder Muße für die schönen Dinge habe. Es kommen mir wieder Ideen, meine Leidenschaft für Produktdesign ist also noch da : )

Wie muss man sich das physisch vorstellen? Habt ihr jetzt die Wohnung mit noch nicht verkauften Sachen voll oder ist alles beim Stocksale weggegangen?

Tatsächlich ist fast alles verkauft, das Büro ist so gut wie leer und wir haben nur noch ein paar Stücke als Andenken behalten. Die gute Nachricht ist aber, dass es einige unserer Produkte weiterhin geben wird. Wir haben tolle Unternehmen gefunden, die in Zukunft die Herstellung und den Vertrieb übernehmen.

Welche war die Lustigste und welche die schrecklichste Geschichte mit eurem Label?

Eine sehr schöne Geschichte war die Bestellung einer Händlerin, die einen Shop auf einer Insel in Neukaledonien hat. Ihre große Bitte war, doch zu den Kerzenleuchtern auch Kerzen mitzusenden, da es dort sehr schwierig ist, welche zu bekommen. Das haben wir natürlich gemacht und die Vorstellung, dass unsere Advents-Kerzenleuchter nun auf einer tropischen Insel verkauft werden, war großartig.

Einige Schreckmomente gab es mit Sicherheit und wir mussten auch einiges an Lehrgeld zahlen. Aber ein konkretes Ereignis ist mir nicht im Gedächtnis geblieben.

Was werdet ihr definitiv nicht vermissen? Das Gerenne zur Post? Die Suche nach verlorenen Päckchen?

Oh, ja, das werden wir auf keinen Fall vermissen. Es gibt natürlich Einiges, was auch zum Unternehmertum gehört und keinen Spaß macht. Wenn man einen Handel hat, kommt die Logistik dazu. Die Lagerhaltung, Inventur, der Versand in alle Länder der Welt. Das alles nicht mehr managen zu müssen, da bin ich nicht traurig drum : )

Faltschirm Lampe im Snug studio
Faltschachtel und Produktdesign von Snug studio
Vase mit Falttechnik von Snug Studio

Was ratet ihr Gründern, die auch an dem Punkt stehen und sich überlegen, wie und ob sie weitermachen?

Grundsätzlich für alle Gründer, die vor einer wichtigen Entscheidung stehen: immer noch auf das Bauchgefühl hören. Auch wenn es abgedroschen klingt. Man kann sich noch so viel Beratung holen, jeder hat eine andere Meinung. Letztendlich muss ich selber wissen, was gut für mich ist und somit auch für das Unternehmen.

Einen Rat für Designer, die wie wir einen eigenen Vertrieb haben können wir nur aus eigener Erfahrung teilen. Gutes Design alleine macht noch kein Unternehmen aus. Neben dem Entwurf gehören die Entwicklung, Produktion, Marketing und Vertrieb dazu. Gerade letzteres fällt vielen Kreativen schwer, denn letztendlich ist man dann auch Verkäufer. Wir kennen viele wunderbare Kollegen, aber nur wenige können wirklich langfristig davon leben. Und das ist sehr schade. Es ist für die kleinen Labels nicht einfach geworden, da der Markt auch immens gewachsen und unübersichtlicher geworden ist. Lilly von kitschcanmakeyourich hat vor einiger Zeit einen tollen Text dazu auf Instagram geschrieben, der mir aus der Seele gesprochen hat. Diesen findet ihr hier: #aboutsmalllabels ( vom 13. November 2017.)

Aber trotzdem lohnt es sich, an seine Ideen zu glauben und den Schritt zu wagen, sich selbständig zu machen. Auf dem Weg tun sich immer wieder spannende Möglichkeiten auf und ein Scheitern gibt es sowieso nicht. Auch wir sehen eher einen neuen Anfang als ein Ende.

Designkalender von Snug studio
Geometrische Formen als Papier Bastelbogen

Was können wir von euch erwarten? Was kommt als Nächstes?

Heiko ist inzwischen als Entwicklungsleiter in einem spannenden Unternehmen hier in Hannover angestellt und wird dort seinen Weg machen.

Ich werde dem Produktdesign treu bleiben. Mein Lehrauftrag an der HAWK Hildesheim, bei dem ich mit Connox und Studierenden aus dem Produktdesign gearbeitet habe, hat mich sehr inspiriert. Den Weg aufzuzeigen, wie man ein Produkt bis zur Marktreife bringen kann, das war für alle ein gelungenes Projekt. Das Resultat wird übrigens im Frühjahr in der Connox-Collection zu sehen sein : )

Auch habe ich nach wie vor viele Ideen in meinem Kopf, die nur darauf warten Gestalt anzunehmen. Diese werde ich in Zukunft nun anderen Unternehmen anbieten können.

Habt ihr einen Vorsatz für 2018

Gelassenheit und Muße. Auch wenn erst Januar ist, ein bisschen ist das auch schon gelungen : )

Minimalistisches Design: Design Adventskranz aus Holz mit Kerzen
Baer Holzbrettchen fuer das Kinder Fruehstueck
Geometrische Form beim Baumschmuck aus Holz

Danke Berit für deine ehrlichen Antworten und alles Gute für Alles, was kommt.


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