01. Wer bist du und was machst du, wo?

Ich bin Lars Schneider, gebürtiger Rheinländer und seit 2005 Wahl-Berliner. Anfang 2002 habe ich zusammen mit Mario Lorenz das Designbüro DESERVE gegründet. Von Berlin und Wiesbaden aus arbeiten wir an Projekten, bei denen oftmals Räume und Medien zusammenfließen, wie z.B. Ausstellungskonzepte und –medien für verschiedene Museen.

 

02. Was wolltest du eigentlich mal werden als du klein warst und warum bloß? 

So mit Zwölf war ich mir ganz sicher, dass ich unbedingt Apotheker werden will. Eine meiner Tanten tingelte immer von Stadt zu Stadt und machte Urlaubsvertretungen – quasi als Freelancer. Das gefiel mir gut :)

„Ich bin ein großer Fan von »Simplicity«“

 

03. Was magst du an deiner Arbeit bzw. was macht sie besonders?

Die Vielschichtigkeit unserer Kunden und die damit einhergehenden Aufgabenstellungen. Da waren in den vergangenen 15 Jahren vom Metzger über Friseure, Großbanken und Wirtschaftsprüfer bis zu Museen und dem »Rat für Formgebung« so einiges dabei. Das erlaubt vielschichtige Einblicke, die die Sicht auf die Dinge aus neuen Perspektiven immer wieder schärft.

 

04. …und was überhaupt nicht? 

Dass in Gestaltungsfragen jeder gerne seine eigene Meinung mit einbringt. Da hat’s der Apotheker einfacher – zumal auch seine Preise fix sind!

 

05. Was ist dein wichtigstes Arbeitsutensil?

Mein neuer Zollstock, den mir Mario vor ein paar Wochen geschenkt hat :)

Der personalisierte Zollstock am Arbeitsplatz

06. Was ist das Schönste an deinem Arbeitsplatz?

Mein wunderbarer »Bird«, ein Entwurf des dänischen Designers Kristian Solmer Vedel für »ArchitectMade«. Der Kleine ist der Einzige, der mir den ganzen Tag über die Schulter gucken darf und dabei mein größter Kritiker – sein Schnabel verrät unmissverständlich: »Hopp« oder »Top« ;)

 Daenisches Design: Der Holz Bird von Architectmade
07. Woher bekommst du deine Ideen? Was inspiriert dich?

Ich bin ein großer Fan von »Simplicity«. Das visuelle Getöse in unseren Umgebungen und den digitalen Medien wird zunehmend schriller – daher halte ich es für bereichernder denn je, wenn Räume und Dinge auf den Punkt formuliert sind. Die Zeitlosigkeit japanischer Gestaltungsprinzipien und arabischer Geometrien, aber auch klassizistischer Proportionen faszinieren mich ebenso wie karge, raue Landschaften.

 

08. Was ist in den letzten Monaten mal so richtig schief gelaufen?

Im Sommer 2014 bot sich die Gelegenheit, in der Nähe von unserem Büro am Tempelhofer Ufer einen wunderschönen Raum am Landwehrkanal anzumieten. Wie Ihr beiden Euch sicher gut erinnert, setzte ich hier die seit vielen Jahren gehegte Idee eines Ladens um, in dem neben Produkten junger lokaler Designer langfristig auch Produkte aus der eigenen Feder präsentiert werden könnten. Als Hommage an den Wandel Berlins von der Partystadt zur »Boomtown« taufte ich das Baby »BOUM« – das hat viel Spaß gemacht und die Resonanz war gut. Schief daran lief, dass ich neben dem Büro und dem Laden auch den Café-Betrieb, der das Angebot abrundete, koordiniert habe. Das war in der Summe einfach too much!
Nach einem halben Jahr galt es dann, eine Entscheidung zu treffen und ich entschied mich schweren Herzens dazu, das Baby in andere Obhut zu geben. Heute bin ich gerne Gast bei »BOUM« und freue mich, dass der Ort so gut angenommen wird. Ich habe viel aus dem Projekt gelernt und weiß heute mehr denn je die Vorzüge des Freiberufler-Daseins zu schätzen.

 

09. Was ist dein nächstes Ziel? Welche Projekte stehen an?

Wir arbeiten derzeit an verschiedenen Ausstellungskonzepten, die demnächst umgesetzt werden. Für den Salon BRUNETTE, der im Frühjahr Drei wurde, entwickele ich gerade das Erscheinungsbild weiter; ebenso die Website, die die Entwicklung des Salons zukünftig wiederspiegeln soll.

Minimalistisches Raumkonzept fuer Brunette passt zur Haarpflege von EVO  Lars Schneider hat sich das Raumkonzept und das Interior Design fuer Brunette in Kreuzberg ausgedacht  Neonschriftzug an der Hausfassade im Hinterhof in Kreuzberg

10. Du hast das gesamte Interiorkonzept von BRUNETTE entwickelt und umgesetzt. Wie bist du dabei vorgegangen und nach welchen Kriterien hast du ausgewählt?

Ein Friseur-Besuch ist für mich ein sehr persönlicher, intimer Vorgang. Ich selbst habe mich nie in Salons wohlgefühlt, wo ich in einer Reihe mit anderen Kunden saß, vielleicht noch die nächste Reihe im Spiegel sah und durch ein Schaufenster weiteres Publikum der Szenerie beiwohnte. Die beiden Friseure André Staack und Henry Lemke arbeiteten bis zum Besuch der Meisterschule selbst in so einem Salon – dazu auch noch in den Hackeschen Höfen, einem touristischen Hotspot. Da Mitte seinerzeit bereits immer »düsseldorfiger« wurde, regte ich an, nach einem authentischen, abseitigen und doch zentralen Standort Ausschau zu halten. Bei Location Scouting stach mir dann eine Remise in einem wunderbar ungeschminkten West-Berliner Hinterhof am Tempelhofer Ufer in der Nähe des seinerzeit noch im Bau befindlichen Gleisdreieck Parks ins Auge; in Nachbarschaft von Galerien und der »Station Berlin«, wo regelmäßig Mode- und Kunstmessen stattfinden.

Ein Friseursalon kann aus meiner Sicht überall dort funktionieren, wo auch ein Atelier oder eine Galerie Platz findet. Lediglich die »Rückwärtswaschbecken« müssen fest installiert werden – der Rest des Interieurs darf flexibel sein. Diese Qualität brachten die mit einer preußischen Kappendecke strukturierten Räume, die zuletzt von einer Agentur für Werbefilme genutzt wurden, mit. Bei der Renovierung der Räume war es mir wichtig, deren Kern freizulegen und durch eine gedämpfte Farbauswahl – als wohligen Gegensatz zur rauen Umgebung – für die zukünftige Nutzung vorzubereiten. Einzig der mit Sprossenfenstern versehene Windfang setzt hierzu einen Kontrast und heißt die Kunden mit einer schwefelgelben »Farbschleuse« – der CI-Farbe von BRUNETTE – willkommen.

Dahinter erwartet die Kunden ein großer schwarzer »Kulissentisch«, auf dem neben Mode-, Design- und Architekturmagazinen zeitweise Produkte präsentiert werden, die das Angebot des Salons ergänzen. So z.B. »Frau Tonis Parfum«, »Teatox« Tee, »Paletas« Eis oder Schmuck verschiedener Designer. Er lädt die Kunden dazu ein, Platz zu nehmen, zu lesen, Produkte auszuprobieren und sich auszutauschen – Dinge, die einen »Salon« auch ausmachen. Das Herz von BRUNETTE bildet ein Spiegel-Kubus, um den vier Bedienplätze angeordnet sind. Das Modul ist dabei so breit, dass es jedem einzelnen Kunden ausreichend Raum bietet, um sich ganz entspannt dem jeweiligen Friseur hingeben zu können. Aus dem Kubus heraus strahlen nach oben LED-Spots neutrales Licht in die Kappendecke und Musik erfüllt den Raum aus daneben angeordneten Lautsprechern. Das auf Rollen stehende Modul kann muschelartig aufgeklappt werden und dient somit gleichzeitig als Storage für Material und Ware.

Der schlichte und grandiose Friseur Brunette in Berlin Kreuzberg

Die hellen japanischen Friseurstühle erinnern in ihrer Leichtigkeit an Klassiker von Charles und Ray Eames; alle weiteren Möbel sind in mattem Schwarz oder Grau gehalten und nehmen sich sehr zurück. Auch alle übrigen Lichtquellen – wie der aus einer Biergarten-Kette inszenierte Leuchter über dem Kulissentisch – setzen auf stromsparende LED-Technik, die das Raumklima nicht unnötig aufheizt.

Alles passt: Spigel, Hay, clean, gelb und grau

In der warmen Jahreszeit steht den Kunden im begrünten Teil des intimen Hofes – vor neugierigen Blicken geschützt – eine Sitzecke zur Verfügung, wo sie ihre mit Alufolie eingepackten Haarfarben einwirken lassen. Ein Besuch bei BRUNETTE wird somit zu einer Erfahrung, die dem Credo von André Staack und seinem Team gerecht wird: »Authentische Styles für Berlins urbanen Dschungel«.

 

11. Was du der Welt schon immer mal sagen wolltest:?

Das Leben ist kein Photoshop ;)

© Fotos: Salon: BRUNETTE, Utensilien: Lars Schneider


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