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Lesestoff: „Wohnen in Grün“ und warum jeder Pflanzen haben sollte

Als ich im Sommer in den Urlaub fuhr, habe ich alle meine Pflanzen ins Bad geschafft und mit vielen bunten Zetteln versehen, damit meine liebe Nachbarin auch weiss, welche Pflanze wie gegossen werden muss. Nicht, dass ich besonders pflegebedürftige Exemplare habe, aber trotzdem wäre es für mich wirklich schlimm, eine wegwerfen zu müssen (Kräuter sind da die Ausnahme, die wollen leider nie so wie ich). Ich finde „Pflanzen entsorgen“ nämlich ganz schrecklich und deshalb kommt es bei mir auch nur zum Äußersten, wenn wirklich gar keine Hoffnung mehr besteht. Ich würde mich also als eine Art Pflanzenfreundin bezeichnen. Dass es da draußen aber noch ganz andere Menschen gibt, die ihre Pflanzen wie Haustiere lieben, das weiss ich spätestens seit dem Launch der Urban Jungle Bloggers, einer Community für Pflanzenliebhabern. Und es gibt tatsächlich wahnsinnig viele, die sehr gern ihre Dekotipps, ihr Ableger-ziehen-Profi-Wissen oder ihr Trend-Gespür teilen. Die Gründer dieser Community sind Igor vom Happy Interior Blog und Judith von JOELIX.com, die die Freundschaft, das Bloggen und die Liebe zu Pflanzen verbindet.

Leben mit Pflanzen: Dekoration und Interior Kombination

Ja und nun haben die Beiden das Buch „Wohnen in Grün“ rausgebracht. Mit vielen Tipps rund um das schöne Grün. So lernt man zum Beispiel etwas über Sukkulenten oder die Pflege von Kakteen. Man kann sich in schöne Homestories einlesen und sehen, wie andere ihr Grünzeug mit ihrem Interior kombinieren. Ein sehr ansprechendes Buch mit wirklich sehr schönen Fotos, einer guten Gestaltung und nicht minder schönen Illustrationen, die ebenso individuell wie jede einzelne Pflanze sind.

Naive Illustration im Pflanzen Buch  Blumentoepfe Mix mit Pflanzen und InteriorDas Buch Wohnen in Gruen von Igor Josifovix und Judith de Graffe

Und warum das alles?

Der ein oder andere fragt sich nun sicher, warum ich so begeistert bin? Ich kann es wahrscheinlich auch nicht ganz beantworten, denn natürlich ist es nicht das erste schöne Buch über Pflanzen. Aber irgendwie habe ich einfach das Gefühl, dass Judith und Igor dieses Thema wirklich mit viel Leidenschaft begleiten. Und Pflanzen sind einfach ein schönes Hobby. Ein Hobby alter Tage quasi. Ein bisschen so wie Modelleisenbahn fahren oder Briefmarken in Sammelalben kleben. Ein Hobby, das aber niemals altbacken wirkt und für das man ein Herz haben muss. Und es ist ein Hobby, das trotzdem so aktuell ist wie nie zuvor. Pflanzen sind fast gleichzusetzen mit dem Kaffeeboom. Jeder, der etwas hermachen will, braucht mindestens eine Sukkulente oder auch eine Markramee zum Hängen. Und da wir ja schliesslich auch etwas her machen wollen, ist dies ja auch nicht der erste Beitrag zum Thema Pflanzen. Über Hängepflanzen, Kakteen oder den Flower Market haben wir ja beispielsweise auch schon berichtet.

Mein Highlight im Buch?

Gibt es nicht wirklich, aber die DIY Anleitung, wie man Kokedama macht ist schon sehr hilfreich. Kokewhat? Das fragt sich wohl der ein oder andere. Ich kannte den Begriff auch nicht, aber als „meine“ Judith vor einigen Monaten im Ruffinis in München war, hat sie diese schwebenden Kugeln bestaunt. Es handelt sich dabei um japanische Mooskugeln, die im Buch von der Bloggerin Tiffany Grand-Riley gemacht werden. Ich finde: Ein tolles Weihnachtsgeschenk.

Das Buch Wohnen in Gruen von Callwey zeigt die Pflege vom Gummibaum

Der Booklaunch?

Ich habe mir am Donnerstag die Chance nicht nehmen lassen und bin der Einladung vom Callwey Verlag zum Buchlaunch gefolgt. Vorgestellt wurde das Buch im Showroom von Urbanara, der mit allerhand Blumen und Pflanzen dekoriert wurde.

Die Autoren Igor Josifovic und judith de Graffe Dekoration mit Bild im Urbanara  Das Event in Berlin Mitte im Urbanara Showroom  Der Booklaunch von Wohnen in Grün

Ein schöner Abend mit vielen vereinzelten Infos über die Akteure im Buch. So zum Beispiel eine Dame, die um fünf Uhr in der Früh aufsteht, um sich drei Stunden morgens um ihre insgesamt 600 Pflanzen zu kümmern. Wahnsinn, so verrückt ist nicht jeder/r. Ich zumindest nicht, aber immerhin werde ich jetzt mal meine Palme gießen, die ich vor zwei Wochen neben dem Mülleimer fand und die nun zur „La Familia“ gehört.  Laut Igor gibt das nämlich viele Karma-Points. Von uns hingegen gibt es viele Punkte fürs schöne Buch liebe Judith und lieber Igor.

 


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Lesetipp: Die Graphic Novel „Kleider machen Leute“ von Martin Krusche

Als ich hörte, dass Martin Krusche ein Buch illustriert war für mich klar: Muss ich haben. Und nun halte ich „Kleider machen Leute“ in der Hand und bin so begeistert wie erwartet. Naja, vielleicht sogar noch ein bisschen mehr. Ich habe Martin Krusche – Illustrator aus Berlin Friedrichshain – vor circa zwei Jahren kennengelernt und mich in seine Illustrationen verliebt. In unserem Shop findet man sogar sein schön gestaltetes Ausmalbuch. Martin’s Illustrationen, die er unter anderem für Yackfou (das Label, welches er mitgegründet hat) gemacht hat, sollten zumindest jedem Berliner ein Begriff sein. Und nun hat sich Martin mit der Edition Büchergilde zusammengetan und das fantastische Werk vom Schweizer Dichter Gottfried Keller ebenso fantastisch illustriert und sich damit einem Thema angenommen, das immernoch hoch aktuell ist:

Der Schneidergeselle Wenzel Strapinski ist zwar arm, dies hält ihn aber nicht davon ab seinen guten Zwirn anzuziehen, wodurch er für einen ehrenwerten Mann gehalten wird. Und genau damit nimmt die tragische Geschichte auch seinen Lauf: Die Stadtbewohner himmeln ihn regelrecht an und buhlen um seine Gunst. Natürlich kommt dann noch die große Liebe ins Spiel, aber zu viel möchte ich hier nicht verraten.Der Yackfou Mitbegruender Martin Krusche ist bekannt durch seine kreativen IllustrationenDer Illustrator Martin Krusche aus Berlin arbeitete mit der Buechergilde zusammen Handgemachte Illustration von Martin Krusche aus Berlin Friedrichshain Typografie im Buch der Buechergilde Wie ein Wimmelbild: Die Graphic Novel von Martin Krusche

Was ich aber verrate ist, dass das Buch wahnsinnig gut illustriert ist. Als Illustratorin weiss ich, wie schwer es ist einen Stil – ohne Qualitätsverlust – über lange Strecken zu halten. Und genau das schafft Martin Krusche. Beim Durchblättern bin ich tatsächlich in seine Welten abgetaucht, habe mir genau vorgestellt, wie die Vermieterin mit ihrem rotzigen Berliner Akzent spricht und in welcher Verzweiflung sich der Protagonist befindet. Die Graphic Novel ist seitenweise fast ein Wimmelbuch, in dem man immer wieder Neues entdeckt. Mir hat das Buch auf jeden Fall wahnsinnigen Spass gemacht und meinem nächsten Besuch werde ich es definitiv in die Hand drücken und als Nachtlektüre empfehlen (tatsächlich habe ich es auch in einem durchgelesen). Und alle, die nicht bei mir zu Besuch sind, müssen es sich leider selbst kaufen…

 

© Fotos Innenteil: Martin Mascheski/Edition Büchergilde

 

Herzlich Willkommen von Stefanie Luxat zeigt wie es geht!

Das Buch „Herzlich Willkommen“ von Stefanie Luxat ist wirklich ein Knaller, das wir kaum aus der Hand legen wollten und damit stundenlang auf der Couch, dem Klo und im Bett verbracht haben. Aber mal von Anfang an: Wir kennen ja alle das Problem keine Zeit zu haben Freunde einzuladen und ich habe oft das Gefühl, dass es gerade in Berlin schwer ist einfach mal „bei Jemandem vorbei zu schlappen“. Dafür sind die Wege viel zu lang, das Projekt muss noch abgegeben werden oder der harte Berliner Winter hält dich ab, deine Liebsten mal wieder zu sehen. Dennoch schaffe ich es zum Glück in fast regelmässigen Abständen „Herzlich Willkommen“ zu meinen Freunden zu sagen, denn das ist mir einfach zu wichtig. Dann koche ich Massen an Essen (denn ein Essen einer Halbgriechin kommt selten allein) und aus dem vorab propagierten „ach, ganz locker zusammensitzen“ wird dann doch ein gedeckter Tisch mit selbsteingelegten Oliven und Dips mit Unmengen an Knoblauch vorweg.

Geburtstags Party Dekoration von Anne Deppe und we like mondays Mit der richtigen Deko fühlen sich die Gaeste beim Gastgeber wohl Minimalistische Kueche mit klaren Linien

Bisher dachte ich, dass ich meine Rolle auch ganz gut spiele, bis ich die Tage dann endlich das neue Buch von Stefanie Luxat in der Hand hielt. Mist, da sind so tolle Dekoideen und Gastgebertipps drin, dass ich kurzzeitig dachte, ich spiele nur in der Regionalliga der Gastgeber mit. Aber ich konnte mich dann doch schnell wieder beruhigen, denn Steffi macht schon im Vorwort das Gefühl wieder zu Nichte (danke dafür:)) und zitiert hier genau das, was ich auch immer sage:

„Es muss niemals perfekt, nur eben persönlich sein.“

 

Und damit hat sie so Recht. Und mit ihrer leicht selbstironische Art, die wir bereits von ihrem Blog ohhhmhhh.de kennen, verrät sie uns auch direkt, dass die Wohnungen in diesem Buch natürlich nicht immer so schnieke sind, dass man auch mit Schnittchen und Jogginghose eine gute Figur macht und warum es sich manchmal aber doch lohnt, mal so richtig die Gastgeberkeule auszupacken.

 Wasser als Thema fuer die Dekoration

Gestalterisch betrachtet…

…habe ich das Buch als Designerin natürlich noch genauer und ich muss sagen, dass es auch gestalterisch auch sehr ansprechend ist. Vom Layout, über die Fotos bis zum Papier ist es stimmig und es macht Spass jede Seite zu entdecken. Und genau deswegen kann ich mich mit dem Buch auch so ausgiebig beschäftigen. Nicht, weil ich hier neue politische Erkenntnisse erhalte oder literarisch gefordert werde. Nein, ich kann mich einfach mal berieseln lassen von Schönheit und sehr netten Interviews, die mich abends nach einem sehr anstrengenden Tag geistlich nicht fordern und das brauche ich manchmal tatsächlich.

Neben der Dekortion gibt es im Buch auch schoene Typografie Im Buch gibts Tipps fuer die eigene CocktailbarCover im Danish design Stil

Entdeckt habe ich schon so Einiges und so ist ein Besuch bei „Herr Max“ ein Pflichtprogramm beim nächsten Hamburg Besuch. Aber auch die farbenfrohe Deko von Andrea Potocki und unserer Freundin Anne Deppe hat mir soviel Lust gemacht, dass nun jede noch so kleine Gelegenheit zum Event werden soll.

Herzlich Willkommen vom Dekoprofi Stefanie Luxat

Leider erinnert mich das Buch auch an Bereiche, die ich in den letzten 9 Monaten sehr vernachlässigt habe: Ist der kleine Mann aber die nächsten Tage dann aus meinem Bauch raus und der erste Stillmarathon in ein paar Monaten vorbei, dann werde ich mich auch wieder unserem schönen danish Design Servierwagen widmen, denn wie das Buch schon sagt: „Zeig mir deine Hausbar und ich sage dir, wer du bist“. Meine Bar mit einer vollen Ouzo- und einer halbleeren Portweinflasche zeigt gerade wohl eher eine Frau ohne soziale Kontakte, die Griechenland mag und den Portwein nur zum Ablöschen rausholt. Traurig, das muss natürlich schnellstens wieder geändert werden…

The Hundert Magazin Release Party in der Embassy Berlin

Der Weg zur Release Party des The Hundert Magazins startet schon sehr früh und ich muss schon ein wenig über mich selbst schmunzeln, dass ich mich um 19.36 Uhr in die S-Bahn setze. Aber bekanntlich fängt der frühe Vogel ja den Wurm. In meinem Fall heisst es dann: Der frühe Gast muss nicht lange anstehen, kann sich einen Überblick verschaffen und kann sich noch am Buffet bedienen (was ich natürlich auch gemacht habe).

30 Minuten später stehe ich vor der Embassy im Wedding. Und wer nun Panik hat, ich sei in die Politik gewechselt oder werde nun als Halbgriechin krisenbedingt dem Lande verwiesen, den kann ich beruhigen: Die Embassy ist nämlich keine Botschaft, sondern ein riesiger alter Gewerbehof mit großen Hallen, stillgelegten Schienen und mittlerweile eben auch Eventlocations, wo man Magazin-Release Partys feiern kann. Eine wirklich schöne Location, in der man gerne einen netten Abend verbringt.

Hier feuert die Startup Szene in BerlinNach der Registrierung und dem Entdecken von einer GZSZ-Schauspielerin und dem Comedian ThomasHermanns, stelle ich mich, bepackt mit Softdrink und Brezel, erst einmal an einen Stehtisch. Und stehe und gucke und stehe und gucke und komme mir nach 30 Minuten mit meiner Sprite in der Hand, mit 8-Monats-Baby-Bauch, alleine am Hussen-besetzten Stehtisch etwas verloren vor. Aber „die Rettung“ naht in Form von unserer Praktikantin samt Freund, die das erste Mal eine Startup Veranstaltung besuchen und es meines Erachtens nach auch mögen.

Der Rest des Abends ist sehr unterhaltsam, ich treffe gute Bekannte aus der Startup-Szene und lausche der Rede von „Berlin Valley“- und „the Hundert“-Herausgeber Jan Thomas und rege mich gleichzeitig ein wenig über den Rest des Publikums auf, die es nicht lassen können sich fröhlich weiter zu unterhalten. Ich finde es ziemlich unhöflich einem Mann nicht zuzuhören, der einen einläd und in seiner Rede wirklich herzlich dem ganzen Team dankt. Das hat meiner Meinung nach mehr Respekt verdient. Lasst euch das mal von Julia- the Moralapostel gesagt sein:)Der Herausgeber von The Hundert und Berlin Valley  Jan Thomas Das Team von Newniq war auch beim Release von The Hundert

Nach der Rede dürfen wir in die neue Ausgabe des The Hunder Magazins schauen und ich muss sagen, sie ist wirklich schön. Authentische Fotos, die von den 4 Fotografen Anna Santo, Saskia Uppenkamp, Franz Grünewald und Martin Walz geschossen wurden und Dank des Designbüros Operation Butterfly wirklich schön in Szene gesetzt wurden. Und auch hier schließt sich wieder der Kreis. Denn der Inhaber des Büros Balász Torsoly war einmal mein Chef bei meinem ersten Praktikum vor 10 Jahren und hat auch die vierte Ausgabe von the Hundert namens „Startups meet Fashion“ gestaltet, in der Judith und ich Models spielen durften und vom großartigen Fotografen Damien Vignaux fotografiert wurden.Das strahlende Cover von the Hundert Startup Magazin

Unser Fazit zur The Hundert Magazin Issue 6 Release Party:

Alles in Allem lässt sich sagen: Die Release Party von The Hundert war eine schöne Veranstaltung, das Magazin macht Spass und ein besonderer Dank an die Macher, die die Startup-Szene nun schon zum 6. Mal so gut aussehen lassen.

Früher war ich unentschlossen. Jetzt bin ich mir da nicht mehr so sicher

„Liebste Newniqs. Wisst ihr noch damals, als wir uns strunzhacke auf dem roten Teppich trafen und voll professionell Businesskarten austauschten? Im nächsten Buch kriegt diese Story ein eigenes Kapitel. Versprochen. Alles Liebe Jule Müller“ steht auf der ersten Seite des Buches, das wir gerade aus dem Briefkasten holen. Wir bedanken uns per Mail, bekommen nette, hektische Zeilen zurück und verabschieden Jule erstmal auf ihre Promotour für ihr erstes Buch, um uns ganz in Ruhe mit ihrem Werk zu befassen.

Jule Müller, 32 lebt in Berlin-Neukölln und führt unsere Generation mit ihrem Buch zurück in die 90er und 00er Jahre. In eine Zeit, in der man schlechten Wein getrunken, zu viel Zigaretten geraucht und die große Welt dieses mysteriösen Internets kennengelernt hat. In eine Zeit in der Jule über das Überleben in ihren Zwanzigern spricht, eine Zeit in der sie sich wieder „jugendliche Haut wünschte und Akne bekam“. Und auch wenn wir nicht jede Geschichte eins zu eins so erlebt haben, haben wir doch gefühlt wie es war, denn man hat ähnliche Geschichten erlebt, weiß wie man sich beim ersten Auslandsaufenthalt gefühlt hat und wie es ist, wenn einem das Herz in tausend Stücke zerbricht. Und so haben wir uns Jule nach ihrer ersten aufregenden Zeit als richtige Autorin einmal ausgequetscht:

 

Liebe Jule, vielen Dank für die schönen Stunden, die wir mit deinem Buch verbringen durften. Erzähl uns doch kurz, was sich seit Erscheinen deines Buchs so alles getan hat. Erzähle uns doch ein wenig von deiner Lesetour! Gab es unvorhergesehene Geschehnisse oder lief alles super seriös ab?

Die Lesetour bestand aus fünf Terminen, war also echt überschaubar. Es war das Schönste. Und das Schlimmste. Wahnsinn, wie viele Emotionen man dabei durchläuft. Ich habe mir ständig abwechselnd vor Angst und dann vor Freude eingepinkelt. Gut war, dass ich mein großes Idol Linus Volkmann neben mir sitzen hatte, der als eine Art hochwertiger Moderator und Händchenhalter fungierte. Mit dem Mann eine Bühne zu teilen, war schon immer mein Traum gewesen und macht mich nachhaltig dankbar.

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Außerdem saß in Berlin meine Mutter im Publikum – mit einem T-Shirt, auf den sie den Titel des Buches hatte drucken lassen. Respekt. Ansonsten hatte ich das mit der Aufmerksamkeit für meine Person etwas unterschätzt. Das scheint nicht so meins zu sein. Ich fühle mich wohler hinter der Kamera oder dem Laptop. Auch schon wieder nerdy. Mich haben vor allem die Bilder berührt, die Fremde, Freunde, Hunde, Babies, Hände und Echtholztische mit meinem Buch zeigen – die hab ich heimlich alle gesammelt, weil es echt absurd ist.

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„Ich kann ganz schnell rausfinden, wer den Weltrekord im Holzhobeln hält“

 

Du bist nun 32, hast also deine Zwanziger eindeutig überlebt. Wie würden die letzten 2 Jahre in wenigen Zeilen so lauten?

Das ist leicht. Dafür brauche ich nur zwei Worte: im gegenteil. Ich habe meinen festen Agenturjob aufgegeben und mich für das Verkuppel-Baby selbstständig gemacht. Und während ich den Plan hatte, hauptsächlich mit Mojitos im Park abzuhängen, habe ich noch nie so viel gearbeitet wie in den letzten zwei Jahren. Aber es gibt wahnsinnig viel zurück, ich habe wundervolle Menschen kennenlernen und echt gute Orte besuchen dürfen. Außerdem habe ich dieses besagte Buch geschrieben, was sich leider nicht ganz so nebenbei abhaken ließ, wie erhofft.

 

Du schreibst in deinem Buch über unsere Generation, die nicht Kopfrechnen und keine Kommas setzen kann. Schlimm genug. Ist die nächste Generation eigentlich in deinen Augen noch lebensfähig?

Ja logo. Die machen das besser als wir. Oder anders. Gut, vielleicht brauchen die noch ein paar Jahre, aber ich bin sehr zuversichtlich, dass sich der von ganz alleine Internetkonsum regulieren wird und die Menschen sich zurück auf Öllampe und Schriftrolle besinnen. Außerdem kann ich zwar, keine, Kommas, setzen, aber dafür andere Dinge. Zum Beispiel ganz schnell rausfinden, wer den Weltrekord im Holzhobeln hält und mir sehr viele Menschen auf Instagram merken. Ist auch praktisch. Die Leute hacken zu viel auf unserer Generation rum, wir sind schon voll okay.

 

In deinem Buch schreibst du über verschiedene Exfreunde und Affären. Hat sich einer von ihnen nach der Buchveröffentlichung mal wieder bei dir gemeldet? Und wenn ja, was haben sie zu ihrer Figur im Buch gesagt?

Der eine Exfreund ist Engländer und des Deutschen nicht mächtig. Zum Glück. Von dem anderen erwarte ich jeden Tag eine einstweilige Verfügung, kam aber noch nichts. Das heißt, er hat es entweder nicht mitbekommen oder hasst mich im Stillen. Selbstverständlich habe ich die Persönlichkeitsrechte gewahrt, ich bin ja nicht lebensmüde. Der Rest der Personen war vorher informiert. Ich habe mich allerdings geweigert, irgendwem tatsächliche Textpassagen zu schicken. Wenn man damit anfängt, dann braucht man wahrscheinlich noch mal ein Jahr, um die Änderungswünsche einzubauen. Mein Buch, meine Wahrheit.

 

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Bleiben wir doch kurz bei der Liebe. Du hast mit deiner Freundin Anni die tolle Singleseite „im gegenteil“ ins Leben gerufen. Wie sexy ist für dich die Berliner Startupszene?

Ehrlich gesagt komme ich mit dieser Szene nicht so wirklich in Berührung. Wir treffen zwar immer mal wieder Leute, die irgendwas mit Medien, Bloggen, Geld, Entwicklung zu tun haben, um uns auszutauschen, aber so richtig blicke ich da nicht durch.  Ich bevorzuge es eindeutig, Männer fernab der Arbeit kennenzulernen, obwohl ich es natürlich bewundere, wenn Typen beruflich was gerissen haben.

 

Und jetzt mal Hand aufs Herz: Hast du dich schon mal in einen eurer Singles verguckt?

Ja, voll. Wir waren dann ein halbes Jahr zusammen. Es war aber eine Fernbeziehung und hat alles doch nicht so gut funktioniert. Schade drum, aber passiert.

 

Kommen wir zu guterletzt noch einmal auf Berlin zu sprechen: Wie sieht ein typisches Wochenende mit Jule Müller aus? Türkenmarkt-Kuchen-Tatort oder lieber Kudamm-Museumsinsel-Aperolspritz?

Ich wünschte, ich könnte hier eine fancy Antwort geben. Ich verbringe zwar gerne Zeit mit Freunden, bin aber wirklich kein Foodmarket-Shopping-Museums-Freelatics-Disko-Typ. Ab und zu mal in ne Bar oder über den Flughafen Tempelhof schleichen, damit bin ich zufrieden. Den Rest der Zeit arbeite ich eh. Und dann habe ich am Wochenende, wenn ich denn mal einen Tag frei habe, Bock auf rumliegen – bei mir, bei Freunden, von mir aus auch auf einem Rasen, aber bloß nicht zu viel Action.

 


 

Danke für das schöne Interview liebe Jule. Weiter viel Erfolg mit dem Buch und eurer Seite. Wird sicher alles bombig laufen.

 

© Fotos: Saskia Bauermeister – saskiabauermeister.com / Andreas Bohlender – cargocollective.com/andreasbohlender

 

Was uns bewegt, was uns inspiriert.

Manchmal ist das ja so etwas heikel mit der Inspiration, da weiß man oft nämlich gar nicht, wo diese herkommt. Da kann ein Mettbrötchen ebenso die Gehirnzellen kitzeln, wie eine Austellung von Gerhard Richter. Es kann ein neuer Laden sein, ein alter Jaguar oder dieser eine Fotograf über den jeder gerade schreibt. So oder so, nur durch Inspirationen können wir kreativ sein und diese Inspirationen wollen wir euch hier zeigen, frei nach dem Motto „Alles kann, nichts muss!“